Kulturhaus in Plessa
: Wie Pierre Wilhelm ein Stück DDR in die USA brachte

Kulturarbeit in der DDR hat Pierre Wilhelm von Kindesbeinen an geprägt. Familiär bedingt ist ihm das Kulturhaus in Plessa ans Herz gewachsen. Wie er um das vom Abriss bedrohte Haus kämpfte.
Von
Veit Rösler
Plessa
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Rettung alter Kulturhäuser aus DDR- Zeiten mit Blick in die Zukunft – – Der aus Plessa stammende Pierre Wilhelm sammelt eine Perlenkette aus erhaltenen Kulturhäusern – Verbindung mit aktuellen Themen und mit prominenten Unterstützern : Rettung alter Kulturhäuser aus DDR- Zeiten mit Blick in die Zukunft –
– Der aus Plessa stammende Pierre Wilhelm sammelt eine Perlenkette aus erhaltenen Kulturhäusern – Verbindung mit aktuellen Themen und mit prominenten Unterstützern
- Auf dem Foto ist Projektsteuerer Pierre Wilhelm vor dem Kulturhaus Plessa mit Projekten zu sehen, die an der Rettung des Kulturhauses beteiligt waren

Projektsteuerer Pierre Wilhelm vor dem Kulturhaus Plessa. Die Rettung alter Kulturhäuser aus DDR-Zeiten hat er sich zur Aufgabe gemacht. Dabei nutzte er so manchen prominenten Kontakt.

Veit Rösler
  • Pierre Wilhelm prägte das Kulturhaus Plessa seit Kindheit – Familie leitete die Ensembles.
  • Er verhinderte den Abriss zugunsten eines Supermarkts mit einer knappen Abstimmung.
  • Acht Jahre bis zum Sanierungsstart: Er führte rund 150 Gespräche und warb Unterstützer.
  • Studien und Konzepte flossen in Landes- und Bundesprojekte ein, mehrere Häuser blieben.
  • Er zeigte Erfolge in den USA, initiierte „Das Kulturwunder“ und gründete ein Netzwerk.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm! Ein Beispiel für diesen Spruch ist der aus Plessa stammende und derzeit in Potsdam wohnende Pierre Wilhelm (50).

Als Enkel und Sohn der künstlerischen Leiter für die Ensembles im Kulturhaus, Erich Wilhelm bis 1983 und Karsten Wilhelm bis 1990, hat Pierre Wilhelm seit frühester Kindheit miterlebt, welchen Zusammenhalt das Kulturhausleben generiert. Bis er 1993 sein Abitur am Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda gemacht hat, hat er in Plessa gewohnt.

Opa Erich hatte 1945 mit fünf Leuten angefangen, das Bergmannsorchester wieder aufzubauen. Bis zu 40 Musiker hatte die Formation, war schon bei den ersten Arbeiterfestspielen eines der besten Amateurorchester der DDR. 1983 hat es das Prädikat „Oberstufe ausgezeichnet“ erhalten. „Das hat mich geprägt. Es war absolut beeindruckend, wie die schwer arbeitenden Bergleute trotz ihrer groben Arbeit in der Lage waren, gemeinsam solche schöne Musik zu schaffen und die Menschen zu begeistern“, so Pierre Wilhelm.

Pierre Wilhelm gegen den Abriss des Kulturhauses in Plessa

Mit dem Wegfall des Trägerbetriebes für das Haus und das Orchester hat Pierre Wilhelm den Opa beim Erhalt des Ensembles organisatorisch und als Musiker unterstützt. Das Bergmannsorchester gibt es bis heute.

Mit dem Vater hat er parallel zwei Veranstaltungshäuser betrieben. Nach seinen Lausitzer Erfahrungen hat Pierre Wilhelm während des Jurastudiums für die drei Potsdamer Hochschulen den Kulturaustausch im Erasmus-Programm der EU zur Förderung von Bildung, Jugend und Sport  geleitet. „Das, was ich im Kulturhaus Plessa erlebt habe, wie die Leute zusammengekommen sind, habe ich dann mit den Gästen aus der ganzen Welt erlebt. Wir hatten Studentenclubs, haben viele Fahrten organisiert …“, sagt Pierre Wilhelm.

