Theaterjugendclub gastiert
: Hildegard von Bingen-Abend in Mühlberg

Hildegard von Bingen, wenn der Name der Benediktinerin und Äbtissin fällt, wird zumeist an Kräuterkunde und gesunde Ernährung gedacht. Doch die Frau war weitaus mehr, wie in einem Stück des Theaterjugendclubs „Chamäleon“ aus Wittenberg zu erfahren ist.
Von
Frank Claus
Mühlberg
Jetzt in der App anhören
  • Hildegard von Bingen fasziniert bis heute. Bei einer der ersten Historischen Einkaufsnächte in Elsterwerda wurde sogar ein Umzugsbild und ein Stand ihrem Leben gewidmet.

    Hildegard von Bingen fasziniert bis heute. Bei einer der ersten Historischen Einkaufsnächte in Elsterwerda wurde sogar ein Umzugsbild und ein Stand ihrem Leben gewidmet.

    Mona Claus
  • Bildpostkarte von Hildegard von Bingen (Hildegardis Prophetissa) um 1910. Sie gründete Klöster, entwickelte eine eigene Theologie und wurde von Kaisern und Königen um Rat gefragt: Hildegard von Bingen, vor mehr als 900 Jahren geboren, gehört zu den großen Frauen des Mittelalters.

    Bildpostkarte von Hildegard von Bingen (Hildegardis Prophetissa) um 1910. Sie gründete Klöster, entwickelte eine eigene Theologie und wurde von Kaisern und Königen um Rat gefragt: Hildegard von Bingen, vor mehr als 900 Jahren geboren, gehört zu den großen Frauen des Mittelalters.

    akg-images
  • Hildegard von Bingen-Abend in Mühlberg mit Sopranistin Alexandra Herhausen aus Berlin.

    Hildegard von Bingen-Abend in Mühlberg mit Sopranistin Alexandra Herhausen aus Berlin.

    Fotos: Theater- und JC Chamäleon Wittenberg
  • Hildegard von Bingen-Abend in Mühlberg. Schauspieler Frank Roder aus Hamburg ist dabei.

    Hildegard von Bingen-Abend in Mühlberg. Schauspieler Frank Roder aus Hamburg ist dabei.

    Theater- und Jugendclub Chamäleon Wittenberg
1 / 4

Mühlberg und Gäste dürfen sich am 17. Oktober auf ein besonderes Schauspiel, dargeboten vom Theaterjugendclub mit angeschlossener Musiktheaterwerkstatt „Chamäleon“ aus Wittenberg freuen.

In einer Pressemitteilung aus dem Haus heißt es zum Hildegard von Bingen-Abend: „Hildegard von Bingen, dieser Name lebt nun schon seit über 900 Jahren in bewundernder Überlieferung im deutschen und europäischen Raum fort. Bereits im frühen Kindesalter, mit acht Jahren, wurde Hildegard von Bermersheim, das zehnte und jüngste Kind ihrer Eltern, in eine vorklösterliche Erziehung gegeben. Mit ihrer Erzieherin Jutta von Sponheim und einer weiteren Gefährtin zog sie 1112 als Klausnerin in das Kloster Disibodenberg ein. Nach dem Tode Jutta von Sponheims wirkte sie dann seit 1136 als Magistra, Vorsteherin des Frauenkonvents in diesem Kloster, betrieb aber die Gründung eines neuen Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen, in das sie mit ihren Mitschwestern im Jahre 1150 einziehen konnte.“

Aus Überlieferungen bekannt

Den Impuls zu dieser Gründung eines eigenen Klosters erhielt sie zuvor schon, als sie in ganz besonderer Weise vom Klosterleben ergriffen und bewegt worden war, was ihr weite Anerkennung, ja Berühmtheit verschaffte und in ihrer eigenen Darstellung so überliefert ist:

„Es geschah im Jahre 1141 nach der Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus, als ich 42 Jahre und sieben Monate alt war. Aus dem offenen Himmel fuhr blitzend ein feuriges Licht hernieder. Es durchdrang mein Gehirn und setzte mein Herz und die ganze Brust wie eine Flamme in Brand; es verbrannte nicht, war aber heiß, wie die Sonne den Gegenstand erwärmt, auf den ihre Strahlen fallen. Und plötzlich erhielt ich Einsicht in die Schriftauslegung, in den Psalter, die Evangelien und die übrigen katholischen Bücher des Alten und Neuen Testaments… Die Geschichte aber, die ich sah, empfing ich nicht im Traum, nicht im Schlaf oder In Geistesverwirrung, nicht durch die leiblichen Augen und die äußeren Ohren, auch nicht an abgelegenen Orten, sondern ich erhielt sie in wachem Zustand, bei klarem Verstand, durch die Augen und Ohren des inneren Menschen, an zugänglichen Orten, wie Gott es wollte.“

Eine Klosterfrau auf Reisen

Ihre Predigten, Schriften und geistlichen Lieder machten sie nun alsbald weithin bekannt und sie ging sogar auf Reisen, was für Klosterfrauen zu jener Zeit des unruhig rumorenden Mittelalters eher ungewöhnlich war. Predigtreisen führten sie zwischen Bamberg und Würzburg, Metz, Trier Mainz und Köln in die wichtigsten Bistümer des damaligen Reiches, und sie stand mit Kurfürsten, Kaisern und Päpsten im Briefwechsel.

Als einer Ernährungs- und Heilkundigen hat man ihr weit über den Tod hinaus auch Wunder zugeschrieben. Gerade dieser letztere Aspekt Ihres Lebenswerks als Bewahrerin der Schöpfung hat in unseren Tagen wieder vermehrt Interesse gefunden.

Der Theaterjugendclub möchte in einer Lesung ihrer Briefe und gesungenen Sequenzen dieser bemerkenswerten Frau ein literarisch-musikalisches Denkmal gemäß ihrer eigenen Worte setzen: „Jeder Atemzug des Geistes geht durch mich durch…. und so vergieße ich klare Wasserströme“

Service: Die Veranstaltung findet am 17. Oktober um 19 Uhr im Kloster Marienstern in Mühlberg statt. Der Eintritt beträgt zehn, ermäßigt fünf Euro. Karten können unter Telefon 03491 4547997 reserviert werden.