(pm/leh) Verkehrserziehung für alle Vorschulkinder in allen Kitas des Elbe-Elster-Kreises – diesem ehrgeizigen Ziel kommt die Kreisverkehrswacht immer näher.  In jüngster Zeit haben sich auch die Kreisstadt Herzberg und die Schlossstadt Sonnewalde dem in Brandenburg bisher einzigartigen Projekt angeschlossen. Damit werden inzwischen fast 750 Kinder in insgesamt 61 Kitas und zwölf Städten oder Ämtern erreicht. In zwei Fällen, in der Kita Möglenz und in der Kita Münchhausen, zahlen Eltern oder der Trägerverein die anteiligen Kosten. Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Schönewalde beteiligen sich bisher noch nicht an dem Projekt. Damit sind knapp 200 Vorschulkinder in 18 Einrichtungen von dem Angebot der Verkehrserziehung ausgeschlossen. „Leider alles Städte, wo das Verkehrsaufkommen und damit die Gefahr für die Kinder besonders groß ist“, erklärt Dieter Babbe, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster.

Das Programm der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster läuft zunächst über drei Jahre. Es wird zu einem hohen Anteil von einem Bundesprogramm zur Förderung von Langzeitarbeitslosen finanziert. Das Programm kann maßgeschneidert für die Verkehrserziehung von Kindern genutzt werden. Großen Anteil daran haben Roland Neumann als Beigeordneter der Kreisverwaltung und Rainer Genilke als Präsident der Landesverkehrswacht. Sie unterstützen die Kreisverkehrswacht  mit Rat und Tat.

Kommunen, die den künftigen Abc-Schützen in den Kitas auf spielerische Weise eine Verkehrserziehung ermöglichen, müssen 20 Euro pro Kind und Jahr zahlen. „Uns fällt es sehr schwer, bei unserer Haushaltssituation freiwillige Leistungen zu stemmen“, sagt Sonnewaldes Bürgermeister Werner Busse. „Dennoch liegt es mir sehr am Herzen, dass wir auch unseren Kindern in den drei kommunalen Kitas ein solches Angebot nicht vorenthalten.“

So sieht es auch Kita-Leiterin Marlies Pötzsch in Münchhausen. Da die Kita „Wichtelland“ in der Trägerschaft eines Elternvereins steht, musste der Verein eigene Finanzierungsmöglichkeiten suchen – bei nur fünf Kindern kein großes Problem. „Leider wird die Präventionsarbeit in den letzten Jahren immer mehr zurückgeschraubt“, bedauert Marlies Pötzsch. Die Kita in Münchhausen ist im Jahr 2004 neu gegründet worden, nachdem die kommunale Einrichtung wegen fehlender Kinder schließen sollte. „Das wollten viele Eltern nicht zulassen, sie gründeten einen Eltern-Verein, der die Trägerschaft übernommen hat. Von anfangs acht Kindern sind wir auf jetzt 34 angewachsen, sie kommen derzeit aus Ponnsdorf, Pießig, Schönewalde, Ossak, Frankena, Hennersdorf und aus Finsterwalde.“ Die Eltern schätzten insbesondere die familiäre Atmosphäre in der kleinen Einrichtung, wo die Natur praktisch hinterm Gartenzaun beginnt. Allerdings befindet sich die Einrichtung in Nähe einer belebten Bundesstraße, wo die künftigen Erstklässler das sichere Überqueren der Straße beherrschen müssen.

Das haben die Verkehrswächter Holmar Zeisbrich und Thomas Nissen dieser Tage mit der kleinen Renée und den drei Jungs Emil, Tim und Florian an der belebten Straße getestet. Sie übten mit jedem Kind,  wie es den Verkehr von links und rechts im Blick haben muss und wie es die Straße überqueren kann – nämlich gerade und nicht quer, zügig, aber ohne zu rennen.

Bis zum Jahresende wollen Holmar Zeisbrich und Thomas Nissen alle teilnehmenden Kitas im Kreis das erste Mal besuchen, im ersten Halbjahr 2020 sind sie bis zum Schulanfang dann das zweite Mal in den Einrichtungen.

35 tödliche Schülerunfälle hat es im vorigen Jahr in Deutschland gegeben. Dabei ist der gefährlichste Ort der Schulweg: 25 Kinder und Jugendliche starben auf dem Weg zur oder von der Schule, immerhin 109 346 verletzten sich.

„Dass der Elbe-Elster-Kreis nicht zu dieser schlimmen Statistik beitragen musste, ist ein großes Glück, hat vielleicht auch mit unserer Verkehrserziehung etwas zu tun – sollte aber auch in Zukunft so bleiben“, sagt Dieter Babbe von der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster. „Für die meisten Schüler ist der Schulweg die erste längere Strecke, die sie allein im Straßenverkehr bewältigen. Damit sie sicher und gesund in die Schule und wieder nach Hause kommen, wollen wir als Verkehrswacht einen Beitrag leisten. Das sollte aber allen Kommunen einen vergleichsweise geringen finanziellen Zuschussbetrag wert sein.“