Lausitz Festival
: Martin Tingvall und sein Piano im Kraftwerk Plessa

Das Industriedenkmal Kraftwerk Plessa (Elbe-Elster) wird beim Lausitz Festival zur Jazz-Location. Das und das jüngste Album des Jazz-Musikers machen dieses Konzert so einmalig.
Von
Ingrid Hoberg
Plessa
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Martin Tingvall ist bei Festivals ein gefragter Musiker. So war er mit seinem Trio auf der Jazzbaltica am Timendorfer Strand zu erleben.

Foto: Ingrid Hoberg

Ein Junge sitzt in seinem Zimmer, schaut mit einem selbst gebauten Teleskop in den Himmel und träumt sich ins Weltall – so zu sehen im Video „The Rocket on Space“ zur Komposition des schwedischen Pianisten Martin Tingvall. Er hat sich bei einem Besuch in Florida zu dieser Komposition anregen lassen. „Wir saßen mit Freunden am Strand und in Cape Canaveral startete gerade eine Rakete – diese Gleichzeitigkeit war sehr inspirierend“, sagt er.

Das dritte Tingvall-Soloalbum startet furios in die Jazz-Charts

Aus dieser Inspiration ist das Album „The Rocket“ entstanden, in dem das Um-die-Welt-gehen thematisiert wird. Bei seinem Konzert am 2. Oktober 2020 im Kraftwerk Plessa will er weitere Stücke von seinem dritten Solo-Album vorstellen, das selbst wie eine Rakete startete – es landete beim Erscheinen 2019 gleich auf Platz 1 der deutschen Jazzcharts.

Nun hat in diesem Jahr das Corona-Virus wie in anderen Lebensbereichen ebenso die Jazzszene ausgebremst. Martin Tingvall, der auch in Deutschland lebt und arbeitet, landete damals gerade in seiner schwedischen Heimat. „Ich kam Mitte März aus Amerika – mit dem letzten Flieger. Und dann waren die Grenzen zu Dänemark geschlossen“, erzählt er. Seine Frau im Homeoffice, das Kind musste betreut werden – so wie in vielen Familien.

Der Jazzpianist Martin Tingvall wird im Kraftwerk Plessa sein Solo-Album "The Rocket" vorstellen

Jenny Kornmacher/MTFloating

Der Jazz-Musiker lebt auf dem Land in Schweden mit Abstand

Alle Konzerte waren abgesagt. „Wir leben auf dem Land, haben sowieso viel Abstand zu Nachbarn“, erzählt er. So war die Situation für ihn nicht ganz ungewohnt. Und als Komponist kennt er keine Langeweile. „Doch es fehlte das Zusammenspiel mit anderen Musikern – das ist wie Sauerstoff“, sagt Martin Tingvall, der seit Jahren mit dem kubanische Bassist Omar Rodriguez Calvo und dem deutsche Schlagzeuger Jürgen Spiegel auf Tour geht.

Lausitzer haben Tingvall-Konzerte noch in guter Erinnerung

Jazzfreunde aus der Lausitz haben die beiden Konzerte des Trios im Lübbenauer Swingladen – im November 2007 und im Januar 2011 zum Swingladen-Geburtstag – noch gut im Gedächtnis. Da hatte das Trio gerade beim Jazz-Echo Preise abgeräumt und gehört seitdem zu den international erfolgreichsten Jazzformationen. „Ja, das war ein sehr schönes Ambiente im Roten Salon des Schlosses“, erinnert sich Tingvall, der seit Jahren erfolgreich für andere Künstler und Medien arbeitet. So schrieb er Songs für Udo Lindenberg und ist im Filmgeschäft dabei. Gerade arbeitet er wieder für eine Filmproduktion.

Doch nun geht die Konzerttätigkeit wieder los und Martin Tingvall wird im Rahmen des Lausitz Festivals im Kraftwerk Plessa ein Solo-Konzert geben. Er ist schon gespannt auf den Industrieraum. „So etwas habe ich schon ein paar Mal gemacht – an solchen Orten zu spielen. Ich hoffe, es wird gut für die Musik und das Publikum“, sagt er und ergänzt, dass er nicht nur Stücke von seinem Solo-Album „The Rocket“ vorstellen will.

Tingvall hat in der Corona-Pause ein neues Album gemacht

Während der Corona-bedingten Pause sei nämlich ein neues Trio-Album entstanden. „Dance“ wird am 2. Oktober in Deutschland veröffentlicht. Auch davon wird er etwas vorstellen, ganz spontan – eine Premiere also mit dem Lausitzer Publikum. „Ich habe das Glück, dass die Musik oft rüberkommt – egal ob ich für 100 oder 1000 Leute spiele“, sagt er. Mit dem Trio habe die Arbeit von Anfang an Spaß gemacht. Mit „Dance“ werde ein Bogen geschlagen zum ersten Trio-Album, das im Jahr 2005 aufgenommen worden war. Tingvall steht für einen eigenständigen, energetischen Sound und begeisternde Live-Auftritte – facettenreich wie intensiv.

Konzerttermine und Karten

Das Konzert im Kraftwerk Plessa wird der Auftakt für die Jazz-Reihe innerhalb des Lausitz Festivals mit insgesamt mehr als 40 Events an den verschiedensten Orten. Für das Industriedenkmal in Plessa (Landkreis Elbe-Elster), das wohl älteste erhaltene Braunkohlekraftwerk der Welt, bedeutet das auch, als Konzert- und Veranstaltungsort von Rang in Erscheinung zu treten. Bereits zu DDR-Zeiten war das Kraftwerk unter Denkmalschutz gestellt worden. Am 2. Oktober können sich Jazzfreunde von der besonderen Akustik und dem einmaligen Ambiente einfangen lassen – mit Martin Tingvall am Piano.

Die Termine in der Lausitz:

2. Oktober, 19.30 Uhr

Martin Tingvall: Jazz!

Kraftwerk Plessa

6. Oktober, 19.30 Uhr

Brad Mehldau: Jazz!

Lausitzhalle Hoyerswerda

11. Oktober, 19.30 Uhr

Bill Laurance: Jazz!

Festsaal Muskauer Park, Bad Muskau

15. Oktober, 20 Uhr

Avishai Cohen Trio: Jazz!

Hangar 5, Cottbus

Tickets gibt es unter anderem bei der RUNDSCHAU unter Telefon 0355 481555 und im Internet-Shop.