Die Karnevalisten aus Plessa können zwar endlich wieder mit einer kompletten Saison planen, doch es wird Einschnitte geben. Für aktuell brennende Probleme haben sie Lösungen, die auch mal unkonventionell sein dürfen.
Das Bühnenbild ist gemalt. Die Funken stehen in Reih und Glied, und die letzten Proben laufen auf Hochtouren. In Plessa beginnt am 11.11. nach langer Coronapause wieder eine neue Karnevalssaison. Wegen der Energiekrise kommt es allerdings zu drastischen Einschränkungen. Nach der traditionellen Schlüsselübergabe am 11.11. um 11.11 Uhr vor der Amtsverwaltung in Plessa soll es in diesem Jahr zum Saisonauftakt nur eine Abendveranstaltung am Sonnabend, dem 12. November, geben.

Karneval Plessa reagiert auf hohe Energiekosten

Einschließlich der großen Generalprobe war der Saal über Jahrzehnte immer an zwei Abenden prall mit Publikum gefüllt. „Wir wissen noch nicht, was an Energiekosten auf uns zukommt. Deshalb müssen wir uns langsam an die neue Situation herantasten. Besser eine Abendveranstaltung mit voller Power, als zwei auf Sparflamme und dann gar keine mehr“, lässt Peter Werner (62) vom Vorstand des Plessaer Carnevals-Club (PCC) durchblicken.
Die Energieausgaben für Licht, Technik und Heizung sind in den vergangenen Wochen und Monaten teils drastisch gestiegen. Auch werden die anteilig gestiegenen Kosten für Wasser- und Abwasser zukünftig bei der Gesamtbetrachtung eine Rolle spielen.
Weil die vergangene 66. Karnevalssaison wegen Corona im Prinzip ausgefallen war, wird in der aktuellen 67. Saison, noch einmal das Vorjahresmotto „Route 66 – Der PCC auf närrischen Wegen“ mit der darin enthaltenen närrischen Schnapszahl „66“ zelebriert. So tuckert nun ein Biker nach dem Vorbild der „Easy Rider“ über jenes Bühnenbild, auf dem ab 1969 der gleichnamige Film über die Leinwand des damals zum Kino umfunktionierten Kulturhauses geflackert ist.

Freiheitsstatue steht zwischen Plessa und Kahla

Zwischen den regionaltypischen Monumenten, den Wahrzeichen von Kahla und Plessa, dem Bertzitturm und den Kraftwerksschornsteinen, stehen jetzt die Freiheitsstatue von New York und das Monument Valley aus der Gegend zwischen Utah und Arizona. Symbolträchtig quellen die Jahre 2020, 2021 und 2022 aus dem Auspuff des Narren-Bikers.
Bei den Proben für das Programm sitzt das kritische Publikum aus den eigenen Karnevalsreihen im Saal des Kulturhauses Plessa. Bis zum Start muss jede Szene sitzen.
Bei den Proben für das Programm sitzt das kritische Publikum aus den eigenen Karnevalsreihen im Saal des Kulturhauses Plessa. Bis zum Start muss jede Szene sitzen.
© Foto: VRS
Natürlich werden in dem Karnevalsprogramm wieder aktuelle Plessaer Probleme ins Visier genommen. Den unendlich langen Streit des Verlaufs der neu geplanten B169-Ortsumfahrung durch den Süden oder den Norden von Plessa haben die Narren mit ihrer Variante beigelegt. Die neue Straße verläuft direkt durch das Kulturhaus. Ein Zahlendreher macht es leicht: Passend zum Karnevalsmotto „Route 66“ wird die letzte Zahl der Bundesstraße gedreht.
Auch für die Energiekrise gibt es Lösungen. Tagsüber werden die Vorhänge der riesigen Fenster des Kulturhaussaales auf der Südseite voll aufgezogen. Das gleiche Medium, das auch die echte Route 66 von Illinois über Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexiko, Arizona bis nach Kalifornien aufheizt, erwärmt dann auch die Spielstätte: nämlich die Sonne. Am Abend, bei Dunkelheit kommen dann die heißen Körper der Närrinnen und Narren sowie des Publikums zum Einsatz. Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten zeigen, dass damit bei ordentlicher Stimmung der Saal bis auf 37 Grad aufgeheizt werden kann.
Bis zur ersten Abendveranstaltung müssen die verschiedenen Garden allerdings in recht dunkler und unbeheizter Umgebung proben – mit klappernden Zähnen und wärmenden Getränken. Alle sind heiß. Es kann losgehen.

Närrisches in Plessa

Nach der ersten Abendveranstaltung am 12. November unter dem Motto „Highway to hoi hoi hoi“ beginnt die Frühjahrssaison am 27. Januar mit dem Jugend- und Pennefasching. Am 10. Februar wird beim Kinderkarneval auf die „Spielstraße“ geladen, einen Tag später bei der Abendveranstaltung auf den „Aliwatschi Boulevard“. Einen weiteren Tag später gehen die Senioren am 12. Februar „Im Schritttempo auf die Route 66“. Der große Straßenumzug, das „Qualifying für den Karneval de Blesse“, findet am 18. Februar ab 13 Uhr statt, am gleichen Abend im Kulturhaus der „Grand Prix de Blesse“. Finale ist der „Walk of Fame“ am Rosenmontag.