Ehrung: Initiativgruppe Lager Mühlberg erhält Fricke-Preis

Jährlich finden im Lager Mühlberg Arbeitseinsätze statt, um den Erinnerungsort zu bewahren. Organisatorin ist Heike Leonhardt (r.). Ihr Großvater war im Lager inhaftiert.
Frank ClausDie Initiativgruppe Lager Mühlberg erhält am Freitag, 29. Mai, einen Sonderpreis des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises. In einer Pressemitteilung des Bundesstiftung Aufarbeitung erklärt deren Geschäftsführerin Anna Kaminsky: „1990 begannen ehemalige Häftlinge und deren Angehörige, die Geschichte des sowjetischen Lagers, das hier nach 1945 bestanden hatte und in dem Tausende Häftlinge ums Leben kamen, nach dem jahrzehntelangen Verschweigen in der DDR wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie wurden von den umliegenden Kirchgemeinden, den Bürgermeistern von Mühlberg und Liebenwerda sowie vielen weiteren Menschen in ihrem Bestreben unterstützt, sowohl das nationalsozialistische Kriegsgefangenenlager als auch das sowjetische Speziallager vor dem Vergessen zu bewahren.“
„Doppelte Geschichte“ des Ortes im Blick
Dabei sei besonders hervorzuheben, dass die Initiativgruppe von Beginn an die „doppelte“ Geschichte des Ortes in den Blick genommen habe, das 1939 als Kriegsgefangenlager der deutschen Wehrmacht gegründet wurde. „In Mühlberg ist es gelungen, die Erinnerung an das Leid der Opfer unter nationalsozialistischer und kommunistischer Herrschaft gleichermaßen wach zu halten. Dies ist nicht selbstverständlich und verdient besonderen Respekt“, so Anna Kaminsky.
Da die Preisverleihung wegen der Covid19-Pandemie nicht als Publikumsveranstaltung stattfinden könne, werde der mit 5000 Euro dotierte Preis am Freitag um 15 Uhr am zentralen Kreuz in der Gedenkstätte Speziallager Nr. 1 Mühlberg/Elbe von Jurymitglied Anna Kaminsky überreicht.
Karl Wilhelm Fricke, Journalist und Publizist, habe sich, so die Bundesstiftung, „wie kein Zweiter der Opposition und dem Widerstand gegen die kommunistische Diktatur in Sowjetischen Besatzungszone und der DDR“ gewidmet.
