Eckart Binder aus Elsterwerda und Volker Lehmann aus Merzdorf schreiben stellvertretend für „fünf Ehepaare, die ihre Goldene Hochzeit schon längst hinter sich haben“: Unsere schönste Zeit bei Hoppenz oder auch liebevoll „Hertha“ (Ehefrau von Inhaber Fritz Hutschenreuter) genannt, war begleitet von richtig guten Live-Bands und begann für uns 1961. Da hatten wir unsere Partner bzw. Partnerin schon leicht im „Blickfeld“. Besonders im Gedächtnis geblieben sind uns dabei die „Sputniks“ aus Berlin, die erste Beat-Gruppe der DDR, die „Theo-Schumann-Combo“, „Uve-Schikora-Band“ mit Henry Kotowski, „Tip-Top-Combo“ aus Falkenberg, „ABC-Band“, „Renft-Combo“, „Eberhard Weise“ mit Sänger Reinhardt Mühlbacher aus Elsterwerda, „Puhdys“, „Mister M“ aus Elsterwerda, „Gloria“ Riesa und andere. Es mussten irrerweise Anzahl der Titel Ost-West von 60 zu 40 Prozent eingehalten werden, doch keine Band hielt sich daran. Auf der Galerie saß stets ein „Spitzel“, um die Einhaltung zu überwachen. Die Folge waren Verbote (z.B. „Uve Schikora“) und Geldstrafen. Auch Herr Hutschenreuter musste sich bei den entsprechenden Stellen in der damaligen Kreisstadt Bad Liebenwerda verantworten, so ein Blödsinn!

Die Eintrittspreise lagen zwischen 2,50 und 3,60 Mark, je nach Qualität der Gruppe. Auch war der Eintritt mit Jeans zeitweise untersagt, das konnte aber nicht lange Bestand haben. Es war immer volle „Hütte“ und Bombenstimmung.

Die Kellner H. Güttler, H. Karg und andere sorgten dafür, dass im Saal niemand verdurstete, speziell unser Tisch war immer reichlich versorgt. Trotzdem kam es beim Gang zur Toilette vor, dass wir kurz an der Theke Halt machten, um zusätzlich beim kurzen „Männergespräch“ schnell ein kleines Bierchen zu trinken. Auch die Schnitzel und Bockwürste waren stets begehrt. An der Bar mit den netten Bardamen, der schwarzhaarigen Frau Junker und der blonden Frau Manig, herrschte stets großes Gedränge. Die Mixgetränke waren sehr preisgünstig, etwa eine Mark, hießen „Wolkenbruch“, „Seemann“, Prärieauster“, „Nikolaschka“. Das Bier „Hell“ kostete 43, das „Pilsner“ 51 Pfennige.

Es war jeden Samstag ein großes Treffen von Jugendlichen aus allen Himmelsrichtungen – aus Doberlug, Finsterwalde, Bad Liebenwerda, den Dörfern im großen Umkreis. Wir haben uns mit allen gut verstanden, nette Gespräche über Musik und Zeitgeschehen geführt. Im Jahre 1975 übernahm „Conny“ als Betreiber das Gesellschaftshaus. Kurz danach endete die Zeit der Live-Bands, und die Disco war nicht so unser „Ding“. Unsere Clique (fünf Paare), jetzt Mitte und Ende 70, feierte und feiert noch heute gemeinsam runde und halbrunde Geburtstage, Silberne und Goldene Hochzeiten, kleine Weihnachtsfeiern mit Live-Musik. Gemeinsam schwärmen wir immer noch von den unvergessenen Zeiten bei „Hoppenz“. Wir sind sehr betroffen, dass man dieses Kulturobjekt nicht retten konnte.

Hoppenz und Kultur – die eine Sicht ...

