Von Frank Claus

Es sind die besten Nachwuchsjazzer des Landes Brandenburg – vereint im Landesjugendjazzorchester (LaJJazzO) unter der Leitung einer Jazz-Ikone. Jiggs Whigham, den langjährigen Leiter der Rias-Big-Band in Bad Liebenwerda zu haben, ist für viele Besucher des Jazzkonzerts allein Grund genug, am Samstagabend ins vollbesetzte Bürgerhaus Bad Liebenwerda zu kommen. Den Mann zu erleben, der mehr als ein halbes Jahrhundert auf den Bühnen der Welt steht, der im Alter von 17 Jahren schon Solist und erster Posaunist des „Glenn Miller Orchestra“ war, der Engagements in New Yorker Studios und am Broadway wahrnahm und 1965 als Solist zum WDR-Jazz-Orchester nach Köln kam, das reizt. Immerhin musizierte der US-Amerikaner unter anderem mit Ella Fitzgerald, Tony Bennett und Bert Kaempfert. Bei Miriam und Michael Kreher von der Big Band Bad Liebenwerda, die das Konzert gemeinsam mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg organisiert haben, leuchten die Augen: „Wir haben ein echtes Idol der Szene zu Gast, einen der renommiertesten Big Band-Leader und Posaunisten weltweit.“

Doch Jiggs Whigham lässt Starallüren am Abend nicht einen einzigen Moment raus. „Dieses Forum gehört den jungen Leuten“, sagt er später auf die Frage, wieso er denn nicht wenigstens einmal selbst zur Posaune gegriffen habe. Vorm Publikum lobt er: „Sie sind so jung, so hübsch, so talentiert“ und fügt humorvoll an: „Meine Unterhose ist älter als sie.“ Doch weshalb leitet ein gefeierter Star mit 76 Jahren so eine, mitunter auch ungestüme Truppe? „Genau deswegen“, sagt Jiggs Whigham – weil er genau diese unbekümmerte Spielweise, die ungestüme Lust aufs Musizieren liebe. Im Übrigen sei er nicht 76, sondern „16 mit 60 Jahren Erfahrung.“

Das Programm an diesem Abend ist dem Baritonsaxophonisten, Komponisten und Arrangeur Helmut Brandt (1931-2001), der einer der einflussreichsten Jazz-Musiker der deutschen Nachkriegszeit war, gewidmet. Auch dem Freund von Jiggs Whigham, der mit der Schlüsselfigur des deutschen Cool Jazz bei der RIAS Big Band noch einige Jahre gemeinsam musizierte. „Er war crazzy (verrückt)“, sagt der seit 2008 tätige Leiter des LaJJazzO über ihn.

Dankbarer, langanhaltender Applaus nach jedem Stück und immer wieder Beifall nach gekonnten Soli –  in Bad Liebenwerda ist eine echte Jazzszene herangewachsen. Das spürt auch der Amerikaner, verspricht öffentlich mit dem LaJJazzO wiederzukommen und hat zuvor schon Bad Liebenwerdas Big-Band-Leaderin Miriam Kreher zugesichert, auch zu einem Workshop zu kommen.

Und noch eins erklärt er mit viel Vorfreude: Kurstadt-Big-Band, Musikschulverband, das LaJJazzO und er wollen fürs nächste Jahr ein kleines Big-Band-Festival in Bad Liebenwerda organisieren. Miriam Kreher möchte dazu gern die Sachsen mit ins Boot holen.

Wer nun Lust auf Jazz hat: Heute, 21. Oktober, ist das LaJJazzO Junior um 11 und 14 Uhr in der Grundschule Sonnewalde bei freiem Eintritt zu erleben. Mit Stücken von Duke Ellington, Count Basie, Horace Silver und Sammy Nestico erklingen die bekanntesten Melodien aus der Big Band-Ära.