Am Samstag ist es eine kleine Horde mit großen Narren und am Sonntag eine große Horde mit doppelt so vielen kleinen Narren – mit den Kindern aus Winkel und Umgebung –, die durch das Dorf ziehen. Neben Geld werden dabei auch Nahrungsmittel wie Gurken, Speck, Eier, „Schlagwürschte“ und Schnaps eingetrieben. In dieser Saison werden besonders viele Mittel gebraucht! Gesammelt wird für das in diesem Jahr ganz besonders anspruchsvolle Karnevalsprogramm, denn der Verein feiert sein 22. Jubiläum. Eine närrische Schnapszahl, noch dazu mit 2 x der 11 in der mathematischen Betrachtung.

Große Party steigt am 18. Januar

Unter dem Motto „Jetzt feiern wir im Zirkuszelt – 22 Jahre Narrenwelt“ ist wie in der Zirkusmetropole Monte Carlo auf dem Saal des Gasthauses zu den Drei Rosen ein Zirkuszelt und eine Manege aufgebaut worden. Wie beim internationalen Festival am Mittelmeer werden auch in Winkel internationale Gäste erwartet. Die kommen am 18. Januar zur großen Festveranstaltung 22 Jahre Karneval in Winkel aus Brandenburg, aus der Lausitz, aus Sachsen und aus Karnevalsvereinen aus der Umgebung, ist von Jens Uhlemann vom Elferrat zu erfahren. International eben! „So viele Requisiten, wie in diesem Jahr zum Jubiläum hatten wir noch nie“, lässt Kostümministerin Diana Uhlemann durchblicken. Sogar Elefanten seien dabei.

Ein weiteres Highlight sind die Orden der 22. Jubiläumssaison! Die sind in diesem Jahr erstmals mit Edelsteinen ausgestattet. Die Steine wurden extra Anfang Dezember in Dresden besorgt. Weil auch der Plessaer Karnevalsverein Edelsteine für die neue Krone seiner Prinzessin brauchte, bekamen beide Vereine zusammen Mengenrabatt für die ohnehin gebrauchten Klunker!

Für die in den 22 Jahren angesammelten Berge an Kostümen und Requisiten hat der Verein im vorigen Jahr von der Stadtverwaltung Uebigau- Wahrenbrück einen Kostümraum in einer Dorfscheune bekommen. Zum ordnungsgemäßen Verstauen der wertvollen Utensilien wurden extra für eine dreistellige Summe Schränke angeschafft. In diesem Jahr kommen allein schon neun sperrige Trampoline aus dem Zirkuszelt dazu.

Zempern mit großer Tradition

Gezempert wurde in Winkel nach neuesten geschichtlichen Untersuchungen bereits vor dem Jahr 1900. Aus dem Jahr 1925 liegt ein Beweisfoto vor. Auch zu DDR-Zeiten wurde die Tradition aufrecht erhalten. „Damals haben wir noch an strategisch günstiger Stelle an der Bushaltestelle gewartet. Weil viele mit dem Bus unterwegs waren, haben wir beim Aussteigen Kasse gemacht“, erinnert sich Jens Uhlemann. „Die russischen Soldaten haben beim Alkohol unsere Leute unter den Tisch gesoffen“, meint Bianka Lehmann. Beim Zempern wollten alle den Auto-Zoll machen. Dabei wurden Autos auf der Hauptstraße so lange angehalten, bis ein anständiger Wegezoll herausgerückt wurde. Hoch begehrte Objekte waren die Westwagen, aus denen Bier, Duplo und hartes Westgeld gereicht wurden. Etwas umständlich waren die Städter, denen immer erst erklärt werden musste, welche Bedeutung die bunt kostümierte, singende und mit Teufelsgeigen musizierende Horde auf den Dörfern hat. Seit der Wende ist diese Einnahmequelle versiegt. Der Autozoll wurde von den Behörden verboten!

Mädchen machen den Anfang

In den Jahren 1997 und 1998 hat sich die Winkeler Zemperhorde dann Karnevalsvereine aus Grünewalde und Sonnewalde eingeladen. „Das können wir auch selber machen“, hatte sich damals Diana Uhlemann gesagt. Beim Fest 110 Jahre Feuerwehr Winkel wurde eine Funkentruppe aus neun Mädchen auf die Beine gestellt. Am 11.11.1998 wurde der Verein vorgegründet und 100 Tage später offiziell eingetragen. Historisch interessant: Im 22. Jahr nahm erstmals eine Asylbewerberin am Zempern teil.

Sieben Veranstaltungen in den nächsten Wochen


Nach dem 22-Jahre-Festakt am 18. Januar werden Veranstaltungen im Zirkuszelt am 25. Januar, am 8., 9.,15. und am 16. Februar angeboten. Kinderkarneval ist am 26. Januar.