Hartmut Helms, ehemaliger Elsterwerdaer und jetzt in Halberstadt zu Hause, schreibt: Zwei Städte, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch eines gemeinsam haben: Hier wie dort verfällt ein einstiger Kulturtempel. Beide Häuser, das Gesellschaftshaus Hoppenz und das Kulturhaus in Halberstadt, sehen ihrem Abriss entgegen. Eine Gesellschaft entledigt sich (im Osten) all jener Orte, in denen einst vielfältige Geselligkeit erlebbar war und streicht sie einfach aus ihrem historischen Bestand, ohne ernsthafte Gedanken an eine Alternative zu verschwenden. Es macht mich fassungslos, weil ich mir vorzustellen versuche, wo sich Menschen in ihrer Freizeit zukünftig niveauvoll vergnügen und zwanglose Geselligkeit pflegen sollen. Warum (...) sollten Menschen an einem Ort ohne Kino, Freibad, Tanzlokal sowie einer urigen Kneipe, idealer Weise mit Billardtisch, leben wollen? All das gab es einst in der Kleinstadt Elsterwerda (und auch anderswo). Es ist richtig, dass die Jugend freitags auf die Straße geht, um für ihre Zukunft zu demonstrieren. Eine vielfältige Kultur gehört dazu! Meine schönsten Erinnerungen an den Beat-Schuppen „Hoppenz“ sind die vielen Tanzveranstaltungen in den 1960er-Jahren (...). Ich denke an die Schulfeste der Penne, an die Tanzstunden mit Frau Schweitzer-Radant aus Lauchhammer und den Fasching. Mir fällt Konrad „Conny“ Grafe ein, in dessen Kneipe wir in der Woche gern ein Schnitzel mit Salat plus Bier bestellten. Natürlich erinnere ich mich an meine Konzert-Reihe ROCK-MIX mit Kreis, Prinzip, Electra, Lift, Kerth, City oder Pond (...). Ich erinnere mich an Szenen hinter der Bühne und im Kopfkino ziehen viele Gesichter vorüber, mit deren Namen jene Konzerte für immer verbunden sind. Selbst heute noch, beinahe vierzig Jahre danach, werde ich manchmal darauf angesprochen und das erfüllt mich mit Stolz. (...)  1979 Umzug aus technischen Gründen in das Kulturhaus Plessa. Schon damals hätte man das alte Haus renovieren müssen. Das hatte man zu DDR-Zeiten ebenso wenig in Angriff genommen, wie man es in den folgenden drei Dekaden „aufblühender Landschaften“ gegen die vielen neuen Widerstände ebenso wenig umsetzen konnte oder wollte. (...)

Heute bin ich einer jener Zeitzeugen, die fast schon bedauernd darauf schauen, wie viele Jugendliche Gelegenheiten suchen, auf vergleichbare Weise, wie wir damals, ihre Neigungen auszuleben.

... und dann gibt es auch eine andere

„Bei allem Respekt, aber ich kann dieses in Teilen sehr merkwürdige Geschreibsel von Herrn Helms so nicht stehenlassen“, schreibt Thomas Langhammer aus Elsterwerda.

(...) Mit Verlaub, das nächste Kino ist in Gröditz, ein Katzensprung, das nächste Freibad in Merzdorf – ebenfalls nur ein Katzensprung. (...) Tanzlokal? Gibt’s so etwas überhaupt noch? Heute gibt es nur noch Großraumdiscos. Sogenannte Tanzlokale haben längst ausgedient. Das kann man bedauern, klar. Aber so ist nun mal der Lauf der Zeit. Und was die urigen Kneipen angeht, ist nur wenige Meter weiter das „Carpe diem“, ehemals „Stube“. Ein Billard steht zwar nicht mehr drin. Dafür erfreut sich dort aber das Dartspielen seit geraumer Zeit größter Beliebtheit. Davon abgesehen haben wir in Elsterwerda nach wie vor so viele Lokalitäten, dass man sich ab und an fragt, wie die eigentlich alle existieren können. Sie tun es aber und das ist gut so. (...)

