Gesundheit in Finsterwalde: Novemberblues? Was ein Psychiater Männern rät

Chefarzt Dr. Haythem Zaghdane im Park vor der Psychiatrie Finsterwalde, Teil des Elbe-Elster Klinikums.
Mario Sanders- Dr. Haythem Zaghdane vom Elbe-Elster-Klinikum in Finsterwalde spricht über Depressionen bei Männern.
- Im November gibt es viele Initiativen zur Männergesundheit, wie Movember und den Internationalen Männertag.
- Depressionen sind häufig und betreffen Männer oft anders, oft verbunden mit Alkoholkonsum.
- Früherkennung und Behandlung sind wichtig, soziale Isolation erhöht das Risiko.
- Elbe-Elster hat eine hohe Suizidrate, besonders bei Männern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Männer, aufgepasst: Tristes Novemberwetter, Nieselregen und wenig Sonnenschein – was macht das mit Männern? Wie steht es um die männliche Seele?
Seit ein paar Jahren wird der gesamte Monat November an vielen Orten als „Movember“ (Wortschöpfung aus „Moustache“ = Schnurrbart und „November“) betrachtet. Andererseits hat gerade der November zwei Tage, die den Männern gewidmet sind: der Weltmännertag am 3. November und der Internationale Männertag am 19. November. Was können sie im Hinblick auf das seelische Gleichgewicht der Männerwelt bewirken?
Weltmännertage und die eigene Gesundheitsvorsorge
Die Universität Wien hat den Weltmännertag für den 3. November initiiert, um die Männer dieser Welt dazu aufzurufen, sich mehr um ihre Gesundheit und die damit verbundene Vorsorge zu kümmern.
Den Internationalen Männertag am 19. November gibt es quasi als Ergänzung zum Weltfrauentag am 8. März. Er widmet sich neben der Gesundheit auch weiteren Themen. Zum Beispiel geht es darum, welche Eigenschaften Männern zugeschrieben werden oder wie sich gesellschaftliche Erwartungen an Männer verändern bzw. nach bestimmten neumodischen Vorstellungen verändern sollten.
Der „Movember“ kommt aus Australien und wurde in anderen Ländern der Welt kopiert. Männer lassen sich einen Schnurrbart wachsen, um auf die besonderen Gesundheitsrisiken ihres Geschlechts aufmerksam zu machen: vor allem rund um die psychische Gesundheit, wie Depressionen und Suizidgefahr, aber auch um medizinische Beeinträchtigungen wie Prostata- und Hodenkrebs. Männer werden ermutigt, ihre Gesundheit aktiv zu fördern und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.
Häufigkeit und Auslöser von Depressionen
Depressionen seien keine Seltenheit. Fast jeder bekomme sie im Laufe des Lebens mindestens einmal, sagt Chefarzt Dr. Haythem Zaghdane. „Eine Depression hat viele Gesichter, aber meist ähnliche Auslöser. Besonders Verlust und soziale Isolation sind häufige Auslöser.“
Seit einem Jahr leitet er die Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Elbe-Elster-Klinikums in Finsterwalde mit drei Stationen und einer Ambulanz. Darüber hinaus ist er auch für die Ambulanz und Tagesklinik in Elsterwerda zuständig. Nach Elbe-Elster kam er über Stationen in Teupitz und Lübben.

Dr. Haythem Zaghdane, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik rät zum frühzeitigen Organisieren von Hilfe bei Verdacht auf Depressionen.
Mario SandersIn seinem Fachbereich trifft er zwar auf mehr Frauen als Männer. Aus seiner Sicht seien Frauen aber nicht häufiger betroffen von psychischen Erkrankungen. Männer würden nur viel seltener medizinische Hilfe in Anspruch nehmen als Frauen. „Leiden männliche Patienten an einer Depression, ist vor allem der Umgang ein anderer – und viele flüchten sich in Alkoholkonsum. In Gesellschaften, in denen es kaum Alkohol gibt, ist die Depressions-Rate von Männern und Frauen gleich“, sagt der Chefarzt.
Anzeichen zur Früherkennung von Depressionen
Als Anzeichen einer Depression bezeichnet Dr. Zaghdane Schlafstörungen, gedrückte Stimmung, Antriebs- und Lustlosigkeit, zunehmende Müdigkeit und sozialer Rückzug über einen längeren Zeitraum von zwei Wochen. Wenn im familiären Umfeld bereits gehäuft depressive Phasen auftraten, sollten sich Betroffene frühzeitig Hilfe organisieren, rät er. Das sei sowohl über den Hausarzt, über Fachärzte oder direkt über die psychiatrische Institutsambulanz möglich.
Als Ursachen für Depressionen gelten aus ärztlicher Sicht Einsamkeit, Zukunftsängste und Unsicherheiten, auch finanziell, Erkrankungen, wie chronische Schmerzstörungen sowie weitere Belastungsstörungen. „Nach Studien ist die Gefahr einer depressiven Phase dort besonders hoch, wo wenig soziale Einbindung gegeben ist“, betont Zaghdane. Hier sind auch die Angehörigen gefordert, die erste Anzeichen ernst nehmen und dann entsprechende Hilfe organisieren sollten.
Arzt rät: sich für das Leben entscheiden
Chefarzt Dr. Haythem Zaghdane erklärt weiter: Hinter der Diagnose Depression können sich verschiedene Schweregrade und Verläufe verbergen. Entscheidend für die Ermittlung des Schweregrades ist sowohl die Anzahl der Symptome als auch die der Episoden, die erlebt werden. Ohne vernünftige Diagnostik, gegebenenfalls stationäre oder teilstationäre Aufnahme und Behandlung könnte am Ende der Erkrankung ein Suizid folgen.
Im AOK-Gesundheitsatlas für Brandenburg findet man leider auch diese Zahlen: Von 2015 bis 2021verzeichnete der Landkreis Elbe-Elster eine Suizidrate von 10,4 bis 11,8 Prozent auf 100.000 Einwohner, wobei Frauen mit 4,7 bis 5,5 und Männer deutlich stärker mit 15,6 bis 18 Prozent betroffen waren.
Hilfe bei negativen Gedanken und Depression
Wenn Sie sich in einer persönlichen Krise befinden und Hilfe brauchen, reden Sie darüber. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, die es Ihnen ermöglichen, anonym mit Menschen über Ihre Situation zu sprechen.
- Bei der Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) geht das online, telefonisch oder vor Ort. Sie erreichen die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800 1110 111 und 0800 1110 222.
- Auch im Chat oder via E-Mail finden Sie dort Unterstützung.
- Außerdem gibt es mit der App „Krisen Kompass“ eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen. Die App erhalten Sie kostenlos im Apple App Store und bei Google Play.


