Elektroauto der DDR: Das Elsist aus Finsterwalde wird Stargast in Fürstenwalde

Günter Wehr (l.) und Torsten Wiese von den IFA-Freunden in Fürstenwalde sind im Energie-Service-Center von Massen begeistert vom Elsist aus Finsterwalde. Sie haben Pläne mit dem ersten Elektroauto der DDR.
Mario Sanders- Elsist: DDR-Elektroauto (1974–1978) aus Finsterwalde, nun in Trebus zu sehen.
- Basis Trabant Kübel, 2×40-Volt-Motoren à 2,5 kW, 16 PS Gesamtleistung.
- Vier 12-Volt-Lkw-Batterien, ca. 50 km Reichweite, 55 km/h Spitze.
- Sicherheit: zusammenschiebbare Lenksäule, stoßabsorbierende Zonen, Windkanaltests.
- Leihgabe für drei Jahre an IFA-Freunde Trebus; Tag der offenen Tür am 18. April 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Heutzutage ist Elektromobilität in aller Munde. Aber schon von 1974 bis 1978 tüftelte in Finsterwalde eine Arbeitsgemeinschaft der Station Junger Techniker gemeinsam mit ihrem Lehrmeister Erhard Neubert an einem Elektrofahrzeug, dem Elsist.
Die Abkürzung Elsist steht für Elektrisches-Sicherheits-Stadtauto. Ziel war es, ein sicheres, alltagstaugliches Elektrofahrzeug für den Stadtverkehr mit bereits vorhandenen Bauteilen unter Einbeziehung Jugendlicher zu entwickeln.
Dies gelang. Neubert fuhr das grüne Elsist mit braunen Sitzen durch Finsterwalde. Mit dem Ende der DDR musste diese innovative Kreation als Zeitzeuge für kommende Generationen erhalten werden, dachte sich Amtsdirektor Gottfried Richter. Er erwarb das inzwischen weiße Elsist mit geschwärzten Sitzen für die Gemeinde Massen und stellte ihn ab 2012 im Energie-Service-Center aus.
Wie das DDR-Elektroauto Elsist in Finsterwalde gebaut wurde
Woraus wurde das Elsist gebaut? Für den Antrieb wurden zwei ausrangierte 40-Volt-Motoren besorgt, die eine Leistung von je 2,5 kW aufwiesen. Diese waren generalzuüberholen. Damit brachte es das Fahrzeug auf eine Gesamtleistung von 16 PS.
Als Basis diente ein ausgemusterter Trabant Kübel, weil dessen erprobte Radaufhängung und Lenkung für eine Straßenzulassung nötig waren. Und so war eine gültige Fahrzeug-Identifizierungsnummer zu erhalten.
Die Außenhaut wurde aus leichtem Alublech gefertigt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden vier 12-Volt-Batterien organisiert, die ursprünglich für Lkw gedacht waren. Da Batterien schwer zu bekommen waren, tauschte man gegen andere Batterien.

Es muss Luft auf die Reifen aufgepumpt werden, bevor es auf die große Reise nach Trebus bei Fürstenwalde geht, denn das Gefährt muss allein durch das Energie-Service Center von Massen rollen.
Mario SandersDas Elsist war mit leichten Alublechen verkleidet. Es verfügte über eine Reichweite von rund 50 Kilometern und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h. Die Sicherheit stand im Fokus: Neubert und seine Jugendlichen entwickelten eine zusammenschiebbare Lenksäule, stoßabsorbierende Front- und Heckpartien. Mit aerodynamischen Holzmodellen erfolgten Tests in einem Windkanal.
Das Elsist aus Finsterwalde im Rampenlicht der Leipziger Messe
Das Fahrzeug wurde Mitte der 1980er-Jahre vorgestellt. Es war das erste Elektroauto in der DDR, das offiziell der Öffentlichkeit gezeigt wurde. 1978 präsentierten die Finsterwalder es auf der Leipziger Messe. Später wurde es in der Fernsehsendung „Umschau“ vorgestellt und 1980 in der Sendung „aha“ live gezeigt.
Nun soll das Elsist als Leihgabe für drei Jahre auf dem Gelände einer privaten DDR-Sammlung der IFA-Freunde Trebus bei Fürstenwalde verbleiben.
Rund 30 Enthusiasten trugen dort eine Sammlung zusammen, die selbst einstige DDR-Bürger staunen lässt. „Mit Nostalgie hat das wenig zu tun“, versichert Vereinschef Günter Wehr (69), „eher mit Geschichtsbewusstsein. Jede geschichtliche Epoche hat ein Museum, warum dann nicht auch die 40 Jahre DDR?“
Das Elsist aus Finsterwalde – Museumsstück bei den IFA-Freunden
Die IFA-Freunde Trebus sind eine Gemeinschaft, die sich die Bewahrung ostdeutscher Technik- und Alltagskultur zum Ziel gesetzt hat. Gegründet im Jahr 2004, sammeln sie Nutzfahrzeuge, Haushaltsgeräte und andere DDR-Exponate. Ihr Museum ist die größte private Sammlung in Deutschland, die die Alltagsgeschichte der DDR dokumentiert.

Das Elsist aus Massen bei Finsterwalde geht auf die Reise. Erstmal ist es eine Leihgabe an die IFA-Freunde aus Trebus für drei Jahre.
Mario SandersGünther Wehr, einer der Initiatoren, erklärt: „Aus Nutzfahrzeugen wurden DDR-Alltagsgegenstände, und daraus entstand unser Museum.“ Die IFA-Freunde engagieren sich nicht nur für die Bewahrung der Technik, sondern auch für die Vermittlung von Geschichte. Regelmäßig veranstalten sie Tage der offenen Tür, wie am 18. April 2026 in Trebus, bei denen Interessierte die Exponate bewundern und mehr über die Geschichte erfahren können.
Aktuell sind die IFA-Freunde Trebus dabei, das Elsist in den Blickpunkt zu rücken. Mit Unterstützung der Gemeinde Massen-Niederlausitz (Elbe-Elster), des früheren Amtsdirektors, Gottfried Richter, und des gegenwärtigen Amtsdirektors, Marten Frontzek, wurde die Leihgabe für zunächst drei Jahre genehmigt.
Torsten Wiese von den IFA-Freunden erklärt: „Wir wollen das Elsist sichtbar machen und in der Öffentlichkeit präsentieren. Wir hoffen, das Interesse an der DDR-Technik neu zu wecken und die Geschichte des Elsist lebendig zu halten.“ Das Elsist ist ein bemerkenswertes Beispiel für das technische Engagement an der Station Junger Techniker und zeigt, dass Elektromobilität keine Erfindung der Neuzeit ist.

