Im Haus von Pamela und Mike Tanneberger in Bad Liebenwerda ist es ruhig geworden. Ihre Drillinge sind „ausgeflogen“. Sie sind inzwischen 23. Nelly, Jessy und Mandy sind ihre eigenen Wege gegangen. Sie wohnen nun in Schipkau, Leipzig und Berlin.
Ihren Eltern geht es nicht anders als anderen Müttern und Vätern: Neue Partner, die Arbeit, ein neuer Freundeskreis, Neigungen und Hobbys haben dazu geführt, dass ihre Kinder nicht mehr allzu oft nach Hause kommen.

Irgendwie auch heute fast täglich im Kontakt

Und trotzdem immer irgendwie zu Hause sind. Nur anders. Zum Beispiel über eine Familien-Whatsapp-Gruppe. Das Internet macht es möglich. Fast täglich wandern neue Nachrichten, Fragen, Erlebnisberichte und Fotos hin und her. Und weil Mutter und Vater natürlich auch nicht immer gleich alles wissen müssen, gibt es noch die Sister (Schwestern)-Gruppe für die kleinen Geheimnisse.
Doch wie haben sich die drei Mädchen, aus denen längst junge Frauen geworden sind, entwickelt? Was ist übrig geblieben von den Beschreibungen, mit denen ihre Mutter Pamela sie zu ihrem fünften Geburtstag charakterisierte?
„Unsere Jessy“, erzählte sie damals, „liebt Bücher und isst am liebsten Fischstäbchen. Außerdem ist sie ein kleiner Wirbelwind und sehr kontaktfreudig. Mandy ist die Prinzessin unter den Dreien. Sie liebt glitzernde Kleider, das Fernsehen und schmust gern. Aufräumen mag sie aber gar nicht und ist mit 1,06 Meter die Größte. Grießbrei ist die Leibspeise von Nelly. Nicht nur das Aussehen, auch das Häusliche hat sie von mir“, so Mutti Pamela.
„Zudem vermittelt sie schon mal im Streit zwischen den beiden eineiigen Geschwistern. Mit Nelly haben wir, so glaube ich jedenfalls, einen kleinen Jungen. Am liebsten nämlich spielt sie draußen und kriecht überall herum.“
Als die Lausitzer Rundschau am Telefon die Drillinge mit diesen Beschreibungen konfrontiert, müssen sie kichern. Alle Drei schicken eines voraus: „Wir denken, die Zeit, bis wir aus dem Gröbsten raus waren, waren für unsere Eltern die schwierigsten.“ Kaum war die eine frisch gewindelt, „schnupperte“ es bei der anderen, weinte eine, stiegen alle anderen mit ein. Versorgt werden wollten am liebsten alle zugleich.

Nellys Vorsatz: Öfter mal nach Hause fahren

Nelly ist die Erstgeborene. „Ich soll die gewesen sein, die zwischen den beiden anderen vermittelt hat? Ich glaubte bisher immer, ich habe angefangen zu stänkern“, sagt sie und lacht. Häuslich sei sie noch immer. Sie backe gern – „die Küchenmaschine, die mir Oma geschenkt hat, ist immer noch im Einsatz“ und es stimme, naturverbunden sei sie noch immer.
Heute lebt sie mit ihrem Freund in Schipkau, ist oft an den Seen der Region, geht unter anderem Stand-up-Paddeln, also diese Freizeitbeschäftigung, wo man auf einem „Brett“ steht.
Nelly Tanneberger.
Nelly Tanneberger.
© Foto: Tanneberger
Wie ihre Schwestern hat sie die Oberschule in Bad Liebenwerda erfolgreich abgeschlossen. Sie ist zahnmedizinische Fachangestellte geworden. Wie oft sie noch nach Bad Liebenwerda fährt? „Eigentlich zu wenig“, sagt sie und gesteht sich ein: „Ich glaube, ich müsste meine Eltern, Oma und Opa öfter besuchen.“
Der Unterschied zu ihren beiden anderen eineiigen Schwestern? „Ich denke im Nachhinein schon, dass sich die beiden anderen noch ein Stück näher waren. Aber wir verstehen uns alle drei sehr gut.“ Und das mit dem Grießbrei? „Lecker. Den esse ich heute noch gern.“

