Es dampft aus Dutzenden Kesseln und Töpfen. Die Köche füllen im Akkord die Schüsseln. Um die Mittagsstunde ist der Andrang enorm. Die Hungrigen üben sich in Geduld bei der inzwischen 13. Suppenmeile auf dem Marktplatz in Elsterwerda. Das Gefühl täuscht nicht: Zur Spitzenzeit reihen sich merklich mehr Besucher in die Warteschlangen ein als in den sehr guten Vorjahren. Die Organisatoren aus der Stadtverwaltung, vom Gewerbeverein und von der RUNDSCHAU haben erneut ganze Arbeit geleistet.

Ein Grund für den Ansturm: Diese Eintopfvielfalt wird normalerweise am heimischen Herd nicht zubereitet. Von der Holundersuppe über den Möhrentopf mit Leberkäse bis hin zur Grünkern- und Fischsuppe ist wieder alles dabei. Die Klassiker, wie Erbseneintopf und Soljanka, fehlen natürlich nicht. Nach etwa drei Stunden sind die ersten Kessel leer - wie bei der Bundeswehr. Die Soldaten spenden ihren Erlös für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Eine seiner Spezialitäten hält Jens Uhlemann in der tschechoslowakischen Feldküche aus den 70er-Jahren heiß. Gänsefleischtopf mit Kohlrabi dampft in einem der drei 70-Liter-Behälter. „Das ist etwas Besonderes, weil es sonst niemand macht“, versichert der Inhaber und Koch vom Gasthaus „Zu den drei Rosen“ in Winkel. Er hat gerade vier Tage Martinsgansessen mit rund 600 Gästen bewältigt. Die Gäste kommen in Reisebussen bis aus Templin, Frankfurt/Oder, Görlitz und Erfurt. Seit 2009 laufe dieses Reisekataloggeschäft mit bis zu 100 Veranstaltungen im Jahr. 20-mal wird böhmische Blasmusik dazu serviert. Die normalen Öffnungszeiten wurden abgeschafft, weil trotz Suche kein Personal zu finden sei.

Büffel aus dem Schradenland

Wasserbüffel, die auf den saftigen Weiden der Elsterniederung im Schradenland geweidet haben, sind im Großkochtopf von Sven Platz gelandet. Der Inhaber des Gasthauses „Zur Linde“ in Saathain, mittlerweile seit 22 Jahren, schwärmt von dem dunklen, fettarmen Rindfleisch, das sich vor allem für Rouladen, Gulasch und Braten eigne. Nicht wenige Gäste kämen seit sechs Jahren auch deswegen nach Saathain. In die Büffelsuppe wurde Fleisch von Schulter und Hals des Tieres geschnitten. Das Rezept hat Sven Platz selbst entwickelt. Fleisch, Zwiebeln, Möhren, Champignons, Kartoffeln sowie Gewürze und Kräuter für den unverwechselbaren Geschmack sind die Zutaten.

Heidrun und Hans-Jürgen Schirrmeister (vorn) aus Saxdorf sowie Renate Heßlich aus Biehla und Helmut Rüster aus Saxdorf lassen es sich schmecken und nehmen natürlich den Nachschlag mit.
© Foto: Manfred Feller

Heidrun (63) und Hans-Jürgen Schirrmeister (67) sind mit zwei Nachschlageimerchen extra aus Saxdorf angereist. Er mag das Spezielle, was nicht jedermanns Geschmack ist: „Flecke gibt es nicht jeden Tag. Die esse ich gerne.“ Sie wird die Kartoffelsuppe essen und kocht zu Hause ab und an die Schwartensuppe mit Gräupchen und Kasseler.

Renate Heßlich (71) aus Biehla wird die Fleckesuppe ebenfalls kosten: „Weil sie schmeckt und ich sie nicht kochen kann.“ Ihr Lebenspartner Helmut Rüster (68) aus Saxdorf zieht die Erbsensuppe vor. Zu Hause kochen beide.

Jugend steht auf Suppe

Auch einige junge Leute füllen die Bierzeltgarnituren in dem großen Zelt. So wie Mandy Schmidt mit Mann und Söhnchen (zehn Monate) aus Merzdorf. Sie wählt die Erbsensuppe, die mehrere Köche anbieten. Daheim werde natürlich fast täglich gekocht. Ein Lieblingsgericht ist Nudeltopf mit Rindfleisch.

Fünf Schüler vom Elsterschloss-Gymnasium nutzen ihre freie Zeit zu einem Abstecher auf die Suppenmeile. Chris Richter aus Plessa outet sich als Gulasch-Fan. Deshalb geht er auch einmal die Woche zum Suppenexpress im Heimatort. Richard Buland aus Oschätzchen löffelt Chilli con carne. Zu Hause mag er besonders Muttis Hühnersuppe.

Zu wenig Vegetarisches

Meike (16) aus Bad Liebenwerda muss nach dem für sie passenden Essen Ausschau halten. Denn sie ist Vegetarierin. Die Auswahl hier begeistert sie nicht unbedingt. Fast überall ist Fleisch drin. Deshalb holt sie sich eine Tomatensuppe. Wenn sie selbst kocht, dann darf es gern etwas mit Nudeln oder Kürbis sein.

Schulkameradin Laura (16) aus Zeischa hat sich noch nicht entscheiden, weiß aber, dass Gräupchen- und Nudeltopf zu Hause lecker sind. Shalin (17) aus Dobra holt sich die Holundersuppe. Auch sie könne kochen, aber nicht die großen Gerichte, gibt sie zu.

Suppenmeile macht Spaß

Koch Thomas Hauptvogel aus Lauchhammer ist ansonsten auf den Wochenmärkten in Senftenberg und Finsterwalde zu finden. Er stellt sich zum vierten Mal dem geschmackvollen Wettbewerb in Elsterwerda. „Weil es hier Spaß macht“, zieht er freudig die volle Suppenkelle aus dem dampfenden Kessel. Seine Rezepte habe er von Oma und Mutter, denen er schon als Junge beim Kochen zugeschaut habe. „Was ich meinen Gästen anbiete, koche ich genauso zu Hause für mich“, versichert er. 200 Liter Eintopf hat er vorbereitet.

Stellflächen und Straßen dicht. In der Elsterwerdaer Innenstadt mussten die Kraftfahrer, darunter sehr viele aus Sachsen, zeitweise reichlich Geduld mitbringen.
© Foto: Manfred Feller

Das alles so gut geklappt hat, sei vor allem dem auf- und abbauenden Bauhof der Stadt zu verdanken, sagt Yvonne Weser, Vorsitzende des Gewerbevereins. Weniger Freude kam dagegen bei den Anreisenden auf, die oft lange oder vergeblich nach einem freien Parkplatz gesucht haben. Die Politessen waren angehalten, nur grobe Parksünden zu bestrafen. Dagegen soll die Polizei an den Einfallstraßen der Stadt fleißig gemessen und abkassiert haben. Eine etwas andere Begrüßung hätten sich vor allem die Feiertagsgäste aus Sachsen gewünscht, die zum Essen und Einkaufen extra nach Elsterwerda gefahren sind.