Weiße und weise Männer
Ich finde es schon recht mutig, sich diesem heißen Thema zu stellen, als Frau, auf öffentlicher Ebene. Entschieden wird ja viel hinter verschlossenen Türen. Treffender kann man es nicht formulieren, alte weiße Männer – diese Formulierung hätte einen Eintrag beim Wort des Jahres oder Jahrhunderts verdient . Gefühlt ewig sagen alte weiße Männer, wo es lang geht. In der Kirche, im Staat, in der Politik, in der Ehe.
Damit möchte ich nicht pauschalisieren, denn es gibt auch die alten weisen Männer. Mein Vati war so einer, er arbeitete sein Leben lang im BKK Lauchhammer, und ich bin mit der Kohle und allem, was dazu gehörte aufgewachsen. Ich glaube fest, auch er hätte die Zeichen der Zeit erkannt.
Mit immer größerem Aufwand kratzen wir den Rohstoff aus der Tiefe, Mondlandschaften in Folge, Heimatverlust, Profite, Konzerne die sich Meinung und Ja-Sager erkaufen durch Sponsoring, Kohlendioxid gratis. Nichts ist unerschöpflich, zumal die Erde zum Selbstbedienungsladen verkommen ist. Vorausschauend gedacht, auch an Enkel und Urenkel, muss das braune Gold der Erde von etwas anderem abgelöst werden. Damit begraben wir keine alten Traditionen, die bleiben im kollektiven Gedächtnis genau wie die Entbehrungen und Leistungen, die dahinter stecken. Das Schließen von Zechen ist bitter, das haben andererorts Kumpel schon hinter sich. Aber die Heimat, das Dorf, die Gemeinschaft abzubaggern, ist auch bitter. Gundermann lässt grüßen! Deshalb nicht so viele Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten. Veränderungen bedeuten auch weiterleben, etwas verbessern. Sich anpassen, aber nicht immer wieder Natur an Menschen wie seit Jahrhunderten, sondern umgekehrt. Außerdem gibt es doch genug kluge Köpfe, die nach Lösungen suchen können. Solange wird die Kohle Strom, Wärme, Energie und Arbeitsplätze sichern. Aber nur solange und nicht ewig.
Zum Schluss ein persönliches Gleichnis: Für die heilige Barbara öffnete sich einst der Berg zum Schutz, für die Bergleute öffnete er sich, damit sie die Schätze in seinen Tiefen abbauen konnten, und jetzt ist es an der Zeit, etwas für den Berg zu tun. Das schreibt Ihnen keine alte weiße oder weise Frau, sondern ein Kind der Lausitz.
Katrin Brunk, Mühlberg