Bevor über miserable Abschnitte der insgesamt 898 782 Meter langen, ausgeschilderten Radwanderwege nur im Landkreis Elbe-Elster gewettert wird, sei ein Blick auf die Radkarte Brandenburg empfohlen. Nördlich der Linie Jüterbog, Lübbenau, Guben gibt es riesige weiße Flecken. Dagegen gleicht der Süden mit vielen ausgewiesenen Touren einem Spinnennetz.

Allein in Elbe-Elster können nach Auskunft von Bettina Oecknigk, Mitarbeiterin im Tourismusverband Elbe-Elster, fast 30 regionale und überregionale Routen, alle mit einem thematischen Namen, befahren werden. Dank der nummerierten Knotenpunkte (rotes Hütchen, siehe Foto) können die Touren nach dem Motto „Radeln nach Zahlen“ auch selbst zusammengestellt werden. „Die Radkarten gehen weg wie warme Semmeln“, berichtet sie am Donnerstagabend im Natoureum Maasdorf bei LR vor Ort speziell zum Thema „Radwanderwege in Elbe-Elster“. Wer nicht in Elbe-Elster zu Hause ist, der kann in einem der inzwischen 18 zertifizierten Radlerherbergen übernachten.

Auch ohne Fahrrad anzureisen oder mit dem Besuch auf Tour zu gehen, dies funktioniere dank der 50 ausleihbaren E-Bikes für Erwachsene, der zwölf Mountainbikes plus Kindersitze und Radanhänger. Weitere Orte hätten Interesse an Leihstationen. Der Mühlberger Herbergsbetreiber Andreas Bayer wünscht sich für seine Gäste in der Vor- und Nachsaison, die ohne Rad kommen, wenigstens einen Transfer der E-Bikes – natürlich kostenpflichtig und auf Bestellung. „Wir finden eine Lösung“, sagt Bettina Oecknigk. Denn bei der Ausleihe gibt es noch viel Luft nach oben. Seit dem Start im Juni 2018 wurden 180 Leihvorgänge registriert. Mindestens 1000 sollen es dieses Jahr werden. Die Anzahl der Ladestationen soll von sechs auf zwölf erhöht werden.

Einen Termin des Tourismusverbandes sollten sich die Radler in Elbe-Elster schon einmal vormerken: die zweitägige Saisoneröffnung am 11. und 12. Mai von Herzberg über Schlieben, Doberlug-Kirchhain nach Finsterwalde mit den Schwerpunkten Kultur und Kulinarik.

Bis zu diesem heute fast 900 Kilometer langen, ausgeschilderten Radwegenetz in Elbe-Elster war es ein weiter Weg. Daran hat bei LR vor Ort Klaus Oelschläger, Leiter Sachgebiet Kreisentwicklung, erinnert. Demnach habe der Maasdorfer Eckard Lehmann (er war anwesend) auf der Basis der „Radwanderwegezielnetzkonzeption“ des Landkreises von 1996 eine bis heute gültige Planung aufgelegt. In der Folge wurden zwischen 2000 und 2003 etwa 120 Kilometer Radwege gebaut. Kosten: fast 13 Millionen Euro. Mit den vorhandenen land- und forstwirtschaftlichen Wegen und gering befahrenen Straßen entstand schließlich ein Netz von unterschiedlicher Streckenqualität. Erste Touren wurden aufgestellt.

Nach rund 15 Jahren müssen jetzt viele Abschnitte dringend modernisiert werden. Vor allem Baumwurzeln und schwere Fahrzeuge haben den Pisten teilweise arg zugesetzt. Das weiß auch das Land Brandenburg und fördert die Modernisierung mit 80 Prozent der Kosten. In Elbe-Elster wird der Landkreis Bauherr, obwohl die Wege oft kommunal sind. Doch die Gemeinden würden nicht in jedem Fall ihren Eigenanteil aufbringen können.

Alles in allem werden zwischen 2019 und 2022 sechs Millionen Euro in 48 Einzelmaßnahmen investiert. Dahinter stehen: Ausbau von 56 Kilometern Radwanderwegen auf eine Breite von 2,50 Meter. Einbau von Wurzelschutz auf 91 Kilometern. Neubau von 2,4 Kilometern und Fahrbahnerneuerung auf 140 Kilometern. Das Geld fließt nach Maßgabe des Landes in die wichtigen Abschnitte. Dazu gehören in Elbe-Elster der Elberadweg, der Fürst-Pückler-Radweg, die Kohle-, Wind- und Wasser-Tour, die Radrouten historische Stadtkerne und die Tour Brandenburg.

„Wie viele Radtouristen nutzen nun Elbe-Elster?“, fragt RUNDSCHAU-Moderator Frank Claus. Die Tourist-Info Bad Liebenwerda könne nur jene zählen, die dort vorbeischauen, weil sie Hilfe brauchen, entgegnet Leiterin Kerstin Jahre. Dies geschehe seit 2018. Sehr viele kämen alleine klar, buchen Übernachtungen selbst. Fakt sei aber, dass jeder Radwanderer am Tag 30 Euro ausgebe, mit Bett sind es rund 70 Euro. Ein Mangel sei die dünne gastronomische Versorgung.

Damit sich weder Einheimische noch Gäste in der Natur verfahren, wurden nach Auskunft von Klaus Oelschläger fast 227 000 Euro in die landeseinheitliche Beschilderung investiert. Zwei Zahlen: Es handelt sich um 1344 Pfosten und 3540 Schilder.

Fragen und Kritik gab es auch in der Runde. Michael Piero aus Schönborn fährt bis zu 11 000 Kilometer im Jahr mit dem Rad – auch im Dunkeln. Wenigstens in Kurven sollten schwarze Asphaltwege weiß markiert sein, fordert er und spricht sich im Winter gegen reifentötenden Splitt auf Radwegen aus.

Ein anderer moniert den Zustand des Elsterradweges zwischen Zeischa und Bad Liebenwerda und Gästeführerin Carola Meißner aus Plessa kritisiert die Lochpiste zwischen Gorden und Oppelhain. Dies ist eine kommunale Straße. Bürgermeister Fred Wickfeld fehlt im Raum Gorden-Staupitz der Radweg-Lückenschluss zum Grünewalder Lauch. Und Wegplaner Eckard Lehmann merkt an, dass Landwirte viele Feldraine einfach wegpflügen und damit die Wege schädigen.