Schlammfußball in Staupitz
: 16 Mannschaften gehen im wadentiefen Matsch auf Torejagd

Für die Nationalkicker wäre der Schlammfußball ein gutes Training. In Staupitz wird es dieses in Elbe-Elster einmalige Ereignis nach drei Jahren Zwangspause wieder geben. Wer veranstaltet so etwas Verrücktes?
Von
Manfred Feller
Staupitz
Jetzt in der App anhören

Vollen Einsatz haben diese Spieler bei einem der vorangegangenen Turniere in Staupitz gezeigt. Nach langer Pause geht es am kommenden Sonnabend wieder in die vorbereitete Schlammgrube.

Jugendverein Staupitz

Ein Tipp für die derzeit erfolglose Fußball-Nationalmannschaft der Männer: Um die Kondition seiner Schützlinge im Sommer zu stärken, soll ein finnischer Skitrainer den kräftezehrenden Schlammfußball in den 1990er-Jahren etabliert haben. Demnächst finden in dem Ursprungsland sogar Weltmeisterschaften statt. Eine Mannschaft aus Lindenau (OSL), die bereits vor Jahren beim Staupitzer Schlammfußball angetreten war, soll sich demnächst dorthin auf den Weg machen.

Wer so ein matschiges Spektakel aus nächster Nähe betrachten möchte, der sollte am Sonnabend (1. Juli) nach Staupitz in Elbe-Elster kommen. Nach drei Jahren Zwangspause wegen der Coronamaßnahmen steigt dort mit Verspätung das Jubiläumsturnier. Zum 10. Mal treffen dort zwischen 10 und etwa 18 Uhr 16 ambitionierte Mannschaften aufeinander.

Das Schlammballett aus Finsterwalde

Schon die Namen versprechen den ganzen Sonnabend über beste Unterhaltung. In Anlehnung an die berühmten tanzenden Männer reist das Schlammballett aus Finsterwalde an. Die Stammgäste und Titelverteidiger von 2019 kommen aus Jüterbog und nennen sich RubbelDiMiz. So ähnlich bezeichnet sich der wesentlich ältere Staupitzer Jugendverein Rubbeldikaz als Organisator. Ob die Durstigen Fullpfosten aus Koßdorf eine Chance haben werden, wird sich zeigen. Oder macht diesmal Schlamm-Weiß Staupitz das Rennen? Weitere Mannschaften kommen aus Doberlug-Kirchhain, Werenzhain, Plessa und sogar aus Dresden, Leipzig und Berlin.

Bevor die Feuerwehr Staupitz mit größerem Gerät angerückt ist, haben Paul Gleitsmann, Henrik Gleitsmann und Melina Seiler (v.l.) das Feld für den Schlammfußball schon mal probebewässert.

Manfred Feller

Anders als beim richtigen Fußball werden auch gemischte Mannschaften und reine Frauenteams gleichberechtigt gegen die Männer antreten. Eine Spielregel lautet: Frauentore zählen doppelt. Dass die Damen in dem von den Herren aufgewirbelten Schlamm untergehen, darüber macht sich Paul Gleitsmann, langjähriger Vorsitzender des Jugendvereins Staupitz, keine Sorgen. „Fairplay wird bei uns großgeschrieben“, sagt er. Das heißt, der Schiedsrichter passt sehr gut auf.

Das Spielgelände sieht sonderbar aus. Kein Rasen, sondern eine einen halben Meter tief ausgehobene Grube, die 20 mal acht Meter groß ist. „Damit sich das Wasser hält, befinden sich darin vier Lkw-Ladungen Lehm, den wir mit dem vorhandenen Boden vermischt und gesiebt haben, damit sich keiner verletzt“, so Paul Gleitsmann. Denn gespielt werde zumeist barfuß. Die Feuerwehr sorge mit Wasser dafür, dass der Matsch immer schön dickflüssig bleibt. Bei den aktuellen Vorbereitungen sei ein verloren gegangener Sportschuh, wahrscheinlich aus dem Jahr 2019, gefunden worden. Dieser soll noch sehr gut erhalten sein.

Fast knietief im Schlamm von Staupitz

Erhofft mindestens 800 Zuschauer wie in besten Staupitzer Schlammfußballzeiten werden sich davon überzeugen können, dass die ersten Turnierspiele noch im Entferntesten etwas mit Fußball zu tun haben. „Von Spiel zu Spiel wird es aber immer schwieriger. Am Ende stehen die Mannschaften fast knietief im Schlamm und können sich kaum noch bewegen. Mit Fußball hat das dann nichts mehr zu tun“, sagt der Cheforganisator schmunzelnd. Aber mit reichlich Spaß für Akteure und Zuschauer. Weil Fußball im Morast sehr anstrengend ist, dauert eine Begegnung nur zweimal vier Minuten.

Der weithin bekannte Weidendom auf der Festwiese in Staupitz. Kurze Verschnaufpause der Vorbereitungshelfer des Schlammfußballtages in den selbst gebauten Sitzgelegenheiten aus Holzstangen und Netzen.

Manfred Feller

Der Jugendverein Staupitz wird keine eigene Mannschaft stellen, weil er seit Wochen in der Vorbereitung steckt und den Schlammfußballtag mit dem Sportverein, der Feuerwehr, und dem Verein Heideleben absichert. Damit andere Spaß haben, opfern die Mitglieder sogar Urlaubstage. Für Vereinschef Paul Gleitsmann müssten die Tage aktuell doppelt so lang sein. Neben der Arbeit in der Haustechnikfirma seines Vaters hat der 30-Jährige Lebensgefährtin und Kind und ist im Ehrenamt Ortsvorsteher von Staupitz - ein nicht immer dankbares Ehrenamt, wie er ein ums andere Mal schon feststellen musste.

Ein alter Schiffscontainer wurde vom Jugendverein Staupitz in einen multifunktional nutzbaren Raum verwandelt, der auch als Ausschank verwendet werden kann.

Manfred Feller

Der Jugendverein Staupitz dürfte mit seinen 45 aktiven Mitgliedern zwischen 14 und 36 Jahren zu den rührigsten in Elbe-Elster gehören. Er kümmere sich neben der Gemeinde vor allem um das Inventar des Festplatzes hinter der Feuerwehr. Unter dem Weidendom stehen selbst gebaute Sitzgelegenheiten aus Holz und Netzen. Aus etwa 50 über das Jahr gesammelten Europaletten sind neue Freiluftmöbel entstanden. Und der alte Schiffscontainer ist als solcher nicht mehr wiederzuerkennen. Er wurde attraktiv mit Holz verkleidet. Drinnen befindet sich für das Schlammfußballturnier und für das abendliche Bass-Open-Air eine Bar.

Aus zusammengetragenen Altpaletten hat der Jugendverein Staupitz Möbel für den Festplatz gezimmert.

Manfred Feller

Warum sollte man am Sonnabend nach Staupitz kommen? „Was wir bieten, ist in Elbe-Elster etwas Einzigartiges. In unserem Programm ist für jeden etwas dabei“, verspricht Paul Gleitsmann.

Schlamm und Bass in Staupitz

Der Anstoß für das erste Spiel der 16 Mannschaften im Schlammfußball am Sonnabend in Staupitz auf dem Festplatz erfolgt um 10 Uhr. Mit dem Ende des Turniers wird gegen 17 oder 18 Uhr gerechnet. Eintritt: fünf Euro. Zwischendurch wird um 13 Uhr das Männerballett aus Finsterwalde auftreten. Um 15 Uhr sind die Weberknechte an der Reihe. Ab 21 Uhr legen verschiedene DJs Musik auf. Eintritt: 15 Euro.