Grundschule Wahrenbrück
: Doppelter Abschied – nach 43 und 44 Jahren in den Ruhestand

Iris und Reno Wolschke gehörten fast zum Inventar der Grundschule in Wahrenbrück. Der Abschied fällt ihnen, aber auch Schülern und Lehrern schwer.
Von
Frank Claus
Wahrenbrück
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Überraschung gelungen: Iris und Reno Wolschke werden an ihrem letzten Arbeitstag von allen Schülern der Schule zu Hause abgeholt.

Überraschung gelungen: Iris und Reno Wolschke werden an ihrem letzten Arbeitstag von allen Schülern der Schule zu Hause abgeholt.

Frank Claus
  • Iris und Reno Wolschke verabschieden sich nach 43 und 44 Jahren Schuldienst aus der Grundschule Wahrenbrück.
  • Schüler, Lehrer und Eltern überraschten das Ehepaar mit einem emotionalen Abschied bei ihrer letzten Fahrt zur Schule.
  • Ein Feuerwehrauto, Blumen und ein nachgestaltetes Urlaubsparadies sorgten für unvergessliche Momente.
  • Reno Wolschke blickt auf Herausforderungen wie die Schulschließungsdebatte und Sanierungen zurück.
  • Nachfolgerin Alexandra Bauer übernimmt ab August die Leitung der Schule mit 190 Schülern und 15 Lehrkräften.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Feuerwehrauto vorm Wohnhaus – diesmal ist es ein emotionales Ereignis. Der Schulleiter der Grundschule Erich Schindler in Wahrenbrück, Reno Wolschke, und seine Ehefrau Iris, Musikschullehrerin an der Schule, haben ihren letzten Arbeitstag. Nach 43 (Reno) und 44 Jahren (Iris) im Schuldienst heißt es Abschied nehmen.

Beide sind überwältigt, die Augen werden feucht, als die Schüler aller Schulklassen, alle Lehrer, Erzieherinnen, viele Eltern und technischen Mitarbeiter am Freitag (18. Juli) kurz vor 8 Uhr mit Blumen in der Hand vor ihrem Haus stehen, um sie auf ihrem letzten Arbeitsweg zur Schule zu begleiten. „Guten Morgen, Sonnenschein“, dröhnt es aus der Musikbox und alle singen freudig mit.

Es sind Momente, die unvergessen bleiben. Nun sind es nicht mehr nur die zwei Lehrer, die mit den Tränen zu kämpfen haben. „Ihr seid verrückt“, stammelt Reno Wolschke. Ein Satz, dern er an diesem Vormittag noch öfter sagen wird. Alle, so berichtet er später, hätten dicht gehalten. Beide hätten nichts geahnt.

Iris und Reno Wolschke werden mit dem Feuerwehrauto an ihrem letzten Arbeitstag zur Schule gebracht.

Iris und Reno Wolschke werden mit dem Feuerwehrauto an ihrem letzten Arbeitstag zur Schule gebracht.

Frank Claus

Ein emotionaler Abschied von der Grundschule Wahrenbrück

Dann wird die Bahnhofstraße von der Polizei kurzfristig abgesperrt. Iris (64) und Reno Wolschke (63 Jahre) klettern ins Feuerwehrauto. Ihnen folgen zu Fuß alle Klassenstufen. Vorweg tragen zwei Schüler ein bemaltes Tuch mit der Aufschrift „Für immer Ferien“. Auf dem Schulhof der Grundschule Erich Schindler angekommen, warten weitere Gratulanten, unter anderem Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Claudia Sieber und Susann Kuhn vom Staatlichen Schulamt aus Cottbus.

Die beiden Hauptpersonen des Tages nehmen in einem kleinen, nachgestalteten Urlaubsparadies Platz. Campingstühle, eine Solardusche, die sie sich für ihren Garten gewünscht hatten, ein mit Sand nachempfundener Strand und darin versteckte Münzen für die Reisekasse, die beiden langjährigen Lehrer sind sprachlos. Ein kleines Tanzprogramm folgt. Wie das Iris Wolschke vermissen wird! Hat sie doch als Musiklehrerin mit den Kindern und vielen Helfern legendär gewordene Weihnachtsprogramme gestaltet, Schulanfangsfeiern zum Erlebnis werden lassen und dabei so viel Kreativität bei den Kindern geweckt.

Auf dem Weg zur Schule. Da wird dann auch schon mal kurz die Straße gesperrt.

Auf dem Weg zur Grundschule Wahrenbrück. Da wird dann auch schon mal kurz die Straße gesperrt.

