Lager Mühlberg: 80 Jahre nach der Befreiung – Angehörige gedenken ihrer Vorfahren

Bewegende Momente unterm Hochkreuz im Lager Mühlberg. Angehörige und Hinterbliebene sind dort, wo ihre Vorfahren zu Tode kamen.
Frank Claus- 80 Jahre nach der Befreiung des Lagers Mühlberg gedenken Angehörige ihrer Vorfahren.
- Über 50 Gäste aus Großbritannien, USA, Kanada und Neuseeland besuchen den Ort.
- Das Lager in Mühlberg inhaftierte während des Zweiten Weltkriegs tausende Kriegsgefangene.
- Eine schlichte Zeremonie mit Kranzniederlegungen und Gebet findet statt.
- Gedenkprogrammen führen zu weiteren Orten wie Torgau, Dresden und Meißen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint, die zartgrünen Blätter an den Bäumen und Sträuchern zeigen, dass der Frühling Einzug hält. Das Gras, durch das die mehr als 50 Gäste schreiten, ist saftig.
Das Hochkreuz in der Mitte ist ihr Ziel. Es ist 80 Jahre her, dass das Kriegsgefangenenlager Stalag IV B der deutschen Wehrmacht (1939-1945) befreit worden ist. Zehntausende Kriegsgefangene waren während des Zweiten Weltkriegs inhaftiert. Bis Kriegsende kamen etwa 3.000 von ihnen ums Leben, davon allein 2.350 sowjetische Soldaten. Später wurde es zum sowjetischen Speziallager Nr. 1 (1945-1948). Etwa 22.000 deutsche Zivilgefangene wurden interniert, etwa 6.800 haben das Lager nicht überlebt.
Die Beklemmung bleibt – auch 80 Jahre nach der Befreiung
An diesem 23. April 2025, 80 Jahre nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers, wird vornehmlich Englisch unterm Hochkreuz gesprochen. Mehr als 50 Angehörige aus Großbritannien, den USA, aus Kanada, Neuseeland haben den weiten Weg nach Mühlberg auf sich genommen. Sie wollen dort sein, wo das Leben ihrer Vorfahren qualvoll geendet hat. Sie wollen wissen, wie der Ort aussieht, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben. Organisiert hat diese Reise die Vereinigung „Friends of Stalag IV B ex PoW Association“. Aber auch auf eigene Faust haben sich Besucher nach Mühlberg aufgemacht – unter anderem aus Polen und Italien. Zuerst ist auf dem Soldatenfriedhof in Neuburxdorf der Toten gedacht worden.

Für die Initiativgruppe Lager Mühlberg legen Manfred Knispel und Michael Piero einen Kranz nieder.
Frank ClausUnd die Hoffnung, dass nichts vergessen wird
Und es sind nicht, wie vielleicht anzunehmen, ausschließlich alte Menschen. Die Besuchergruppe setzt sich aus Frauen und Männern zwischen etwa 40 bis über 80 zusammen. Die Gedenkfeier ist schlicht. Auf große politische Reden wird verzichtet. Pfarrerin Sabrina Pieper spricht das 1958 geschriebene Versöhnungsgebet von Coventry und trifft, wie Ergriffenheit und Kopfnicken bestätigen, genau die Gefühle dieser Momente am Hochkreuz. Kränze werden niedergelegt, zuerst von der Initiativgruppe Lager Mühlberg. Der ist es insbesondere zu verdanken, dass der Mantel des Schweigens, der über der Lagergeschichte schwebte, nach dem politischen Umbruch weggezogen wurde.
Es ist vor allem der Initiativgruppe, der Gedenkstätte Lager Zeithain und Hannelore Brendel, Mühlbergs ehemaliger Bürgermeisterin, zu verdanken, dass Hinterbliebene in aller Welt noch heute Ansprechpartner zu den Geschehnissen in Mühlberg finden. Für die Gäste ist ein umfangreiches Besuchsprogramm organisiert, das zu weiteren Gedenkorten führt, unter anderem in Torgau, Dresden und Meißen.


