Ökocamp bei Hohenleipisch
: Zwangsräumung vom Sommer 2024 gibt es jetzt als Film

2024 wurde das Ökocamp im Naturschutzgebiet bei Hohenleipisch unter Polizeischutz abgerissen. Der Hauptakteur hat daraus und aus seinen Reisen einen Film gemacht.
Von
Manfred Feller
Hohenleipisch
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Zwei Bewohner haben sich geweigert, die selbst gebaute Unterkunft zu verlassen. Daraufhin wird eine Frau am Boden fixiert, der Eigentümer in unbequemer Haltung zur Seite geführt.

Vor dem Abriss der selbst gebauten Unterkunft im Ökocamp Hohenleipisch werden zwei Bewohner abgeführt. Die Zwangsräumung wurde von anderen Bewohnern gefilmt. (Archivfoto)

Manfred Feller
  • 2024 wurde das Ökocamp bei Hohenleipisch unter Polizeischutz abgerissen.
  • Martin Zech schnitt Handyvideos zur Doku „Das Ende vom Tellerrand“ zusammen.
  • Premiere: Freitag (20. Februar) um 19.30 Uhr in der Dresdner „Schauburg“.
  • Online ab 20. März auf Youtube; Karten über www.HerrLehmannsWeltreise.de.
  • Zech fordert 142.000 Euro, Abrissschulden ca. 18.000 Euro; Fall gerichtsanhängig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ab dem Jahr 2020 hatten sich auswärtige Lebenskünstler daran gemacht, auf einem gekauften Stück Land bei Hohenleipisch ihren Traum vom freien Leben in der Natur zu verwirklichen. Auf der verwilderten Streuobstwiese, am Rande des Naturschutzgebietes (NSG) „Forsthaus Prösa“, bauten sie Unterkünfte und eine Freiluftküche. Für die Selbstversorgung wurde ein pflegeleichter Permakulturgarten angelegt. Die nahegelegene Grube „Gotthold“ diente als Badewanne.

Der Landkreis sah sich das eine Weile an und verlangte dann in Gesprächen und Schreiben den kompletten Rückbau. Die Ökocamper weigerten sich mit dem Verweis auf schützenswerte Kunst im Naturraum. Der vielen Worte folgte mit gesetzter Frist eine bauordnungs- und naturschutzrechtliche Verfügung.

Als diese im Sommer 2024 tatenlos verstrichen war, rückte die Behörde mit Abrissfirma und einem massiven Polizeiaufgebot zum Plattmachen an. So geschah es dann auch mit teilweise unschönen Bildern. Die Bewohner wehrten sich nicht, sondern leisteten, in einem Fall nur mit einer Gitarre bekleidet, ihre spezielle Art des passiven Widerstandes.

Die Zwangsräumung vom Ökocamp in Hohenleipisch als Film

Die von den Bewohnern gemachten Handyfilme hat der Dresdner Martin Zech, Landbesitzer und Kopf der losen Gruppe mit wechselnder Besetzung, zu einem Film zusammengeschnitten, ergänzt durch Reiseeindrücke aus dem Iran. Der Bogen wird von der Wüste bis in die Steppe Brandenburgs gespannt, wie es heißt.

Der Streifen „Das Ende vom Tellerrand“ hat nun Premiere. Nicht im Internet, sondern in dem traditionsreichen Filmtheater „Schauburg“ in Dresden-Neustadt, dort, wo auch die alternative Szene zu Hause ist. Der Vorhang hebt sich am Freitag (20. Februar) um 19.30 Uhr. Karten gibt es auf der Internetseite www.HerrLehmannsWeltreise.de. Herr Lehmann ist das alte, grüne Wohnmobil, mit dem Martin Zech durch die Welt reist und auch sonst darin wohnt.

Auch ein Traktor mit Mähwerk wurde eingesetzt. Nach dem Hinweis auf eine Genehmigung durften einige Bäumchen stehenbleiben. Alles andere Angepflanzte wurde kleingehäckselt.

Während der Zwangsräumung bei Hohenleipisch wurden nicht nur neuere Bauten beseitigt, sondern auch der Permagarten gehäckselt. Die Polizei passte auf. (Archivfoto)

Manfred Feller

Es wird nur diese eine Aufführung geben. Dafür hat der Dresdner extra einen großen Kinosaal gemietet. Der Eintritt kostet? „Ich verschenke, was ich zu erzählen habe. Wer das wertschätzt, der gibt was zurück“, sagt der Enddreißiger.

Damit sei er bei seinen Filmpremieren 2014 und 2019 über Reisen durch die Mongolei und Russland sowie durch Kirgistan, Kasachstan, Georgien und Armenien ganz gut gefahren. Wer nicht nach Dresden fahren will, kann sich „Das Ende vom Tellerrand“ ab 20. März auf Youtube ansehen. Auf der Internetseite von Herrn Lehmann gibt es in dem Film „Die Abrissparty“ schon mal vorab ein paar Eindrücke von der Zwangsräumung. Allerdings mit dem Warnhinweis vor unangemessenen Bildern.

Ökokommune hat Hohenleipisch bald darauf verlassen

Nach dem Mehr-oder-weniger-Rausschmiss aus Hohenleipisch haben sich die Bewohner in alle Winde verstreut. Martin Zech lässt sich immer mal wieder in Hohenleipisch sehen, wenn er nicht gerade unterwegs ist. Seine jüngste große Reise führte ihn mit dem Rucksack durch Indien und über Bali.

Ansonsten lebt der Youtuber, wie er sagt, von der Hand in den Mund. Er halte sich auch mit Workshops, Vorträgen und Musik über Wasser. Das Geld reiche nicht, um die Abrissschulden wohl in Höhe von etwa 18.000 Euro zu begleichen. Im Gegenzug fordert er für die Zwangsmaßnahme und die Zerstörung seines Kunstschutzgebietes 142.000 Euro. Der Fall sei gerichtsanhängig. Lebenskünstler Martin Zech sagt dazu ganz entspannt: „Ich wollte diese Dienstleistung nicht.“ Ironisch dankt er dem Landkreis Elbe-Elster für die „dramaturgische Unterstützung“ seines Filmprojektes.