Von Manfred Feller

Gunter Gasde hat Urlaub und wollte eigentlich in aller Ruhe angeln. Doch stattdessen ist der Kreisgewässerwart des Elbe-Elster-Anglerverbandes Bad Liebenwerda seit Montag, dem Tag des Bekanntwerdens des Umweltskandals in der Schwarzen Elster, mit den dramatischen Folgen beschäftigt. Mit Fischereiaufseher Karl-Heinz Boche und dem passionierten Angler Reiner Horn traf er sich am Mittwoch oberhalb des Wehres Neumühl, um das Ausmaß des massenhaften Fischsterbens zu dokumentieren.

Fische gefährdeter Arten verendet

Mit dem Kescher haben sie unter anderem Döbel, Rapfen, Ukelei, Rotfeder, Plötze, Güster sowie die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehenden  Gründlinge und Bitterlinge an Land geholt. „Die Fische haben an der Oberfläche nach Luft geschnappt. Normalerweise schwimmen sie davon, wenn man sich ihnen nähert. Doch wir konnten sie mit den Händen packen. Durch das saure, ätzende Wasser müssen sie einen langsamen, qualvollen Tod erlitten haben“, ist sich Gunter Gasde sicher.

Er baut darauf, dass die eingeschalteten Landesbehörden zügig handeln, um die Ursache zu finden und zu beseitigen. Fakt ist, dass die Schwarze Elster aufgrund der anhaltenden Trockenheit erneut deutlich weniger Wasser führt als normal. Der Verdünnungseffekt durch eingeleitetes saures Wasser aus Floß-, Binnen- und Hammergraben in Plessa aus den ehemaligen Tagebaugebieten um Lauchhammer ist deutlich geringer.

Die Bergbausaniererin LMBV teilt mit, dass wegen der Trockenheit aus der kleinen Restlochkette keine Ausleitungen stattfinden, die die Wasserqualität der Elster beeinflussen könnten. So sei seit 14 Tagen das Ausleiten von Wasser aus dem Bergheider See gestoppt. Die Pumpstationen an den Restlöchern 28 und 29 in Schwarzheide sind abgeschaltet, zwei andere ebenso. Die Bekalkungsstation am Restloch 112 (dessen Wasser fließt nordöstlich von Plessa in den Floßgraben) laufe im Vollbetrieb. Auch das Bekalken des Wassers von Pößnitz und Rainitza (OSL) hebe den pH-Wert vor dem Einleiten in die Elster.

Landesbehörden haben reagiert

Seit Tagen im Verdacht für den tödlich-sauren Zustand in der Schwarzen Elster ist das die Ferngasleitung Eugal verlegende Unternehmen. Es wird vermutet, dass gehobenes saures Grundwasser widerrechtlich in den Fluss geleitet wurde, teilt das angefragte Landesamt für Umwelt mit. Dieses und die Obere Wasserbehörde des Landes hätten gegenüber dem Unternehmen unmittelbar nach Kenntnis der Lage „unverzügliche Maßnahmen zum Ausgleich des pH-Wertes“ angeordnet.

Der Vermutung der direkten Einleitung in den Fluss widerspricht allerdings die von Gunter Gasde ermittelte Wasserqualität in der Schwarzen Elster vor der Einleitstelle des Wassers aus Floß-, Binnen- und Hammergraben an der Brücke in Plessa. „Dort habe ich einen pH-Wert von 7 festgestellt, hinter der Brücke von maximal 4,5“, versichert er. Die Ursachensuche geht weiter.