Nach der Befähigung zum Richteramt arbeitete er in der Geschäftsleitung einer Immobilienfirma und hat 2009 in einer Studie die Entwicklung in Berlin und Umland analysiert. Direkt danach hat ihn Lars Kulawik aus Plessa kontaktiert, dass es um das Kulturhaus schlecht stehe und dieses zugunsten eines Supermarktes abgerissen werden soll. Bei der „Abrissabstimmung“ konnte Pierre Wilhelm aus seiner Studie eindringliche Gründe vortragen, die für den Erhalt des Kulturhauses sprechen. Mit einer Stimme Mehrheit war die Gemeinde gegen den Abriss.

Prognos hatte 2012 als Vorschaltprozess zu den späteren „Strukturwandelmilliarden“ eine Potentialanalyse für die Landesregierungen in Sachsen und Brandenburg erstellt. Beim zugehörigen Ideenwettbewerb hat Pierre Willhelm die Potentialanalyse  „Unser Lausitzer Haus hat Zukunft“ von 2011 eingereicht. Daraus hat dann Prognos Teile in die eigene Analyse integriert. Von der Abrissabstimmung bis zum Beginn der Sanierung hat es dann acht Jahre gedauert. „Das waren prägende Jahre meines Lebens“, sagt er rückblickend.

Rettung von DDR-Kulturhäusern in drei Bundesländern

In dieser Zeit hat er Entscheidungsträger fachlich überzeugt, Veranstaltungen organisiert, die Vereine motiviert und prominente Unterstützer gewonnen. Seine späteren Analysen und Konzepte sind in Projekte auf Bundes- und Länderebene eingeflossen. Maßgeblichen Anteil habe er am Erhalt von mehreren Kulturhäusern in drei Bundesländern, sagt er.

2014 hat Pierre Wilhelm mit Partnern aus München und vom Goethe-Institut auf Erfolge der Kulturhäuser, insbesondere Plessa, in einer Ausstellung in den USA aufmerksam gemacht. Seit 2017 ist sie auf Deutschland-Tournee für das Projekt „Das Kulturwunder“.

Auch die größte Welttournee-Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen hat er 2020 mit Partnern vor der Auflösung gerettet: „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“ ist eine Wertschätzung der Menschen in Deutschland für ihre Aufbauleistungen der Nachkriegszeit – Ost und West auf Augenhöhe.

Ganz in diesem Sinne und mit einem konstruktiven Blick nach vorn hat Pierre Wilhelm 2024 auf Schloss Burg Namedy am Rhein auf Einladung der Prinzessin Heide von Hohenzollern mit Persönlichkeiten aus allen Lebensbereichen das „Netzwerk für Bildung & Begegnungsorte“ gegründet. Eine Mitinitiatorin ist die in Stolzenhain/Röder (Elbe-Elster) aufgewachsene und jetzt in Karlsruhe beheimatete Yvette Orlowski (geb. Manig) vom Bundesverband der Psychologen.

Da die Basis des Plessaer Karnevals im Rheinland war, schließe sich auch da der Kreis, so Pierre Wilhelm. Durch wissenschaftliche Arbeiten hat Pierre Wilhelm unter Mitwirkung des Präsidenten der Kulturpolitischen Gesellschaft (2018-2025) Tobias J. Knoblich und weiterer Mitstreiter inzwischen zwei Bücher veröffentlicht: „Max braucht Gesellschaft“ sowie für Weimar „Politik-Kultur- Gesellschaft“, in dem auch das Bergmannsorchester und der Mut des Plessaer Carnevals-Clubs (PCC) Themen sind. Heute ist Pierre Wilhelm als Projektsteuerer für die Thüringer Staatskanzlei tätig.