Von Heike Lehmann

Von der Vision zur Realität hieß es am Dienstag am Ufer des Bergheider Sees. Im künftigen Hafen öffneten sich erstmals die Türen zum schwimmenden Autartec-Haus. Ein jahrelanges Forschungsprojekt im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Wachstumskerns fand seinen Abschluss. „Es werden sich weitere Forschungsprojekte anbinden’“, kündigt Prof. Dr. Matthias Klingner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI Dresden und Initiator des Autartec-Hauses, an. Dieses Projekt sei das für ihn schwierigste in seiner persönlichen Historie gewesen, so Matthias Klingner.

Riesiges Interesse

Ab sofort bereichert das Haus mit unkonventionellem Aussehen das Lausitzer Seenland. Eine Vielzahl implementierter neuer Technologien habe jetzt schon ein „riesiges Interesse geweckt“, sagt Klingner. „Es kommen Anfragen aus aller Herren Länder.“

Dass das Haus in Brandenburg auf dem Bergheider und nicht in Sachsen auf dem Geierswalder See schwimmt, ist einer Offensive von Gottfried Richter, Amtsdirektor vom Amt Kleine Elster, zuzuschreiben. „Er hat argumentiert, dass das Projekt viel besser in die Bergbaufolgelandschaft und zum Besucherbergwerk F 60 passt“, erinnert sich Matthias Klingner.

Baustart im vorigen Jahr

Mitte 2018 wurde unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs und Infrastruktursysteme IVI Dresden begonnen, das Haus als Technologiedemonstrator zu errichten. Das Nutzungsszenario orientiert sich am Energie- und Platzbedarf eines 4-Personenhaushaltes. Auf einem 175 Quadratmeter großen Ponton ruht ein zweistöckiges Gebäude mit umlaufender Terrasse. Alle bisherigen Forschungsergebnisse wurden eingebaut. Architektonisch spiegelt die Kubatur des Holzhauses – drei sich durchdringende Kuben – die drei Facetten der angestrebten Autarkiebereiche für Wasser/Abwasser, Elektroenergie und Wärmeenergie wider.  Die vielen Flächen werden genutzt, um Energie zu ernten und sie in den Wänden zu speichern, um sie nutzen zu können. Selbst die Stufen der Spindeltreppe aus innovativem Carbonbeton zur oberen Etage bergen Batteriespeicher.

Vom Bund gefördert

Als eine Erfolgsgeschichte visionärer Architektur in Verbindung mit innovativen Anlagetechniken bezeichnete Kathrin Meyer, Referatsleiterin „Nachhaltige regionale Innovationsinitiativen“ beim BMBF, das Autartec-Haus. Das Forschungsministerium habe es mit etwa 9 Millionen Euro gefördert. „3,3 Millionen Euro haben beteiligte Unternehmen beigesteuert und knapp eine Million Euro kam vom Fraunhofer-Institut selbst“, so Meyer. Sie zollte den Beteiligten Respekt, dass sie sich von Verzögerungen und Auflagen nicht haben entmutigen lassen.

 Energiespeicher, eine chemie- und biologiefreie Wasseraufbereitung und neuartige Lösungen zur Kühlung und Erwärmung des Gebäudes sowie eine umfassende Steuerung der einzelnen Komponenten sollen dazu beitragen, eine autarke Lebensweise zu ermöglichen.

Künftig Führungen für Besucher

Übernachtungen im modernen Haus mit Kamin, Sitzecke, Küche, Ess- und Schlafbereich sowie Blick zur F 60 sind an die Auswertung von Messdaten gekoppelt. Die Neugier der Masse hingegen werde künftig mit Führungen über das F60-Team zum Haus und auch mal ins Haus gestillt, kündigt Matthias Klingner an. Amtsdirektor Richter erhofft sich dadurch jährlich bis zu 15 000 Besucher mehr am Bergheider See.

Wohnen auf dem Wasser als Lausitzer Albtraum

www.lr-online.de/bilder

Bildergalerie Abschlussveranstaltung autartec® FreiLichtHaus - von der Vision zur Realität - am Bergheider See in Lichterfeld

Die schwimmenden Häuser auf dem Geierswalder See Wohnen auf dem Wasser als Lausitzer Albtraum

Geierswalde