Ob er im Jahr 1997 daran geglaubt hat? Damals begründete Elsterwerdas ehemaliger Bürgermeister Dieter Herrchen die Weihnachtsmusik am Glockenturm in Elsterwerda-Biehla. Nun, nach 25 Jahren, legt er quasi als erster Trompeter das Instrument aus der Hand.
Doch zuvor hat er die Schlussrechnung gemacht. In dieser Woche hat er in der Stadtkasse Elsterwerda bei Kassenleiterin Annika Bormann die letzten 400 Euro eingezahlt. Es ist der Erlös des Weihnachtskonzertes im zurückliegenden Jahr, das nach der verordneten Corona-Pause wieder gut 300 Besucher genossen haben.
Der ehemalige Bürgermeister von Elsterwerda, Dieter Herrchen, zahlt bei Kassenleiterin Annika Bormann den Erlös der diesjährigen Weihnachtsmusik am Glockenturm in die Stadtkasse ein. Zusammengekommen sind 400 Euro.
Der ehemalige Bürgermeister von Elsterwerda, Dieter Herrchen, zahlt bei Kassenleiterin Annika Bormann den Erlös der diesjährigen Weihnachtsmusik am Glockenturm in die Stadtkasse ein. Zusammengekommen sind 400 Euro.
© Foto: Frank Claus

Weihnachtsblasen ab 2004 mit Spendenaktion

Seit 2004 ist beim Konzert in Elsterwerda-Biehla immer Geld für einen guten Zweck gesammelt worden. Die Anregung dazu, so erzählt Dieter Herrchen, sei schon in den Jahren davor immer wieder von den Gästen selbst gekommen. Das Jahr 2004 hatte dann einen besonderen Anlass. Zu Beginn des Monats Dezember fand die Glocke des Biehlaer Glockenturms wieder ihren angestammten Platz. Für die Einwohner ein emotionaler Moment.
Dieter Herrchen erzählte damals aus der Glockengeschichte: Im Oktober 1862 wurde das Bauwerk nach vierwöchiger Bauzeit fertiggestellt. Ein Teil der 330 Taler Baukosten kamen vom evangelischen Oberkirchenrat aus Berlin. Die erforderlichen Eigenmittel wurden als zinsloses Darlehen von der damals zuständigen Regierung in Merseburg zur Verfügung gestellt. Die am 3. November 1862 geweihte erste Glocke im Turm wurde nach achtzig Jahren im Februar 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzen. Erst im Februar 1948 hatte Biehla wieder eine eigene Glocke. Diese konnte aber nur 15 Jahre lang das Tagesgeschehen im Dorf begleiten. Im September 1963 wurde die zweite Glocke abgebaut und fristete in der Kapelle auf dem Bergfriedhof ihr Dasein. Nach 41 Jahren konnte diese zweite Glocke dann wieder an alter Stelle ihren Dienst tun. „Es ist eine einfache Glocke; einfach und bescheiden, wie die Menschen waren und sind, die sie bedienten und für die sie erklang“, meinte Dieter Herrchen damals.

Das waren die Spendenprojekte

Nach dem Konzert von 2004 war schnell die Idee geboren, fortan immer für einen guten Zweck beim Weihnachtsblasen zu Heiligabend Geld einzusammeln. Groß war die Anteilnahme für das erste Spendenprojekt, ein elektrisches Läutwerk für die Glocke. Feinkeramikmeister Jürgen Wehner aus Biehla hatte damals Spendendosen in Form einer Glocke hergestellt, die in mehreren Geschäften standen. Auch er war ergriffen. „Die Idee ist mir gekommen, als ich Heiligabend die Glocke gehört habe“, meinte er damals.
Im Jahr 2005 hat Jürgen Wehner in seiner Keramikwerkstatt kleine Glocken als Spendenbüchsen hergestellt. Die Spenden waren für die Elektrifizierung des Glockengeläuts im Glockenturm gedacht.
Im Jahr 2005 hat Jürgen Wehner in seiner Keramikwerkstatt kleine Glocken als Spendenbüchsen hergestellt. Die Spenden waren für die Elektrifizierung des Glockengeläuts im Glockenturm gedacht.
© Foto: Veit Rösler
Insgesamt 5478,72 Euro sind seit 2004 in die Stadtkasse eingezahlt worden. Die Verwendungszwecke waren vielfältig. So ist Geld nicht nur für die Sanierung des Glockenturms gesammelt worden, sondern später auch für den Wasserturm – ein Wahrzeichen, das den Elsterwerdaern ebenso am Herzen liegt. Gespendet haben die Teilnehmer der jährlichen Weihnachtsmusik unter freiem Himmel auch für die Sanierung des Kirchenschiffes der Stadtkirche und für die Kleine Galerie Hans Nadler.

