Im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) werden die Deiche an der Schwarzen Elster, Pulsnitz, der Großen und Kleinen Röder (inklusive Geißlitz), der Kleinen Elster sowie der Elbe bei Mühlberg mittels Airborne Laserscanning (ALS) vermessen. Dabei erfasst ein an einem Hubschrauber angebrachter Laser die Geländeoberfläche. Die hochauflösenden Daten sind wichtig für den Hochwasserschutz.

Dass dieses Verfahren zum Einsatz kommt, ist Ergebnis einer Erprobung des neuen Vermessungsverfahrens im Raum Bad Liebenwerda. Diese, so Thomas Frey, Pressesprecher im Landesumweltamt, sei „so überzeugend verlaufen, dass das Vermessungsprogramm weiter ausgedehnt wird. Das spart Zeit und Geld“.

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Nach Angaben von Frauke Zelt, Pressesprecherin im Landwirtschaftsministerium, soll die Befliegung des Gebietes je nach Wetterlage von Februar bis Ende März stattfinden. Geplant sind sechs Flugtage. Neben den Deichen erfassen die Scanner auch einen 100 Meter-Pufferstreifen. Im Vergleich zur terrestrischen Vermessung, so die Fachleute, sei die Laserscanbefliegung günstiger und schneller. Etwa 90.000 Euro seien für die vorgenannten Abschnitte eingeplant.

Aus den Laser-Daten entsteht ein sehr genaues Geländemodell

Aus den Daten werde ein Digitales Geländemodell (DGM) und ein Digitales Oberflächenmodell der Deiche errechnet. Die absoluten Genauigkeiten liegen der Mitteilung zufolge bei circa fünf Zentimetern Höhengenauigkeit und zehn Zentimeter Lagegenauigkeit und sind damit deutlich präziser als die im Land verfügbaren Daten des sogenannten DGM1.

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Parallel würden Luftbildaufnahmen (Orthophotos) erzeugt, ebenfalls mit einer sehr guten Lagegenauigkeit von zehn Zentimetern. Und im dritten Schritt sollen 3D-Bruchkanten, Isolinien sowie ein Vegetationshöhenmodell abgeleitet werden. Die vollständige Auswertung der sehr großen Datenmengen dauere nach erfolgter Befliegung etwa drei Monate. Im Juli 2020 rechnet das Landesamt mit den Ergebnissen.

Die Laser-Vermessung erfolgt auf einem Streifen neben dem Fluss

Wie Thomas Frey, Pressesprecher im Landesumweltamt, bestätigt, würden mit der Befliegung bereits vorher ermittelte Daten noch präziser aufbereitet werden können. Doch können damit auch die nötigen Überflutungsflächen noch genauer ermittelt werden? Thomas Frey erläutert: Schon ab 2008 sei für das Land Brandenburg ein hochgenaues digitales Geländemodell, das DGM2, mittels Airborne Laserscannings erfasst worden. „Diese Daten sind zum Beispiel in die Hochwasserrisikomanagementplanung entlang der Schwarzen Elster eingeflossen und können selbstverständlich auch für die Ermittlung von Retentionsflächen herangezogen werden.“

Aber: Die aktuelle Deichlaserscanvermessung sei zwar noch genauer, erfasse jedoch nur einen etwa 300 Meter großen Streifen entlang des Flusses. Bei der Laserbefliegung stehe die Deichvermessung im Vordergrund und nicht die Ermittlung von Retentionsräumen im Hinterland. Hierfür seien die hochgenauen Daten nicht erforderlich.

Die Laser-Vermessung liefert klare Abbildung von Deich- und Geländekanten

Mit den Daten aus der Laserbefliegung können, so ist der Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums zu entnehmen, Deich- und Geländekanten noch besser als bisher abgebildet werden. Diese würden eine wertvolle Grundlage sowohl bei der Modellierung insbesondere von Hochwassern als auch bei Zustandsanalysen der Hochwasserschutzanlagen darstellen. So können etwaige Erfordernisse zur Ertüchtigung oder Unterhaltung von Deichen erkannt (insbesondere Deichfehlhöhen) werden.

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Darüber hinaus nutze das Landesamt die Daten für die Aktualisierung der Risikogebiete und Karten im Rahmen der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie sowie für die Abschätzung von Gefährdungslagen im Hochwasserfall.

So bemisst sich die Dammhöhe gegen Hochwasser

Doch wie hoch sollte eigentlich ein Damm in Bezug auf den normalen Pegel des Flusswassers und Hochwasserereignisse sein? Thomas Frey erläutert vereinfacht: „Bezugsgröße für die Dimensionierung von Deichen ist ein Bemessungshochwasser und der damit verbundene Durchfluss. Die Deichhöhe wird aus dem zur Verfügung stehend Querschnitt und dem Bemessungsdurchfluss ermittelt.“ Vereinfacht heiße das: Je breiter das Flussbett, umso weniger hoch müssten die Deiche bei gleicher Abflussmenge bemessen werden. „Zwischen Bemessungshochwasserstand und Deichkrone verbleibt ein Freibord, ein Zuschlag der zum Beispiel aus Standsicherheitsgründen oder auch als Reserve bei Wellenschlag gegeben wird.“

Und wie sieht es bei den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen insgesamt aus? Thomas Frey: „Die ersten Baumaßnahmen in den sogenannten Ortslagenplanungen werden aller Voraussicht nach in Herzberg/Elster stattfinden, da die Planungen dort gegenwärtig am weitesten fortgeschritten sind. Die Planungen für Herzberg. wurden zur Planfeststellung bei der Oberen Wasserbehörde des Landesamtes für Umwelt eingereicht.“

Laserbefliegung wird ausgeweitet


Insgesamt sind 282 Kilometer Deichlinie aufzunehmen. Der Auftragnehmer für das Projekt ist die Hansa Luftbild AG mit Sitz in Münster. Das Landesamt für Umwelt plant nach eigenen Angaben, in den nächsten Jahren den gesamten Deichbestand in Brandenburg auf diese Weise zu erfassen. Demzufolge sind weitere Befliegungen von Oder, Elbe, Havel, Neiße und Spree geplant.