Von Manfred Feller

Der Regen am Montagnachmittag fiel nach sonnigen Tagen wie bestellt. Es hätte jedoch mehr sein können. Die Natur braucht die Feuchtigkeit nach wie vor. Denn das Defizit ist noch lange nicht ausgeglichen.

Zudem täuscht das grüne  Bild vor der Haustür, weiß  Matthias Schubert, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Unternehmensverbundes Stolzenhain/Prösen, beim Blick auf die bestellten Felder. „Bis Ende Mai 2018 hatten wir hier im Süden 135 Millimeter Niederschlag. Bis Mitte Mai dieses Jahres waren es auch nur 149 Millimeter. Aber der kühle Mai hat uns Mut gemacht. Das heißt aber nicht, dass wir durch sind. Derzeit reichen 14 Tage Sonne, und wir haben wieder ein Problem“, bleibt der Landwirt gedämpft optimistisch.

Wenige Stunden, nachdem er dies am Montagvormittag gesagt hatte, regnete es wie angekündigt ein wenig. Im Vorjahr hatte um diese Zeit die Hitze längst zugeschlagen.

In der Wachstumszeit fehlte in Elbe-Elster der Regen

Dieses Mal habe Regen in der wichtigen Wachstumszeit April gefehlt. Bis zum 27. jenes Monats waren nur zwei Liter gefallen. Die Menge erhöhte sich dann bis zum Monatsende noch auf 20 Liter. Der temperaturfrische Mai habe die Feuchtigkeit langsamer verdunsten lassen. Jedoch könnten die ersten drei trockenen Wochen im April zur Folge haben, so Matthias Schubert, dass der Getreideertrag durchaus um etwa 25 Prozent unter den regionalen Durchschnitt sinkt.

Die leichten Böden im Südwesten des Landkreises Elbe-Elster bräuchten wieder Nachschub von oben. Was vom Straßenrand aus noch gut aussieht, entpuppt sich auf dem Feld als ernüchternd. In geländehöheren Lagen ist der Boden schon wieder sehr trocken. Das Getreide zeigt einen geringeren Wuchs. „Die nächsten drei Wochen sind für die Menge und die Qualität des Ertrages bei Getreide entscheidend“, stellt der Geschäftsführer fest.

Das Getreide steht auf 1300 der insgesamt 2800 Hektar umfassenden Nutzflächen des Unternehmensverbundes. Darüber hinaus wachsen Sonnenblumen (90 ha), Erbsen (45), Ackergras (220), Lupine (20) und Silomais auf 500 ­Hektar. „Wir haben den Maisanbau um 100 Hektar erhöht, um die nach dem Dürrejahr 2018 aufgebrauchten Silovorräte wieder aufzubauen“, erläutert Matthias Schubert. Die übrigen Ländereien seien Grünland und Stilllegungsflächen.

Bienenweide auf 25 Hektar

Derzeit werden wie in den Vorjahren auf 25 Hektar Blühfelder als Bienenweide angelegt. Dies geschehe bei Stolzenhain, Elsterwerda, Prösen und Wainsdorf. Die auszubringende Mischung enthalte Samen von acht Blühpflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten ihre Blüten zeigen werden, wie Sonnenblume, Phacelia, Malve und Seradella. Im vorigen Jahr seien die Bienenweiden vertrocknet.

Nicht zu übersehen sind auf den Straßen die Grünfuttertransporte. Den Futterroggen zum Silieren, insgesamt 1700 Tonnen, hatten die Landwirte des Unternehmensverbundes ab dem 15. April eingefahren. Bei Acker- und Wiesengras sind es 2500 Tonnen. Der zweite Schnitt, 2018 hier und da ein Totalausfall, ist ab Anfang Juni dran.

Das Grünland hat sich gut von Trockenheit erholt

Bei der Landhof GmbH Prestewitz zeigt man sich mit der momentanen Situation ebenfalls noch ganz zufrieden. „Auch wenn das Niederschlagsdefizit längst nicht ausgeglichen ist, hat sich das Grünland gut erholt. Wir mussten im Frühjahr auf den Mähwiesen aber viel nachsähen“, berichtet Geschäftsführer Thomas van Riesen. Die Gesellschaft hat 470 Hektar Wiesen und Grünland. Nach dem Dürrejahr 2018 sei der Bestand an Mutterkühen um 100 auf heute 300 abgebaut worden. Die Futterreserven für den Winter waren im Herbst aufgebraucht. Es musste zugekauft werden. Zum aktuellen Bestand gehören auch 27 Jungrinder sowie Bullen.

Dagegen hatten sich die Stolzenhain-Prösener Landwirte mit „gestreckten Rationen“ und dem Zukauf von Kraftfutter (Getreide) aus dem Trockenwerk über den milden Winter gerettet. Unter die Silage-Rationen für das Muttervieh wurden mehr Stroh und Heu beigemischt. Der Tierbestand konnte auf diese Weise gehalten werden. Er zählt etwa 2000 Rinder. Darunter sind 600 Milchkühe und 330 Mutterkühe.

Der Weltmarkt diktiert die Getreide-Preise

Zur Erinnerung: Die Ertragsverluste im Hitzesommer 2018 lagen allein im Unternehmensverbund bei mehr als 30 Prozent beim Getreide und beim Futter über der 50-Prozent-Marke.

Viele Landwirte hatten danach mit deutlich höheren Einnahmen für Getreide, Milch und Fleisch gerechnet. Doch nach einem kurzen Zwischenhoch seien diese wieder gefallen. 

„Die Preise werden auf dem Weltmarkt gemacht“, stellt Matthias Schubert fest. Dürreausfälle in Deutschland würden durch gute Ernten in anderen Teilen der Welt locker kompensiert.