Menschen strömen derzeit in Scharen in die Märkte und decken sich mit Lebensmitteln und natürlich Klopapier ein. Der Ansturm der Kunden sorgt in den auch ohne Corona häufig nicht mit einer dicken Personaldecke ausgestatteten Läden für hohe zusätzliche Belastungen. Neben dem Stress immer mit dabei: die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus.

Die Sicherheitsvorkehrungen werden maximal hochgefahren. Das Kaufland in Finsterwalde sensibilisiert seine Kunden unter anderem mit diesem Hinweis.
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„Feuerwehr, medizinisches Personal und Polizisten sind wichtige Stützen unserer Gesellschaft, aber gerade jetzt sollten die Menschen auch den hohen Stellenwert der Supermärkte anerkennen“, sagt Eva Völpel, Sprecherin des Bundesvorstandes der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). „Die Beschäftigten im Einzelhandel sind in dieser Krise extrem wichtig, um die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten“, so die Gewerkschafterin weiter.

Der Besucherstrom in den Märkten steigt deutlich an

„Uns wird viel abverlangt. Das Coronavirus beschäftigt uns sehr. Alle meine sechs Verkäufer haben Familien zu Hause“, sagt Simone Gehre. Die 59-Jährige ist Marktleiterin des Nahkaufs in Massen (Elbe-Elster). Glücklicherweise sei ihr Verkaufspersonal bis jetzt gesund geblieben. Das braucht es auch, denn der tägliche Besucherstrom ist von etwa 380 Kunden pro Tag vor der Corona-Krise auf bis zu 600 Einkaufende angewachsen. „Was wir hier jeden Tag machen, ist hochriskant. Keiner weiß, wer die Viren mit sich trägt“, sagt Simone Gehre.

Simone Gehre (59) ist Marktleiterin des Nahkaufs in Massen.
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Bis zum vergangenen Mittwochabend hat die Marktleiterin sogar darüber nachgedacht, ihren Laden dicht zu machen. „Die Gesundheit ist das wichtigste, das wir haben.“ Die Bundeskanzlerin sorgt in ihrer Fernsehansprache dafür, dass der Supermarkt weiterhin seine Türen öffnet. „Wer in dieser Zeit an einer Supermarkt-Kasse sitzt oder Regale befüllt, der macht einen der schwersten Jobs, die es zurzeit gibt. Danke, dass sie für ihre Mitbürger da sind und buchstäblich den Laden am Laufen halten“, sagte Angela Merkel. „Die Botschaft ist bei uns angekommen, und wir machen für unsere Kunden weiter“, sagt Simone Gehre.

Klopapier wird zum höchsten Gut der Deutschen

Schlägereien um Klopapier und Angriffe auf Verkäufer habe es in dem Massener Supermarkt noch nicht gegeben. Des Deutschen derzeit höchste Gut ist aber auch dort regelmäßig ausverkauft. Die jüngste Lieferung habe es teilweise nicht mal von den Paletten in die Regale geschafft.

„Wenn die Leute nur vernünftig wären“, berichtet auch eine Verkäuferin, die im Finsterwalder Kaufland arbeitet. Ein Rentner-Ehepaar habe ihr das Toilettenpapier beim Auspacken förmlich aus der Hand gerissen. Auf die Frage, ob sie wirklich zwei große Pakete brauchen, habe sie keine Antwort bekommen. Solidarität gehe anders.

„Gerade, wenn ein Hamster durch ist und die Kunden nicht alles bekommen, ist die Anspannung groß. Insgesamt merke ich aber schon eine größere Anerkennung bei den Kunden für unseren Beruf“, sagt Nahkauf-Mitarbeiterin Peggy Krause. Auch das von Gesundheitsminister Spahn geforderte Lächeln der Kunden habe es in den vergangenen Tagen öfter gegeben, berichtet die Sallgasterin.

Marco Zimmermann nennt die 45-jährige Verkäuferin nach seinem Einkauf eine Heldin. „Ich rechne das den Leuten hoch an, dass sie in dieser schweren Zeit für uns da sind“, sagt der Finsterwalder.

Am Sonntag bleibt vorerst weiter geschlossen

Eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf den Sonntag schließt Simone Gehre indes aus. Der Gesetzgeber hatte das möglich gemacht. Auch die Supermarkt-Riesen Edeka, Rewe, Aldi und Lidl haben bekannt gegeben, dass sie an Sonntagen vorerst geschlossen bleiben. Die Begründung ist bei allen gleich: Viele Mitarbeiter seien schon jetzt an ihrer Belastungsgrenze. Zudem sei die Versorgung auch mit den bestehenden Öffnungszeiten bundesweit gewährleistet. Lieferengpässe werden aktuell noch ausgeschlossen, leere Regale könnten wieder aufgefüllt werden.

Finsterwalde/Massen

Die Schutzmaßnahmen für das Personal werden in dem Massener Nahkauf derweil immer weiter hochgefahren. Abstandsmarkierungen und Plexiglasscheiben an den Kassen sollen die Kassierer besser schützen. Zudem halten die großen Handelsketten ihre Kunden dazu an, nur noch einzeln im Markt zu erscheinen und keine Kinder mitzubringen. Ältere Menschen können Nachbarschaftshilfen in Anspruch nehmen, um sich nicht in Gefahr zu bringen. In Finsterwalde bietet beispielsweise die Facebook-Gruppe „Hilfe für Finsterwalde und Umgebung!“ Unterstützung in Notlagen an. Auch die Rundschau bietet eine Plattform für alle privaten Hilfsangebote an.

Sonderöffnungszeiten für Risikogruppe sind eine Idee

Auch sind laut Verdi-Sprecherin Eva Völpel Einkaufszeiten speziell nur für Ältere, wie teilweise in Deutschland schon praktiziert, eine Möglichkeit zum Schutz der Supermarkt-Angestellten und um die Weiterverbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die Idee: Ältere werden am frühen Morgen in kleineren Gruppen in die Geschäfte gelassen, wenn die Keimbelastung in den geputzten Läden noch gering ist. Denn auch für die Sauberkeit sorgen die Supermarkt-Helden.

Handschuhe schützen das Verkaufspersonal vor Corona-Viren.
© Foto: Henry Blumroth