(red/mf) Frank Werner, stellvertretender Vereinsvorsitzender, hat die letzten Eindrücke der ersten großen Konzertreise des Jugendblasorchesters der Bergarbeiter Plessa in dem einst von Deutschen besiedelten Süden von Brasilien zusammengefasst:

14. Oktober. Dreiviertel acht Abfahrt nach Blumenau, einer Stadt mit mehr als 350 000 Einwohnern. Wir proben gemeinsam mit dem Militärorchester das Programm für das Konzert am Abend. Danach noch Absprachen zwischen Andrea, Paolo, dem Dirigenten des Militärorchesters, Alcides und Charles Schneider, unseren Kontaktpersonen vor Ort, und Frank über den Programmablauf. Die Noten müssen noch wechselseitig kopiert werden, damit wir möglichst alle Titel gemeinsam spielen können.

Mittagessen in Pomerode. Wir sind bereits um 16.45 Uhr zurück in Blumenau. Abgemacht war um 17.15 Uhr. Vom Militär ist noch fast niemand zu sehen.

Kurz vor 20 Uhr führt das Blumenauer Fernsehen hinter der Bühne noch Interviews mit den Dirigenten Andrea und Paolo. Der Theatersaal mit etwa 600 Plätzen ist gut gefüllt. Es erklingen beide Nationalhymnen. Alcides Schneider stellt unser Orchester auf Portugiesisch vor. Im Programm spielen beide Klangkörper abwechselnd einen deutschen und einen brasilianischen Titel. Ohne eine Zugabe geht es auch diesmal nicht. Wir spielen „Lilli Marleen“. Es folgt die herzliche Verabschiedung von den Kollegen des Militärorchesters. Noch so manches Foto mit den Musikern der einzelnen Register entsteht. Dann ab zum Pizzaessen! Erst gegen 1 Uhr sind wir im Hotel.

15. Oktober. Nach einer sehr kurzen Nacht (das sind wir ja inzwischen gewöhnt) geht es schon um 7 Uhr nach Blumenau. Alcides und Charles Schneider sagen uns, wir würden zum Bürgermeister fahren. Aber es kommt noch viel dicker, was die beiden da eingefädelt haben. Wir stehen plötzlich im Foyer des Sitzungssaales des Blumenauer Stadtrates. Wir spielen zwei Stücke. Dann dürfen wir in den Zuschauerreihen Platz nehmen. Andrea, Alcides und Frank werden nach vorn ins Sitzungspräsidium gebeten. Der Präsident des Stadtrates und ein weiterer Stadtrat begrüßen uns. Frank wird um ein Grußwort gebeten, das Alcides übersetzt. Wir bedanken uns auf das Herzlichste für die freundliche und warmherzige Aufnahme in Blumenau und für die schöne Zeit. Anschließend erhält Andrea eine Urkunde des Stadtrates für das Orchester. Nun wird jeder einzelne nach vorn gebeten und erhält jeweils eine Urkunde mit seinem Namen, auch die mitgereisten Begleiter. Wir spielen noch drei Titel und verabschieden uns.

Während des Mittagessens im „Ataliba“, einem sehr schicken Restaurant, läuft auf Blumenau-TV eine Reportage über unser Konzert am Vorabend. Beifall brandet auf. Bei jeder Naheinstellung werden die Betreffenden frenetisch gefeiert. Danach haben wir zwei Stunden Zeit zum Einkaufen. An diesem Abend haben wir keinen Auftritt. Das tut allen gut.

16. Oktober. Heute geht es in die Textilfabrik Karsten in der Nähe von Blumenau. Von Vertretern der Betriebsleitung werden wir herzlich begrüßt. Das Unternehmen stellt hochwertige Bettwäsche, Tischdecken, Handtücher und noch mehr her. Wir sehen eine Videopräsentation zum 136-jährigen Bestehens der Firma. Diese war einst von deutschen Auswanderern aus Schleswig-Holstein gegründet worden. Bei der Besichtigung des Betriebes geht ohne Gehörschutz nichts. Es ist wahnsinnig interessant zu sehen, wie die Maschinen zunächst das Garn spinnen und dann die Fäden zu Handtüchern, Decken, Bettbezügen und anderen Sachen mit all den Mustern darauf weben.

Gegen 12.30 Uhr spielen wir in der Betriebskantine ein Konzert. Die Zuhörer sind begeistert. Da es ein Betriebsgelände ist, gibt es während unserer Reise dann das erste Mittagessen ohne Bier für die Erwachsenen. Dann fahren wir zur werkseigenen Verkaufsstelle. Vorher haben wir einen Gutschein über 15 Prozent Rabatt erhalten. Viele von uns machen von den Fabrikangeboten Gebrauch.

Nun geht es zum Musizieren in die Brauerei „Eisenbahn“. Die Hausmusikanten sind auch schon da. Nach dem Konzert kann die Party für uns beginnen. Die Stimmung ist toll. Einige von uns tanzen. Eigentlich wollten wir um 19 Uhr zur Rückfahrt starten. Daraus wird kurz vor 21 Uhr. Dann noch die Koffer packen, weil es morgen früh zeitig nach Florianapolis geht.

Auch das noch: Mit unserem ansonsten sehr freundlichen und umgänglichen Hotelwirt Rolf gibt es noch Stress, weil eine Vorauszahlung auf die Hotelrechnung angeblich nicht eingegangen sein soll. Das Problem können Andrea und Frank allerdings nicht lösen, weil Simone, die Schatzmeisterin, um diese Zeit in Deutschland noch im tiefen Schlaf liegt. Wir hoffen, Rolf beruhigt sich und wir bekommen das Problem am kommenden Morgen gelöst.