Leuchtturm getestet: Bad Liebenwerda rüstet für den Katastrophenfall

Wie lange dauert der Aufbau eines Leuchtturms in einer Schule? Sind die Gebäude dafür geeignet? In Bad Liebenwerda ist im Grundschulzentrum geprobt worden. Mit welchem Ergebnis?
Frank Claus- Bad Liebenwerda testete einen Katastrophenschutz-Leuchtturm in der Grundschule.
- Leuchttürme bieten Wärme, Wasser, Strom, Infos und teils Übernachtung – Herzstück ist Notstrom.
- Im Landkreis gibt es 17 Standorte, Ausstattung wird zentral in Elsterwerda gelagert.
- Test ergab: In Bad Liebenwerda sprang Licht, Heizung und Computer an, Betrieb zügig möglich.
- Dezernentin mahnt mehr Tests an und empfiehlt private Vorräte für mindestens drei bis zehn Tage.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Die Verbandsgemeinde Liebenwerda nimmt wie auch die Stadt Elsterwerda den Aufbau der sogenannten Leuchttürme sehr ernst. Es handelt sich um Anlaufstellen, in denen man sich zum Beispiel aufwärmen, Wasser erhalten, Strom tanken und hier und da auch nächtigen kann.
Insgesamt gibt es 17 davon im Landkreis Elbe-Elster, jeweils einen auch in den Grundschulen in Mühlberg, Bad Liebenwerda und Falkenberg sowie einen in der alten Schule in Uebigau. Gelagert sind alle Ausrüstungsgegenstände zentral in Elsterwerda.
„Der Katastrophenschutz-Leuchtturm“, so erklärt Verbandsgemeindewehrführer Martin Neumann, „ist eine zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung in besonderen Krisen- und Notlagen, insbesondere bei länger andauernden Stromausfällen oder großflächigen Schadensereignissen.“ Er diene dazu, der Bevölkerung ein Mindestmaß an Versorgung, Orientierung und Sicherheit zu bieten, wenn wichtige Infrastrukturen wie Strom, Telefon oder Internet zeitweise nicht zur Verfügung stehen.

Das Herzstück eines jeden Leuchtturms ist ein leistungsfähiges Notstromaggregat.
Frank ClausIm Februar 2023 hatte der Städte- und Gemeindebund Brandenburg den Beschluss gefasst, dass bis Ende 2024 etwa 300 dieser Leuchttürme im Land zu schaffen sind: in Turnhallen, Schulen und Kulturhäusern. Die bundesweite Auswertung von Katastrophen hat gezeigt, dass sich etwa ein Prozent der Bevölkerung nicht selbst helfen kann. Elbe-Elster rechnet mit zwei Prozent und etwa 2000 Menschen. Heruntergerechnet auf die 17 Leuchttürme sind das etwas mehr als jeweils 100 Hilfesuchende.
Dezernentin kritisiert zu schleppende Testphase
Susann Kirst, zuständige Dezernentin für Ordnung im Landkreis, hatte die Kommunen aufgefordert, ihre Leuchttürme probeweise aufzubauen, um Erfahrungen in den entsprechenden Objekten zu sammeln. Die Resonanz, so drückt sie es vorsichtig aus, „ist mir noch zu dürftig“. Elsterwerda habe getestet, auch in Mühlberg und nun in Bad Liebenwerda sind Abläufe durchgespielt worden. Für Falkenberg und Uebigau würden jetzt die nötigen Termine koordiniert.
Das Thema Katastrophenschutz sei „angstbesetzt“ und werde deshalb vielfach „noch verdrängt“, sagt Susann Kirst und ergänzt: „Das ist menschlich verständlich, aber die unsicherer gewordene Weltlage zwingt uns, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.“ Dabei sieht sie nicht nur alle verantwortlichen öffentlichen Stellen in der Pflicht. Das Thema gehe alle an. Jeder sollte sich mit den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschäftigen. In einer Publikation unter der Überschrift „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ sind übersichtlich und verständlich die wichtigsten Maßnahmen beschrieben.
Wie gut sind Privathaushalte für eine Katastrophe gewappnet?
So wird empfohlen, Nahrung und Getränke für mindestens drei, besser zehn Tage zu bevorraten. Dabei sollte sich jeder die Frage stellen, wie er leben könne, wenn der Strom ausfällt, Kommunikationswege abgeschnitten sind und der Zugang zu ärztlicher Versorgung und zu Medikamenten komplizierter ist. Der Landkreis werde schrittweise 220 Sirenen modernisieren und so ertüchtigen, dass auch wieder flächendeckend Durchsagen möglich sind, sagt Susann Kirst.
Bei den Leuchttürmen handelt es sich um notstromfähige Gebäude. Für die Grundschule Bad Liebenwerda konnte nach dem Test vermeldet werden: Alles ist angesprungen, das Licht, die Heizungsanlage, der Computer. Vorgehalten werden eine Netzersatzanlage mit Betankung, Sitzgelegenheiten, eine Heizmöglichkeit, Trinkwasserversorgung, Mikrowellen zum Erwärmen selbst mitgebrachter Nahrung, Wasserkocher, Kommunikation, Erste Hilfe, sanitäre Anlagen, Information (Merkblätter, Informationsübersichten, Formulare, Infoboards, Außenkennzeichnung) und Lademöglichkeiten für mobile Kommunikationsgeräte.
Leuchttürme im Kreis
Diese Anlaufstellen für den Katastrophenfall werden in Elbe-Elster vorgehalten:
Finsterwalde (städtische Turnhalle Tuchmacherstraße und Oscar-Kjellberg-Oberschule), Massen (Grund- und Oberschule), Sonnewalde (Grundschule), Rückersdorf (Turnhalle der Grundschule), Doberlug-Kirchhain (Grundschule), Plessa (Kulturhaus), Hirschfeld (Grundschule), Prösen (Röderlandhalle), Elsterwerda (Stadthaus), Bad Liebenwerda (Grundschulzentrum), Mühlberg (Grundschule), Uebigau-Wahrenbrück (ehemalige Grundschule Uebigau), Falkenberg (Grundschule), Schönewalde (Grundschule), Herzberg (Elsterlandgrundschule) und Schlieben (Grund- und Oberschule).
Auf den ersten Blick wirkt die Ausstattung (trotz 130.000 Euro pro Leuchtturm, das Nordstromaggregat kostet allein 80.000 Euro) spartanisch. Aber, so Martin Neumann, „das reicht für eine Erstversorgung“. Der Test in Bad Liebenwerda habe gezeigt, dass bei vorhandenem Personal ein Leuchtturm sehr zügig in Betrieb genommen werden könne.

Leuchtturm-Test an der Grundschule Robert Reiss in Bad Liebenwerda. Susann Kirst, Beigeordnete und Ordnungsdezernentin im Landkreis, Verbandsgemeindebürgermeisterin Claudia Sieber und Ortsbürgermeister Johannes Berger haben sich von Verbandsgemeindewehrführer Martin Neumann (v.l.) die Erfahrungen beim Aufbau erläutern lassen.
Frank ClausGeprüft werden müsse, ob die zentrale Lagerung der Ausstattung für alle 17 Leuchttürme in Elsterwerda schon der Stein der Weisen ist. Was, wenn die Feuerwehren im Einsatz sind und bei einer Großschadenslage mehrere Leuchttürme in Einsatzbereitschaft versetzt werden müssen? Zudem, so glaubt er, müsse bestimmte Technik auch in regelmäßigen Abständen in Betrieb genommen werden.
