Von Daniel Roßbach
und Josephine Japke

Es ist ein dringlicher Aufruf, der in der vergangenen Woche in der Facebook-Gruppe „Sängerstadt Finsterwalde“ gepostet wird: Ein Nutzer aus Sonnewalde schreibt dort, er habe drei junge Kätzchen entdeckt, deren Mutter sich offenbar nicht um sie kümmern könne, und die deshalb dringend Hilfe brauchen. Gefunden habe der Mann die Katzen nach dem Einzug in ein neues Haus beim Aufräumen eines Schuppens, wie er in seinem Facebook-Post schreibt.

Er kenne sich selbst nicht mit Katzen aus und suche daher Hilfe, sei mit Anfragen bei Ordnungsamt, Tierärzten und Tierheimen aber nicht durchgedrungen. Seine Bitte: Kann sich jemand der Tiere annehmen?

Hilfsbereite Tierliebhaberin macht sich trotz Verletzung auf den Weg

Marion Schelle aus Pießig bei Sonnewalde zögert nicht lange und erklärt sich bereit, die Kätzchen abzuholen und aufzuziehen. Obwohl sie dazu auf Krücken zum Treffpunkt humpeln muss, denn die 33-Jährige hat sich wenige Tage zuvor beim „Tough Mudder“-Hindernislauf auf dem Lausitzring einen Bänderriss zugezogen. Trotzdem nimmt sie sich der drei jungen Kätzchen an – und weiß, worauf sie sich damit einlässt: „Vor einigen Jahren habe ich schon einmal acht ‚Flaschenkinder’ groß gezogen.“

So weiß sie, dass sie nun alle zwölf Stunden mit einer Flasche mit Taurin-haltiger Milch die drei jungen Katzen füttern muss. Etwa zwei bis drei Wochen seien die einem Tierarzt zu Folge wohl alt. Die zwischenzeitliche Unterversorgung macht sich bemerkbar, vor allem eins der Jungtiere nimmt die Nahrung zunächst nicht auf. Doch nach einigen Tagen sagt Marion Schelle: „Die drei haben in der Nacht das erste Mal die gewünschte Menge Milch getrunken und sich diese auch lauthals eingefordert.“

Tierhalter zeigen sich unverantwortlich

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass solcher Einsatz notwendig wird und Haustiere allein gelassen stranden? Sabine Delloch ist als Vorsitzende des Tierschutzvereins Finsterwalde oft Ansprechpartnerin in solchen Hilfesituationen: „Nicht täglich, aber mindestens einmal pro Woche erreichen uns solche Anfragen“, sagt Delloch der RUNDSCHAU. Grund dafür sei letztlich in jedem Fall, dass Tierhalter sich nicht verantwortungsbewusst verhielten: „Jede Katze, die herumläuft, hatte mal einen Besitzer.“

Die seien auch dafür verantwortlich, zu verhindern, dass Tiere sich unkontrolliert vermehren. Der Tierschutzverein lasse pro Jahr 150 bis 200 Katzen sterilisieren. Dennoch sei das Aufkommen von streunenden Tieren in diesem Jahr besonders hoch. Die eigenen Kapazitäten des Vereins, mit etwa 60 Mitgliedern zu helfen, würden so ausgereizt, sagt Delloch. Die 62-Jährige kümmere sich um zwölf eigene Katzen. „Im nächsten Jahr gehe ich in Ruhestand“, sagt die Altenpflegerin, „danach kümmere ich mich dann ganz um den Tierschutz.“

Herrenlose Tiere sind eigentlich kein Problem

Dass das Problem mit herrenlosen Tieren in Sonnewalde nicht ganz so groß ist, wie es den Anschein macht, bestätigt indes Tino Lehmann, Leiter des örtlichen Ordnungsamtes: „Das Ordnungsamt der Stadt Sonnewalde hat fünf bis sechs Fälle von Fundtieren im Jahr zu bearbeiten. Also es hält sich in Grenzen.“ Die Fälle von entlaufenen Hunden würden sich in den Ortsteilen meist von selbst aufklären. Doch auch Tino Lehmann sagt, dass es bei Katzen oft schwieriger ist.

„Fundkatzen werden meist im Tierheim Druschke in Langengrassau für 28 Tage untergebracht und danach vermittelt“, erklärt Tino Lehmann. Und auch mit Frau Delloch vom Tierschutzverein Finsterwalde pflege man eine gute Zusammenarbeit. Der Verein werde bei notwendigen Kastrationen und Sterilisationen von der Stadt sogar finanziell unterstützt.

Sonnewalder Kätzchen geht es gut

Und auch den Kätzchen aus dem Sonnewalder Schuppen konnte nachhaltig geholfen werden. Nach ein paar Tagen meldet sich Marion Schelle abermals: „Den Katzen geht es super, die nehmen gut zu und sind mobil und im Moment sieht es nicht so aus, als würde eine es nicht schaffen“, schreibt sie und schickt als Beweis ein Bild von drei schläfrig kuschelnden Katzen mit.