Cyberangriff in Finsterwalde
: Gefahr für Unternehmen – LKA Experten geben Tipps

Cyberkriminalität ist eine akute Bedrohung auch für Unternehmen in Finsterwalde. Was Experten des LKA Brandenburg zu Risiken, Angriffsarten und Schutzstrategien sagen.
Von
Mario Sanders
Finsterwalde
Jetzt in der App anhören
Zwei Mitarbeiter des LKA Brandenburg informieren in der Kulturweberei von Finsterwalde am 23. September 2025 die anwesenden Unternehmer über Angriffe von und Abwehrstrategien gegen Cybercriminelle.

Zwei Mitarbeiter des LKA Brandenburg (rechts Denny Speckhahn, Kommissariatsleiter im Cyber-Competence-Center des LKA) informieren in der Kulturweberei von Finsterwalde Unternehmer über Angriffe von und Abwehrstrategien gegen Cyberkriminalität.

Mario Sanders
  • Cyberkriminalität bedroht Unternehmen in Finsterwalde – Hauptgefahr: Phishing, Ransomware, Betrug.
  • LKA Brandenburg: Wirtschaftsschaden durch Cybercrime 2024 bei 289,2 Milliarden Euro.
  • Experten empfehlen komplexe Passwörter, keine Wiederverwendung und regelmäßige Schulungen.
  • Erste Schritte bei Angriffen: System trennen, Vorfall dokumentieren, Polizei und IT-Fachkräfte informieren.
  • Prävention im Fokus: LKA warnt Firmen vor Angriffen und gibt Tipps zur Passwort- und Datensicherheit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„123456“, „Passwort1“ oder „abc123“ – nutzen auch Sie diese Passwörter? Dann machen Sie dies wie Millionen von Nutzern. Ihr System kann von Kriminellen innerhalb von Millisekunden gehackt werden.

Beim 13. Unternehmertreffen in der Kulturweberei Finsterwalde standen Cyberkriminalität als große Risiken für Unternehmen und die häufigsten Angriffssektoren im Mittelpunkt.

Phishing-E-Mails, Identitätsdiebstahl, Schadsoftware oder Waren- und Dienstleistungsbetrug inklusive Erpressung: Täglich sind Unternehmen als Nutzer des World Wide Web auch in Finsterwalde und Umgebung den Angriffen von Cyberkriminellen ausgesetzt, zeigen die Zahlen des LKA Brandenburg.

Experten des LKA Brandenburg informieren in Finsterwalde

Denny Speckhahn und seine Kollegen vom Cyber-Competence-Center (CCC) haben diese Straftaten im von Behörden und Unternehmen im Fokus. Hackerangriffe gegen diese finden täglich statt, so der Leiter der Abteilung und Erster Kriminalhauptkommissar. In Brandenburg hätten zwar viele betroffene Unternehmen solche Straftaten angezeigt. Die Dunkelziffer sei weit, weit höher.

Der wirtschaftliche Schaden belaufe sich 2024 deutschlandweit auf 289,2 Milliarden Euro, davon 70 Prozent allein durch Cybercrime verursacht, sagt Denny Speckhahn vom LKA Brandenburg. Besonders alarmierend, laut Speckhahn: Im Durchschnitt dauerte es 194 Tage, bevor ein Angriff durch die Betroffenen festgestellt wurde und weitere 64 Tage, um die Folgen zu beseitigen.

Werden die IT-Systeme einer Firma (oder auch Verwaltung) mit Schadsoftware (sogenannte Ransomware) infiziert sowie verschlüsselt, fordern Erpresser Lösegeld. Selbst wenn die Unternehmer zahlen wollen, sollten sie die Experten des LKA per E-Mail zac@polizei.brandenburg.de ins Boot holen, rät Speckhahn in Finsterwalde.

Im Einzelfall könnte das LKA vor Angriffen, auch aus dem Ausland, warnen. Die richtige Reaktion sei abhängig davon, ob hinter dem Angriff eine monetäre Absicht oder politische Motivation oder ein Spionagefall stecke. In letzteren Fällen sei dann bei den Ermittlungen auch der Staatsschutz einzuschalten.

Tipps für Unternehmen in Finsterwalde zur Passwort-Sicherheit

Ein zentrales Problem bleibt die Sorglosigkeit vieler Beschäftigter bei der Passwortwahl. Einfache oder mehrfach genutzte Passwörter sind für Cyberkriminelle das digitale „offene Fenster“. Das LKA appelliert daher an Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren und auf komplexe Passwort-Strategien sowie regelmäßige Schulungen zu setzen.

