Ungeachtet der vor allem zentraleuropäischen politischen Verstimmungen um die Nord-Stream-2-Ostsee-Pipeline aus Richtung Russland wird die Erdgasfernleitung Eugal weiter ohne Unterbrechung verlegt. Große Abschnitte zwischen Lubmin, wo das Gas ankommt, und der tschechischen Grenze sind bereits verlegt.

In Elbe-Elster „bewegt“ sich die Stahlrohrschlange mit einem Durchmesser von 1,40 Meter zielsicher in Richtung des Schradenlandes. Bei Hirschfeld wird sie in den kommenden Wochen die höchsten „Berge“ Brandenburgs überqueren. Bei diesem Wort kommt Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer unweigerlich ins Schmunzeln. Der 37-Jährige mit griechisch-österreichischen Wurzeln lebt in der Alpenrepublik Österreich und kennt ganz andere Erhebungen. „Was uns hier erwartet, ist keine große Herausforderung. Schon eher die Kolonnen vom Baulos 14 im Erzgebirge. Die müssen auf Stein bauen und abrupte Steigungen bewältigen“, zieht der ehemalige Wahl-Berliner seinen Bauhelm vor dieser Aufgabe.

In Elbe-Elster sind nach dem Baustart im September 2018 etwa zwei Drittel der hier am Ende insgesamt rund 35 Kilometer langen Leitung geschweißt. „Wenn alles gut geht, sind wir in einem bis eineinhalb Monaten an der Landesgrenze“, blickt Ioannis Plakidis-Adamer voraus.

Aktuell hat die eine Kolonne mit den überdachten Schweißautomaten die Schwarze Elster zwischen Lauchhammer-West und Plessa erreicht. Zum Übersetzen der Technik über den Fluss gibt es keine Brücke. Das heißt, der umfangreiche Raupenfuhrpark mit Anbauten muss aufgrund von Überbreiten und Zusatzgewichten teilweise demontiert und Stück für Stück auf Tiefladern im großen Straßenbogen auf die andere Elsterseite transportiert werden. Das läuft seit Wochenbeginn. Es sei gar nicht so einfach gewesen, regionale Firmen mit freien Transportkapazitäten zu finden.

Mit dem Schweißen der 18 Meter langen Rohre, die jeweils 15 Tonnen auf die Waage bringen, ist es nicht getan. Die Nähte müssen korrosionsbeständig beschichtet, dann umwickelt und mit verschiedenen Verfahren geprüft werden.

Während die eine Kolonne mit dem Schweißen Hunderte Meter am Tag machen kann, sorgen anschließend andere Trupps dafür, dass Kreuzungspunkte, wie mit Straßen, Wegen, kleinen Vorflutern, Flüssen und Schienenwegen, genommen werden. Das hält auf. Haben die Rohrlege-Raupen die geschweißten Stahlrohre in den tiefen Graben herabgelassen, werde umgehend mit dem Verfüllen begonnen. Dies diene auch dem Schutz der Leitung. Später werde der Mutterboden aufgetragen. Die Nacharbeiten mit der Rekultivierung der beanspruchten Flächen in Elbe-Elster werden noch ein paar Monate andauern.

Nennenswerte Probleme beim Verlegen habe es auch aufgrund der parallel verlaufenden Opal-Gasleitung nicht gegeben, heißt es. Die Kampfmittelsucher hätten nur Splitter von Weltkriegsmunition gefunden.

Die zeitweise eisige Kälte mit schneidigem Wind auf freiem Feld mache der Technik nichts aus. Allerdings, so der Bauleiter, seien diese Bedingungen für die Mitarbeiter manchmal schon grenzwertig. Ansonsten mögen die Bauleute lieber leichten Frost als Regen und Schlamm entlang der Trasse.

Die aktuell längste Baustelle Erdgasgraben zieht sich durch Elbe-Elster

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