2012 – ein sehr emotionales Anliegen

Das Jahr 2012 hatte einen besonderen Spendenzweck. Das TSC Sportensemble hatte sich für die Teilnahme am Internationalen Deutschen Turnfest in Frankfurt/Main qualifiziert. Für die Reisekosten mussten die Familien der jungen Sportler zum Teil selbst aufkommen. Eine sozial schwache Familie konnte das nur für eines ihrer beiden Kinder. Bei der Weihnachtsmusik kam soviel Geld zusammen, dass am Ende doch die Geschwister gemeinsam in den Bus klettern konnten.

Die jetzige Bürgermeisterin äußert sich dazu

Elsterwerdas jetzige Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) findet das jahrelange Engagement ihres Vorgängers bemerkenswert und schreibt: „Wir sagen herzlichst danke.“ Seit 25 Jahren, so die Bürgermeisterin, gehöre das musikalische Engagement des ehemaligen Bürgermeisters Dieter Herrchen zur Elsterwerdaer Weihnacht.
„Ob mit Trompete oder Flöte, er initiierte alljährlich am Heiligabend ein Konzert am Biehlaer Glockenturm. So wurde der Glockenturm alljährlich mit Weihnachtsspenden bedacht, die dem Erhalt und seiner Instandsetzung dienten. Und nicht zuletzt war der Biehlaer Weihnachtsabend ein Stelldichein für Familien und deren Angehörige und ist mit dem Ort Biehla untrennbar verbunden“, schreibt Anja Heinrich und meint: „Das alljährliche Weihnachtskonzert am Glockenturm wird immer mit Dieter Herrchen verbunden sein.“

Wer die Weihnachtsmusik weiterführen wird

Das Konzert hat bereits eine lange Vorgeschichte. Schon 1964 habe Dieter Herrchen vom Hof des elterlichen Grundstücks in Biehla hinein in die Breite Straße zu Heiligabend die Trompete geblasen. Später sei er auf den Winterberg hinaufgelaufen, um schließlich auf dem Heimweg den später dauerhaften Spielort am Glockenturm zu finden. Für ihn stand fest: Er würde die Trompete und die Flöte nicht aus der Hand legen, ohne eine Nachfolgelösung zu finden. Das ist ihm nun gelungen.
Adrian Horstmann wird die Konzertreihe am Glockenturm weiterführen. Hier ist er als Gymnasiast am Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda zu sehen, gemeinsam mit Angela Merkels Ehemann, Prof. Joachim Sauer.
Adrian Horstmann wird die Konzertreihe am Glockenturm weiterführen. Hier ist er als Gymnasiast am Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda zu sehen, gemeinsam mit Angela Merkels Ehemann, Prof. Joachim Sauer.
© Foto: Frank Claus
Adrian Horstmann aus Elsterwerda, der selbst Saxofon spielt, will die Tradition mit Freunden fortführen. Der 22-Jährige studiert momentan in Rostock Lehramt und will später an der gymnasialen Oberstufe Sport unterrichten. „Darüber freue ich mich sehr und werde auch künftig alle Unterstützung geben“, sagt Dieter Herrchen. Eins möchte er unbedingt: All denjenigen danken, die ihn in all den Jahren unterstützt haben. Da sind die Sängerinnen Bettina Lahn und Annika Schulz, Mundharmonikaspieler Heinz Deutschmann, Dieter Keller mit der Geige, die Techniker Christian Jost und Andreas Schulz, Erwin Gottwald sowie die Familien Zschieschang und Quellmalz, die stets halfen, das Konzert durchzuführen. „Und Dank gilt natürlich den immer zwischen 300 und 400 Besuchern, die mit Glühwein und anderweitigen Heißgetränken am Heiligabend die Wartezeit bis zur Bescherung mit ihrer Teilnahme überbrückten und die gern für einen guten Zweck spendeten.“