Brandenburgische Sommerkonzerte: Rolando Villazón erobert Doberlug-Kirchhain

Klassik-Gala mit Weltstar Rolando Villazón auf der Schlosswiese in Doberlug-Kirchhain. 2500 Besucher haben sich das nicht entgehen lassen.
VRSBella und Helen, beide elf Jahre alt. Mal sitzen, mal liegen sie auf ihrer pinkfarbenen Decke gleich neben den Zuschauerstühlen. Während sie ihre Kekse knabbern, wiegen ihre Schultern. Mitunter fahren Arme und Hände wie beim Ballett durch die Luft. Die beiden Mädchen genießen sichtlich die Stimmung. Klassik, Opernmusik!
„Wir lieben diese Musik“, berichten die beiden Freundinnen, während die Eltern von den Stühlen aus das Konzert von Rolando Villazón, einer der großen Tenöre dieser Welt, verfolgen. Woher die Liebe zur Klassik kommt? „Meine Oma hat solche Musik immer im Auto gehört“, berichtet Bella und sagt, dass diese Klänge sie nie mehr losgelassen hätten. „Mir gefällt das Getragene an Opern“, sagt Helen. Beide, in der Nähe Berlins zu Hause, seien bereits mehrfach bei klassischen Konzerten gewesen.

Tenor Rolando Villazón und das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter der Leitung von Guerassim Voronkov.
VRSÜber Villazón: „Dieser Star hier – Respekt!“
Mit ihnen genießen 2500 Gäste, darunter 300 Ehrenamtler und Geschäftspartner, die von der Sparkasse Elbe-Elster ans Büfett eingeladen wurden, den herrlichen Sommerabend auf der Schlosswiese im Kloster Doberlug-Kirchhain. So richtig fassen können es viele immer noch nicht, dass sie in wenigen Minuten einen Star, der ansonsten weltweit unterwegs ist, hier in der Provinz erleben können.
Auch drei Frauen und ein Mann aus Calau haben den Sitzplatz auf der Decke gewählt. Picknick. Entspannt. Auf Socken der Herr, „weil ich bodenständig bin“, sagt er und alle müssen lachen. Dass die Brandenburgischen Sommerkonzerte und die Sparkasse diesen Star nach Doberlug holen konnten – „Respekt!“, meinen sie.

Von der Picknickdecke aus haben zahlreiche Gäste das Konzert verfolgt.
VRS„Beglückt“ über das Engagement der Sparkasse Elbe-Elster
Besucher auf Liegestühlen, Gäste mit Strohhut auf dem Kopf und mit einem leckeren Sommergetränk in der Hand. Es ist angerichtet, als unter Applaus die etwa 60 Musikerinnen und Musiker des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt unter der Leitung von Guerassim Voronkov die Bühne betreten.
Heilwalt Georg Kröner, Vorsitzender des Vorstands Brandenburgische Sommerkonzerte e.V, begrüßt. Er sei „beglückt“, so sagt er, über 27 Jahre gemeinsame Zusammenarbeit für ein gemeinsames Musikfestival für das Land Brandenburg und die Hauptstadtregion. Auftritte in Elbe-Elster seien vor allem wegen des „Riesenengagements“ der Sparkasse Elbe-Elster immer etwas Außergewöhnliches gewesen. Er dankt namentlich unter aufbrausendem, starken Beifall Sparkassenvorstand Frank Prescher und seinem Vorstandskollegen Thomas Jentzsch.
Opernsänger, Weltstar – und Charmeur
Rolando Villazón, in Mexiko-Stadt geboren und seit 2007 mit der französischen Staatsbürgerschaft ausgestattet, nimmt sein Publikum sofort ein. Er singt Stücke aus Werken von Bellini, Verdi, Puccini, Offenbach. Der durchsichtige Behang lässt das Schloss zur traumhaften Kulisse und Bühnenbild werden.
Der Opernstar scherzt mit seinem Publikum, seine kräftigen schwarzen Augenbrauen hüpfen über seinen großen Augen. „Wunderschön hier, Kinder laufen, Sie trinken ein Gläschen Wein, die Ambulanz ist auch da. Ich liebe es, hier zu sein“, ruft der Charmeur von der Bühne und erntet Applaus für die Liebkosungen.

Am Nachmittag haben Besucher bereits das Konzert der Musikschule Gebrüder Graun im Schlosshof genossen.
VRSWolfram Korr, künstlerischer Leiter der Sommerkonzerte und an diesem Abend Moderator, greift diese Stimmung auf, streichelt mit Komplimenten die Seelen des Publikums. Vor Konzertbeginn hat er geschwärmt: Klassikfestivals auf dem Lande, gut besuchte, fänden meist vor etwa 1000 Gästen statt. „Mehr als 2000 in Elbe-Elster, Wahnsinn!“
In der Konzertpause wird die Schlosswiese zur Flaniermeile. Bekannte treffen sich, die extra aus München und aus Berlin angereisten Villazón-Fans lassen sich von der Gegend berichten. Einige haben die Nachmittagsangebote genutzt – Kremserfahrten, Führungen durchs Kloster, das Konzert der Kreismusikschule im Schlosshof.
Sommerkonzerte in Stechau hallen nach
Zwei Besucher aus Schlieben geben sich als langjährige Sommerkonzert-Besucher zu erkennen und meinen: „Aber als das Konzert noch in Park und Schloss Stechau stattfand, war es noch ein bisschen romantischer. Unter hohen Bäumen, neben den Teichen.“ Die Schlosswiese hier sei eben sehr weitläufig. Eine Frau aus Finsterwalde kommt wenig später zur gleichen Einschätzung, „aber nur Anfahrt und Parkmöglichkeiten seien dort schwieriger gewesen“, meint ein weiterer Gast.

Ein Feuerwerk der klassischen Musik und dann auch noch eins mit funkelnden Sternen und Fontänen.
VRSDie Abendsonne geht unter und es scheint, als sind die zwei Tauben auf dem Dachfirst des Schlosses beim Liebeslied gerade enger zusammengerückt. Konzertbesucher schließen die Augen, genießen Gesang und Musik. Hat sich das ältere Paar nicht gerade angeschaut wie damals vor 50 Jahren? Hände von Frauen suchen die ihrer Männer und umgekehrt. Plötzlich klingen Gläser etwas zu laut. Rolando Villazón grient und kommentiert heiter: „Zum Wohl!“ Szenenapplaus.
Schlosswiese wird zur Insel der Glückseligkeit
„Du bist mein Traum“ aus der Operette „Das Lied der Liebe“ von Korngold/Strauß macht die Schlosswiese endgültig zur Insel der Glückseligkeit. Selbst die kreisenden, nun langsam kommenden „Moskitos“, wie der Sänger warnend ausruft, inszeniert der Sänger schlagkräftig.
Zugaben, tosender Applaus. Als Rolando Villazón vorm Feuerwerk von der Bühne geht, meint er auf die Frage des Reporters, was ihm solche Auftritt in der Provinz bedeuten: „Ich mache das mit der gleichen Liebe wie in großen Häusern. Mit Verantwortung und Freude. Ich bin auf der Bühne, das ist alles.“ Man kauft es ihm ab, nach gut dreistündigem Konzertabend.



