Es war mitten in der Nacht und mitten im Wald! In der Silvesternacht hat kurz vor dem Jahreswechsel zwischen Gröden und Hirschfeld in Brandenburg und Strauch in Sachsen eine wahre Völkerwanderung eingesetzt. Ziel war der über 200 Meter hohe Heidebergturm. Sie kamen mit Fahrrädern, Autos oder per Fuß. Eine Lichterkette aus flackernden Taschenlampen und Fahrzeugscheinwerfern zog durch die Dunkelheit der Nacht den Weg zur Anhöhe hinauf.

Einige hatten sogar kleine Kinder dabei. Über einhundert Besucher waren in 34 Meter Höhe mittendrin und doch ganz weit weg von den großen Feuerwerken, die von hier aus in einem großen Umkreis über Dresden, Großenhain, Meißen, Gröditz, Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Finsterwalde und Senftenberg bis hin nach Leipzig und Cottbus beobachtet werden können. Viele Besucher hatten in Körben Sekt und Gläser und gegen die eisigen Temperaturen Glühwein in luftige Höhe geschleppt.

Gemeinsam die letzten Sekunden gezählt

Nur eins gab es am und auf dem Turm nicht: Ein Feuerwerk. Nicht eine Rakete wurde von hier aus gezündet. Wegen dem Ansturm mussten die Besucher auf dem Turm in Dreierreihen stehen. Kurz vor dem entscheidenden Moment zählten alle im Chor rückwärts. Dann begannen aus allen Richtungen die Glocken der Kirchen zu läuten. Feuerwerksfotografen bekamen bei Langzeitbelichtungen Schwierigkeiten durch den leicht schwankenden Turm wegen der im Treppenhaus ständig in Bewegung befindlichen Menschenmassen. Etwa 25 Minuten lang hielt in großer Runde die Intensität des Feuerwerks aus unzähligen Raketen an. Auch Riesenböller waren in weiter Ferne dabei. Nach dem ungewöhnlichen Aufblitzen am Horizont dauert es meist 30 bis 60 Sekunden, bis der Schall des wummernden Knalls den Turm erreicht. Für Jürgen Richter (60) aus Kleinkmehlen war die Feuerwerksaktion gelungener Abschluss seiner Geburtstagsfeier am 31. Dezember, die er zusammen mit Gattin Gesine Richter (56) sowie mit Falk (60) und Andrea Rühle (57) aus Hirschfeld an dieser Stelle begangen hat.