Jessy – weshalb sie bei einem Punkt zögert

Wie geht es dem Wirbelwind Jessy, der Zweitgeborenen? Nach dem Beruflichen Gymnasium Falkenberg und der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hat es sie nach Berlin verschlagen, wo sie im Jugendamt in Pankow arbeitet. Sie hat ein duales Studium Sozialpädagogik / Management begonnen, das sie 2026 beenden möchte.
Die Erinnerungen an ihre Kindheit? „Klar, da sind die gleichen Sachen, die wir zumindest bis in die Grundschulzeit oft getragen haben. Und, so mancher Schwesternzwist. Aber auch, dass Mandy und ich wohl besonders nah waren. Wir konnten untereinander Sätze beenden, die die andere gerade begonnen hatte. Irgendwie wie Gedankenübertragung.“
Jessy Tanneberger.
Jessy Tanneberger.
© Foto: Tanneberger
So gut wie jeden Tag sei sie irgendwie im Kontakt mit ihren Schwestern, „und wenn es nur per WhatsApp ist“. Ob sie sich eine Rückkehr nach Bad Liebenwerda vorstellen kann? „Weiß nicht, vielleicht schon. Ich möchte Kinder haben, ein Haus bauen. In Berlin ist das ganz schön teuer.“ Aber sie zögert auch. „Mein Freund kommt aus Gambia. Hier in Berlin stört das keinen, in Bad Liebenwerda habe ich auch ein bisschen Angst vorm Alltagsrassismus, der leider spürbarer ist.“
Ihre Vorlieben von einst? „Ich lese immer noch gern. Ach so, und Fischstäbchen sind es nicht mehr. Eher saure Eier als deutsches Gericht und dann eher afrikanisches Essen – viel Reis, Gemüse, Fisch, Kochbananen.“

Cottbus

Mandy – auch ohne Glitzer voll im Leben

Mandy ist die Jüngste. Was ist geblieben von der kleinen Prinzessin von einst? „Also Glitzer habe ich abgeschworen“, sagt sie und lacht. „Und Fernsehen schaue ich auch nicht. Wir haben gar keinen.“ Das mit dem Aufräumen? Sie grient. „Ich arbeite an der Universitätsbibliothek in Leipzig. Hier herrscht Ordnung.“
Schon mit 16 ist sie von zu Hause ausgezogen und hat eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste absolviert. Ein berufsbegleitendes Studium Informationsmanagement (Bachelor) an der Hochschule in Hannover fordert sie. Sie spezialisiert sich dabei zur Systembibliothekarin.
Mandy Tanneberger.
Mandy Tanneberger.
© Foto: Tanneberger
Sie hat sich schnell auch politisch engagiert, ist für die Grünen in einen Stadtbezirksbeirat in Leipzig gewählt worden, kümmert sich um Gleichstellungspolitik. In ihrer Freizeit singt sie im Chor, auch wenn jetzt zeitlich bedingt eingeschränkt und liest gern. Momentan könne sie sich mit ihrem Freund nicht vorstellen, Leipzig zu verlassen. „Ich liebe Bad Liebenwerda, aber hier habe ich einfach viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten.“ Dennoch habe sie noch gute Kontakte in die Heimat.
Bleibt noch eins: Die Stadt Bad Liebenwerda hatte eine Patenschaft über die Drillinge bis zum 18. Geburtstag übernommen. Nelly, Jessy und Mandy erklären übereinstimmend, dass sie dafür noch heute sehr dankbar seien. Einen kleinen Piks gibts dennoch: „Es wäre schön gewesen, es hätte sich auch danach mal einer erkundigt, wie es uns geht.“

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