Frank Claus

Reno Wolschke – 24 Jahre, neun Monate und 14 Tage Schulleiter, ergriffen: „Der letzte Schultag, das geht ja noch und sicher auch die Ferienzeit, aber wenn danach nicht Einschulung ist und wieder der Unterricht beginnt, schon komisch.“ Auch die Kollegen sagen es: „Loslassen wird bestimmt nicht ganz einfach.“ Herzliche Umarmungen folgen, auch von Sekretärin Karina Lesch, über die Reno Wolschke sagt: „Sie ist die gute Seele der Schule, ist immer besser geworden und hat mir immer den Rücken freigehalten.“

Nicht nur eitel Sonnenschein, es ging auch unter die Gürtellinie

Doch auch an dieser Schule, wo alles wie in einer großen, glücklichen Familie scheint, war nicht immer eitel Sonnenschein. Wahrenbrücks Ortsbürgermeister Bernd Müller und der Schulleiter erinnern daran: Die Zeit zwischen 2015 und 2017 sei nicht einfach gewesen. Da hatten Uebigau-Wahrenbrücks Abgeordnete zu entscheiden, welche Schule weitergeführt und welche geschlossen werden soll. „Da ging manches auch unter die Gürtellinie“, sagt Reno Wolschke und will es dabei belassen. „Das ist vorbei.“

Inzwischen werde die Wahrenbrücker Schule mehrheitlich akzeptiert. Er sei dankbar, dass auch die Lehrerschaft aus Uebigau sich immer mehr eingebracht habe. Dass Eltern, die mit ihren Kindern näher an Falkenberg wohnen, immer wieder mal anfragen, ob nicht die dortige Schule besucht werden könne, dafür habe er Verständnis. Er habe immer versucht, mit Argumenten für den Wahrenbrücker Standort zu werben.

Berührende Momente: Alle Schüler haben von zu Haus etwas Blühendes mitgebracht - Rosen, Sonnenblumen, Hortensien, Schmetterlingsflieder.

Berührende Momente: Alle Schüler haben von zu Haus etwas Blühendes mitgebracht – Rosen, Sonnenblumen, Hortensien, Schmetterlingsflieder.

Frank Claus

Die (fast) unendliche Geschichte von der Sanierung

Die nächste große Baustelle im wahrsten Sinne des Wortes war die Sanierung der 1986 eingeweihten Schule. Schon da hat Reno Wolschke mit eingeräumt. „Weil wir keine Fördermittel bekommen haben, ging lange nichts. Doch längst hat die Sanierung richtig Fahrt aufgenommen, erst recht seit Bildung der Verbandsgemeinde“, sagt er. Noch etwas lässt ihn zufrieden in den Ruhestand gehen. Mit Alexandra Bauer (53) sei eine „ausgezeichnete Nachfolgerin“, wie er sagt, bestimmt worden. „Sie ist taff“, meint er noch.

Die Englischlehrerin ist selbst schon lange an der Schule, ist seit sechs Jahren Konrektorin (stellvertretende Schulleiterin). Am 1. August wird sie als Schulleiterin in die Fußstapfen ihres Opas und Vaters, die beide als Schulleiter in der Schule Neuburxdorf tätig waren, treten. Für knapp 190 Schüler wird sie zuständig sein und mit ihren 15 Kolleginnen und Kollegen wolle sie alles dafür tun, den guten Ruf der Schule weiterzuführen.

Iris (2.v.l.) und Reno Wolschke mit Verbandsgemeindebürgermeisterin Claudia Sieber (l.) und der künftigen Schulleiterin Alexandra Bauer.

Iris (2.v.l.) und Reno Wolschke mit Verbandsgemeindebürgermeisterin Claudia Sieber (l.) und der künftigen Schulleiterin Alexandra Bauer.

Frank Claus

Verbandsgemeinde hat die Schule richtig vorangebracht

„Seit Bildung der Verbandsgemeinde machen wir Riesenschritte, nicht nur, was das Gebäude betrifft. Schulmöbel, Unterrichtsmittel, die Geräte aus dem Digitalpakt, das alles kann sich wirklich sehen lassen“, sagt Alexandra Bauer. Sie spricht für ihre Kollegen aus, was Schüler dann auch singen: „Wir wollen Iris und Reno Wolschke nicht abschließend ‚Auf Wiedersehen‘ sagen, sondern wir wollen sie immer wiedersehen.“ Es sind berührende Momente, als alle Mädchen und Jungen zum Abschied ein von zu Haue mitgebrachtes Blümchen überreichen, als beide Lehrer ihre Sprösslinge noch mal drücken.

Was der scheidende Schulleiter an diesem Tag empfindet? „Dankbarkeit“, sagt er und erinnert sich noch mal: „In der neunten Klasse hat man mich in der Schule gefragt, ob ich nicht Lehrer werden wolle. Ich habe studiert und mit 20 Jahren vor meiner ersten Klasse gestanden. Es war eine goldrichtige Entscheidung.“

Es ist noch etwas, was in der Stadt Uebigau-Wahrenbrück gern gehört werden dürfte: „Ich kann mir vorstellen, in der Schülerakademie der Brikettfabrik Louise mitzuhelfen“, verrät der Jetzt-Pensionär. Da wäre es ein Wunder, hätte er ab und an nicht auch seine Frau an seiner Seite.