Passwort-Tipps

  • Komplexität ist Trumpf: Verwenden Sie mindestens 12 Zeichen mit Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
  • Kein Wiederverwenden: Nutzen Sie für jeden Zugang ein eigenes, einzigartiges Passwort.
  • Sätze als Grundlage: Bilden Sie aus einem Merksatz ein Passwort, z. B.: „Mein Hund heißt Bello und ist 12 Jahre alt!“ → MhhB&i12Ja! und fügen an selbst gewählter Stelle die ersten beiden Zeichen der zum Login gehörigen Webseite ein → MhhB&i12Ja!AM (Beispiel Amazon)
  • Regelmäßig ändern: Passwörter in sensiblen Bereichen regelmäßig aktualisieren, vor allem nach sicherheitsrelevanten Vorfällen.
  • Keine Notizzettel am Arbeitsplatz: Passwörter niemals offen am Rechner, unter dem Mousepad oder Schreibtisch aufbewahren.

Das Hauptproblem bei der Verfolgung von Cyberstraftaten beschreibt Denny Speckhahn so: „Wir ermitteln zwar Täter, aber die sitzen oft im Ausland und verfügen wirklich über großes Fachwissen.“ Deshalb werde man ihrer häufig nicht habhaft. Bei den Tätern, so ergänzt er, handele es sich mitunter um Profis, die zum Teil sogar von Staaten bzw. Regierungen und Regierungseinrichtungen unterstützt werden.

Auch wenn Speckhahn und Kollegen bei ihren Ermittlungen nicht immer erfolgreich sind bzw. die Ermittlungen letztlich nicht zu einer Verurteilung der Täter führen, so ist ihre Arbeit doch von hohem Wert. „Unser Ansatz ist die Prävention. Um potenzielle Opfer zu warnen und eventuelle Cybercrime-Angriffe zu verhindern, reisen wir auch zu Vorträgen durch das Land Brandenburg.“

Inzwischen würde das LKA auch bereits betroffene Firmen anrufen und warnen, wann mit einem Angriff aus dem Ausland zu rechnen sei. Dabei sollen die Angerufenen nicht einfach auflegen. Sie könnten ausnahmslos unter der öffentlich unter polizei.de recherchierbaren Telefonnummer 033343888686 oder der 110 zurückrufen und sich rückversichern.

Viele Unternehmen in Finsterwalde von Cyberangriffen betroffen

Beim regen Austausch der Unternehmer stellte sich heraus, dass viele unter den Anwesenden schon direkt von Cyberangriffen betroffen waren. Geholfen hätte bei Fake-Rechnungen, erstmal tief durchzuatmen, nichts zu überstürzen und sich über eigene Telefonkontakte und nicht über die angegebenen in der Fake-Rechnung, rückzuversichern. Diskutiert wurde ebenso über die notwendigen dreifachen Sicherheitskopien, die auf verschiedenen Datenträgern und an verschiedenen Orten aufbewahrt werden sollten.

Mit großem Interesse verfolgen die anwesenden Unternehmer am 23. September 2025 in der Kulturweberei von Finsterwalde die Ausführungen der Spezialisten vom LKA Brandenburg.

Mit großem Interesse verfolgen die anwesenden Unternehmer am 23. September 2025 in der Kulturweberei von Finsterwalde die Ausführungen der Spezialisten vom LKA Brandenburg.

Mario Sanders

Dr. med. Marion Otto, Ärztin und Kinderosteopathin, fühlte sich von den Referenten daran erinnert, vorsichtiger und umsichtiger zu sein: „Es ist toll, dass die Stadt so etwas organisiert“, lobte sie. Nach dem Vortrag will sie ihre Passwort-Strategie überdenken: „Das Beispiel, einen Satz zu bilden, diesen einzukürzen und mit Sonderzeichen zu versehen, hat mich beeindruckt. Das werde ich umsetzen. Meine Passwörter werde ich dann ausschließlich analog in einem Heft oder Buch notieren – dort, in einem Raum, sollten sie sicher sein.“

Erste Schritte im Cyber-Notfall

  • Ruhe bewahren: Panik hilft nicht – handeln Sie überlegt.
  • IT-System vom Netzwerk trennen: Ziehen Sie betroffene Geräte wenn nötig sofort vom Internet und Firmennetz.
  • Vorfall dokumentieren: Notieren Sie Uhrzeit, Art des Angriffs und sichtbare Schäden.
  • Fachkräfte informieren: IT-Abteilung oder externe IT-Experten sofort benachrichtigen.
  • Polizei kontaktieren: Cybercrime-Verdachtsfälle der Polizei melden; als Unternehmen oder Behörde direkt an die ZAC des LKA melden, z. B. per E-Mail an zac@polizei.brandenburg.de oder telefonisch unter +49 3334 388-8686; als Privatperson in der lokalen Polizeidienststelle oder der Internetwache über polizei.brandenburg.de.
  • Nichts löschen oder verändern: Lassen Sie Beweise unangetastet, um die Ermittlungen nicht zu erschweren.
  • Mitarbeitende informieren: Team über den Vorfall unterrichten, damit keine weiteren Fehler passieren.
  • Kommunikation steuern: Externe Kommunikation (z. B. Presse, Kunden) immer mit der Geschäftsleitung abstimmen.