Der Landkreis Elbe-Elster hat längst die Notbremse gezogen. Es geht um den Zwergwels und damit um eine Fischart, die in der Region eigentlich nichts zu suchen hat, sich aber dennoch prächtig entwickelt. Per Allgemeinverfügung wurden die Angler verpflichtet, jeden in Elbe-Elster gefangenen Zwergwels zu töten. Zudem ist es strikt untersagt, die Tiere in andere Gewässer umzusetzen.
Dass die im Jahr 2015 erlassene Verfügung noch immer Bestand hat, zeigt den Ernst der Lage. „Nach Einschätzung der unteren Fischereibehörde hat sich die Situation an den heimischen Gewässern nicht grundlegend geändert“, sagt Landkreis-Sprecher Torsten Hoffgaard. „Diese widerstandsfähigen Fische sind sehr vermehrungsfreudig und fressen im Grunde alles, was sie überwältigen können.“
Damit hätten sie einen negativen Einfluss auf die einheimische Wasserfauna, insbesondere auf die Arten, die bereits in ihrem Bestand bedroht sind.

So gelangten die Fische nach Europa

Der bekannte Pariser Fischzüchter Carbonnier brachte laut Bundesamt für Naturschutz die ersten Braunen Zwergwelse wahrscheinlich 1871 aus Amerika nach Europa, die aber durch ein Versehen in die Seine entwichen. 1896 sollen erste Zwergwelse im Spreegebiet bei Altdöbern ausgesetzt worden sein. Nach 1900 wurden Zwergwelse auch regelmäßig in der Berliner Oberhavel und im Tegeler See geangelt.
Der Katzenwels oder auch Zwergwels ist in Elbe-Elster zu einer echten Plage geworden.
Der Katzenwels oder auch Zwergwels ist in Elbe-Elster zu einer echten Plage geworden.
© Foto: Frank Hammerschmidt
Das Lausitzer Gebiet ist demnach noch heute ein Verbreitungsschwerpunkt der Art. Betroffen sind die Elbe, Schwarze Elster und der Spreewald, aber mit der Lausitzer Neiße war auch das Oder-Einzugsgebiet besiedelt. In elf der Gewässer bildeten sich innerhalb von ein bis zwei Jahren zwischen 1950 und 1955 Massenentwicklungen heraus. Bundesweit sind aktuell 285 Zwergwels-Vorkommen erfasst.

Diese zwei Gewässer sind beim Zwergwels besonders beliebt

In der Region fühlt sich der Zwergwels vor allem in zwei Gewässern sehr wohl. „Das sind der Barschteich und der Blaue See bei Doberlug-Kirchhain“, sagt Kreissportwart Gerald Julpe vom Kreisanglerverband. In Stellnetzen, die zur Kontrolle des Fischbestandes eingesetzt wurden, hatten sich fast ausschließlich Zwergwelse verfangen. „Dann weiß man, was für ein Fisch dort hauptsächlich nur noch lebt“, so Julpe.
Deshalb treffen sich die Angler regelmäßig zum Hegefischen. Ziel sei es dabei, so viele Zwergwelse wie möglich zu fangen. Diese werden laut Julpe dann waidgerecht getötet und vergraben.
„Es besteht für jeden, der in Brandenburg angelt, die Pflicht, diese invasive Art zu entnehmen“, betont Julpe. Die Fische hätten keine natürlichen Feinde. „Ganz im Gegenteil, diese Art macht andere Fischpopulationen kaputt“, ergänzt er.

Wettbewerb mit Räucherofen als Preis

Als Anreiz für seine Angel-Kollegen hatte Julpe sogar einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Für den größten gefangenen Zwergwels spendierte Julpe, der in Finsterwalde ein Angelgeschäft betreibt, einen Räucherofen als Preis. Bei 38 Zentimetern lag der Rekord. „Das sind aber Ausnahmen, meistens sind sie fünf bis zehn Zentimeter groß“, so der Experte. „Es ist ein sehr wohlschmeckender Fisch – wenn er die gewisse Größe hat.“
Der Erfolg der Jagd auf den Eindringling hält sich bislang allerdings in Grenzen. Deshalb haben die Angler bereits Konsequenzen gezogen. In den besonders stark betroffenen Gewässern wird der Besatz mit Karpfen, Aal, Zander oder Schleie ausgesetzt. „Wir müssen erst einmal sehen, wie wir Herr des Problems werden“, so der Kreissportwart.

So bekämpfen Teichwirte die Plage

Die Probleme betreffen dabei nicht nur die Hobby-Angler. Selbst für die Teichwirtschaft seien die Fische eine echte Plage. So berichtet Julpe, dass in Brenitz der Lugteich komplett abgelassen wurde, um ihn über den Winter ausfrieren zu lassen. Im nächsten Jahr sei er dann wieder mit Wasser aufgefüllt worden. „Und was war: alles voll mit Zwergwelsen. Die vergraben sich richtig im Schlamm und sind sehr schwer zu dezimieren“, so Julpe.
Doch darüber hinaus ärgern sich die Angler in Brandenburg auch mit einem Problem herum, das wesentlich leichter zu lösen wäre. Julpe spricht von der Ordnung und Sauberkeit an den Gewässern. In der Corona-Zeit hätten viele die heimischen Gewässer für sich entdeckt. Wildcamping sei dabei besonders beliebt gewesen. „Das Schlimme ist: Der Müll wurde dann nicht mitgenommen“, so Julpe.
Seitdem organisieren die Anglervereine regelmäßig Rundgänge an den Gewässern und sammeln dabei den Müll ein. „Leider kommt immer wieder neuer Müll dazu“, so der Finsterwalder. Dafür gibt es aus seiner Sicht nur eine Lösung: „Die Kontrollen müssten noch schärfer sein.“