Ich finde es schon ziemlich bemerkenswert, wie jemand der vor Jahren diese Stadt verlassen hat, jetzt meint, aus der Ferne die hiesigen Gegebenheiten beurteilen zu können oder zu müssen. Es gibt schon seit geraumer Zeit mehrere Nachwuchsbands in Elsterwerda, die teils ziemlich erfolgreich unterwegs sind. Es gibt einen Probenraum, nach langem Hin und Her tut sich nun auch endlich was in Sachen Jugendzentrum. Es gab ohnehin eine ziemlich vielschichtige Jugendarbeit in den letzten Jahren. Und mit dem neuen Juko wird das hoffentlich noch umfangreicher fortgesetzt. Etliche Jugendliche sind übrigens auch in der Kreismusikschule zugange (...). Dort kommen sie mit allen Facetten von Musik in Berührung und leben ihren Traum (...). Dabei sind eine ganze Reihe von sehenswerten Talenten, teils preisgekrönt. Hin und wieder zelebrieren die sogar Titel von längst vergessenen DDR-Combos. Vom Sterben irgendeiner Kultur kann also nicht mal ansatzweise die Rede sein!

Mit Verlaub, es gibt bzw. gab in Elsterwerda nicht nur Hoppenz. Der einstige Ballsaal im Stadthaus wird (...) für vielfältigste Veranstaltungen genutzt und soll (...) aufgehübscht werden. Von klassischen Konzerten über Diskoveranstaltungen bis hin zu verschiedenen Vorträgen etc. ist da für so ziemlich jeden was dabei. Daneben gibt es Open-Air-Konzerte auf dem Markt, Frühlingsfest, Automeile, Einkaufsnacht, Karibische Nacht etc. Von einem systematischen Kulturverfall zu schwadronieren, ist daher gelinde gesagt eine Frechheit!

... dann geh zu Hoppenz und such’ dir ’ne Neue …

Dr. Gustav Bekker und Inge Burghardt aus Elsterwerda erinnern sich ebenfalls an Hoppenz, allerdings besonders als Stätte von Theater, Schul- und politischen Veranstaltungen.

Wir sind alle „Kinder der Zeit“ und so ist natürlich jede Generation mit dem Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda anders verbunden. Jeder hat dann noch so seine persönlichen Erlebnisse mit diesem Haus und kann etwas anderes berichten.

Für uns war einst das Gesellschaftshaus Hoppenz ein Kulturzentrum von Elsterwerda. Hier wurden nach dem barbarischen Weltkrieg die Dramen deutscher Klassiker aufgeführt. Die Schauspieler kamen aus Dresden und von der Bühne Wittenberg zu uns. Aber auch Schüler der damaligen Oberschule zeigten dort oft ihr schauspielerisches Können. Der Zuschauersaal war auch bei diesen Veranstaltungen durchaus gefüllt.

Unermüdliche Organisatorin dieser Kulturveranstaltungen war Ermelinde Schneider, einstige Direktorin des heutigen Elsterschloss-Gymnasiums. Dort hielt sie auch jene berühmte Abschiedsrede vor Abiturienten, welche die Stasi sehr beschäftigte. Hoppenz war also auch eine „Politbühne“. Gestehe, ich weiß heute nichts mehr von Goethes Iphigenie auf Tauris, jedoch Iphigeniens Stimme aus Wittenberg, die den Saal bei Hoppenz füllte, klingt noch heute in meinem Ohr: „… das Land der Griechen mit der Seele suchend ...“

Die ältere Generation kennt auch noch jenen einstigen  Slogan von Elsterwerda: „Hält dir deine Alte nicht mehr die Treue, dann geh’ zu Hoppenz und such’ Dir ’ne Neue“.

Es ist nicht mehr zu retten Hoppenz  – ein Stück Geschichte geht

Elsterwerda