Getreu den Worten des Kulturpolitikers und Schriftstellers Berthold Auerbach (1812 bis 1882) „Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden“ macht sich das Jugendblasorchester der Bergarbeiter Plessa demnächst auf eine große Fahrt. Im Oktober geht es für mehr als zwei Wochen auf eine Konzertreise durch Orte in Brasilien, die von Deutschen besiedelte sind. Sieben Auftritte stehen auf dem Programm.

Mit dabei sind Jugendliche, die das Einmaleins auf Orchesterblasinstrumenten in der Bläserklasse der Goethe-Grundschule Hohenleipisch-Plessa am Standort Plessa erlernt haben. Fleißiges Üben, auch wenn es zu Hause die Eltern so manches Mal genervt hat, lohnt sich also.

Am Montagvormittag haben die Sechstklässler Tenorhorn, Saxophon, Klarinette und Trompete an die Viertklässler übergeben. Mit zwölf Schülern ist es die bisher kleinste Klasse. Diese Art von Musikunterricht ist ein Pflichtfach in Plessa.

Eine von 30 Bläserklassen im Land

Die Übergabe hat inzwischen Tradition und fand zum neunten Mal statt. In Brandenburg gibt es etwa 30 vom Land unterstützte Bläserklassen, die als ein Erfolgsmodell gelten. Das kann die Musikpädagogin Andrea Müller, sie ist Lehrerin für tiefes Blech an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ in Elbe-Elster, nur bestätigen. Rund zwei Drittel musizieren über die 6. Klasse in Plessa hinaus in der Arbeitsgemeinschaft. Und ein Drittel entscheidet sich schließlich für die intensivere Ausbildung an der Musikschule. „Dieses Projekt wird bei den Eltern immer beliebter“, weiß Andrea Müller. Auch wenn einige noch ihre Zweifel hätten, ob das eigene Kind damit nicht überfordert wird. Der Unterricht mit den vom Verband der Musikschulen Brandenburg zur Verfügung gestellten Instrumenten ermögliche jedem Kind unabhängig von seiner sozialen Herkunft den Zugang zur musischen Grundlagenausbildung.

Natürlich haben nicht alle das notwendige Talent. Aber was die Fünft- und Sechstklässler vor der Instrumentenübergabe nach ein beziehungsweise zwei Jahren Unterricht können, das ist absolut hörenswert. Sie wagen sich sogar an einen „Party-Rock“. „Das ist eigentlich zu schwer für sie, aber sie wollten es“, beschreibt Andrea Müller deren Eifer. Sie und Musiklehrerin Bettina Weinhold wechseln sich beim ­Dirigieren und  am Schlagzeug ab.

Anerkennung vom Musikschulleiter

Voll des Lobes ist auch Chris Poller, der neue Leiter der Kreismusikschule: „Es ist großartig, was heute dargeboten wurde.“ Wer ein Instrument erlerne, erweitere „unheimlich seinen Horizont“, erwerbe hohe soziale Kompetenzen und lerne, dass man gemeinsam zum Erfolg kommen kann. „Musik ist eines der schönsten Hobbys der Welt. Viele Musiker sind auch gute Mathematiker“, weiß Chris Poller, dass sich dieser Unterricht positiv auf andere Fächer auswirken kann. Jene Grundschüler, die auf das Gymnasium in Elsterwerda wechseln, haben die Musikschule gewissermaßen vor der Nase. Der nahtlose Übergang sei also möglich.

Schon drei Jahre dabei ist Johann aus Kahla. Der Neunjährige aus der 4. Klasse lernt seit drei Jahren das Trompetenspiel und gehört bereits dem Jugendblasorchester der Bergarbeiter Plessa an. Er wird seinen Mitschülern einiges beibringen können. Von wem hat er das Talent? „Meine Mama und mein Onkel spielen Trompete“, sagt er verschmitzt.