Von Daniel Roßbach

Schaut man sich in Elbe-Elster nach Institutionen islamischen Lebens um, findet man schnell nach Trebbus. Das kleine Dorf, ein Ortsteil von Doberlug-Kirchhain, beheimatet seit inzwischen mehr als 25 Jahren die Mevlevihane, ein islamisches Kloster (Tekke). Geleitet wird sie von dem aus Berlin stammenden und vor Jahrzehnten zum Islam konvertierten Scheich Abdullah Halis Dornbrach und seiner Frau Nuriye.

Doch während in den letzten Jahren mehr muslimische Menschen als Geflüchtete nach Elbe-Elster gekommen sind, bleibt die Tekke in Doberlug-Kirchhain die einzige räumlich präsente islamische Institution in der Region.

„Es gibt eine islamische Gemeinde in Finsterwalde mit einem aus Damaskus stammenden Imam, die aber keine eigenen, dauerhaften Räume hat“ sagt Jürgen Brückner der RUNDSCHAU. Er ist Integrationsbeauftragter des Landkreises Elbe-Elster.

„Muslimisches Leben ist hier nicht wirklich präsent“

Trotz bestehenden Willens des Landkreises zu Unterstützung sei es schwierig, entsprechende Räume zu finden, so Brückner. „Kostengünstige Räume zu finden, ist nicht so einfach und bisher nicht gelungen. Die Verantwortung für die Räumlichkeiten liegt bei der islamischen Gemeinde.

Es ist auch nicht unkompliziert, die verschiedenen Gruppen, Glaubensrichtungen und unterschiedlichen Haltungen und Wertvorstellungen in Übereinkunft zu bringen. Eine Vereinsgründung als Migrantenselbstorganisation, in der sich Muslime zusammenfinden, war im Gespräch, ist aber nicht realisiert worden.“

Auch Bacel Ahmad aus Finsterwalde berichtet davon, dass Bemühungen um einen Ort für die islamische Gemeinde in der Stadt vorerst zum Erliegen gekommen sind: „Muslimisches Leben ist hier nicht wirklich präsent,“ sagt Ahmad. Die Gründe dafür lägen auch im gesellschaftlichen Umfeld.

„Es sind viele weggezogen, weil das Leben hier etwas schwierig ist, das Zusammenkommen von Kulturen. Es gibt viele Vorbehalte.“

Lediglich in der Fliegerstraße in Finsterwalde, wo es in der Nähe des Lausitzflugplatzes Wohnungen für geflüchtete Menschen gibt, gebe es einen improvisierten Raum, in dem sich Gläubige zum Freitagsgebet treffen, berichtet Ahmad. Doch dabei handele es sich um ein Provisorium.

„Religiöses Leben findet in diesem Bereich vor allem im Privaten statt,“ so Jürgen Brückner. Ausnahmen dazu bilden vor allem größere Feiertage wie das Fastenbrechen am Ende des Ramadan, zu denen es auch Zusammenkünfte gibt, etwa in der Begegnungsstätte Freiraum in Elsterwerda.

Syrische Familien aus Elbe-Ekster weggezogen

Bacel Ahmad betreibt am Markt in Finsterwalde ein Lebensmittelgeschäft für arabische und mediterrane Spezialitäten. „Meine Kundschaft ist international, es kommen genauso Deutsche wie Syrier und Afrikaner – Eritreer, Somalier. Und gerade Flüchtlinge waren und sind sehr froh, dass es den Laden gibt.“ Doch auch daran, wie sein Geschäft läuft, habe Ahmad zu spüren bekommen, dass viele syrische Familien in diesem Jahr aus der Region weggezogen seien. Eine Mitarbeiter-Stelle musste Ahmad streichen.

Über die Trebbuser Tekke sagt Ahmad, sie sei für eine Zeit sein Anker in der Region gewesen, er habe in Trebbus in ihrer Nachbarschaft gewohnt. Für neu angekommene Muslime in der Region sei es aber nicht einfach, in stetigen Kontakt mit der Tekke zu kommen – schon logistisch: „Viele von ihnen haben kein Auto, und dann dauert es schon aus Herzberg leicht zwei Stunden, um zu uns zu kommen,“ sagt Nuriye Halis.

In den 1970er und 80er Jahren hat Abdullah Halis in der Türkei und in Syrien den Islam studiert und wurde zum Geistlichen in der Tradition des Sufitums, das verschiedene spirituelle und philosophische Strömungen innerhalb des Islam umfasst.

Zeit verbrachte er damals unter anderem in Aleppo, der uralten Stadt in Syrien, die im Krieg der letzten Jahre stark zerstört wurde. „Wir tun, was wir tun sollen,“ sagt er darüber, worin die Tätigkeit der Mevlevihane besteht, und meint damit das Bemühen um spirituelle Selbstfindung.