Von Dieter Babbe

Lebende Jakobsmuscheln zucken noch im Mund und Sekt prickelt auf der Zunge. Aber dass die Lippen regelrecht in Schwingungen versetzt werden, das schafft nur Szechuanpfeffer. Die Radler, die der Einladung der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster gefolgt waren, dorthin zu fahren „wo der Pfeffer wächst“, haben dieses Gefühl genossen. Roland Graeff, der Baumschulgärtner aus Zeischa, hat in seinem Ruhestand ein neues Experiment gewagt: den Pfefferanbau.

Seit Langem steht – eher unbeachtet – ein Pfefferbaum in seiner Plantage, doch erst seit gut vier Jahren widmet sich der Diplomingenieur dem Gewürz aus Asien. Auf einer Versuchsplantage von 1,2 Hektar baut Roland Graeff Pfeffer an  –  genauer Szechuanpfeffer. Der Name  leitet sich von der zentralchinesischen Provinz Sichuan ab, wo diese Pflanze heimisch ist, die gern als Gewürz, aber auch als Naturmedizin verwendet wird.

Roland Graeff erklärt den Radlern: „Nicht die Kerne, sondern die Samenkapseln der dornigen Sträucher werden zu einem Gewürz zermahlen. Szechuanpfeffer ist nicht scharf, die Pflanze ist näher mit der Orange verwandt als zum Beispiel mit dem gewöhnlichen Pfeffer oder der Chilischote.“ Aber das Gewürz hat eine andere ungewöhnliche Eigenschaft: Es erzeugt auf den Lippen ein kribbelndes Gefühl, als würden diese vibrieren und dann taub werden. Gerichte, mit Szechuanpfeffer gewürzt, gelten nicht nur in China, wo auch die Blätter der Pflanze verwendet werden, als eine Delikatesse.

Zeischaer Kribbelpfeffer findet reißenden Absatz. So gibt er der Rehknacker von Fleischer Weiland in Doberlug-Kirchhain mit dem einzigartigen Aroma eine besondere Note. Auch im örtlichen Gasthof „Zum Elstertal“ werden die Bratengerichte mit dem Pfeffer von der Plantage um die Ecke gewürzt, wie sich die Radler überzeugen konnten. Inzwischen wird Pfeffer sogar in Schokolade, im Eis und im Eierlikör verwendet. „Für Berliner ist es ein Ereignis, den Pfeffer selbst zu pflücken“, weiß Roland Graeff.

Doch soweit ist es noch nicht. „Wir haben zwei magere Jahre hinter uns“, bedauert der Baumschulgärtner. „Pfeffer braucht viel Wasser, das hat uns gefehlt.“ So seien die geringen Mengen, die er bisher geerntet hat, kaum der Rede wert, sagt er. Einem Gurkenproduzenten musste er schon absagen, weil der Pfeffer in Tonnen bestellt hat. Der Zeischaer hofft, von seinen etwa 600 Pflanzen mal eine halbe bis zu einer Tonne ernten zu können, wenn es hoch kommt vielleicht sogar 2,5 Tonnen.

Bis dahin experimentiert Roland Graeff noch mit seinen besonderen Pflanzen, die er in zahlreichen Varianten, so aus Korea, aus Nepal, aus Japan, sogar aus Amerika, wo die Indianer Pfeffer am sogenannten „Zahnwehbaum“ gegen Zahnschmerzen ernten, in seiner Plantage angebaut hat.

Gern, so erklärt Roland Graeff beim Abschied, lädt er Interessenten zu Führungen durch seine Pfefferplantage ein, telefonischer Kontakt für Anmeldungen unter 035341 12360 oder 0177 4422575.

Für die kleine Radlertruppe war dieser Ausflug in die Welt des Pfeffers „ein tolles Erlebnis“, wie nicht nur Gabriele Wienigk schwärmt. Die fast 70 Kilometer lange Radtour von Finsterwalde nach Zeischa und zurück war auch gewürzt mit Kultur und Naturerlebnissen in der Liebenwerdaer Heide. Gleich bei der ersten Station in Fischwasser führte die Kirchenälteste Rosel Richter durch die kleine, schmucke Fachwerkkirche, die 1620 erbaut wurde. Fast 20 Jahre später kam der frei stehende Glockenturm dazu. Rosel Richter: „Darin befinden sich eine kleine Glocke von 1410 und eine große Glocke von 1798. Im Jahr 1995 entfernte man in einer umfangreichen Sanierungsmaßnahme die aus der DDR-Zeit stammenden Asbestverkleidung vom Glockenturm. Heute ist der Turm wieder mit Holz verkleidet.“

Die Orgel auf der Empore stammt vom einst bekannten Sonnewalder Orgelbauer Schröter. Jedes Jahr zu Himmelfahrt platzt die kleine Kirche aus allen Fugen – wenn zu Beginn des Männertages bei den traditionellen Konzerten kein Stuhl mehr frei bleibt.