Auf der Baustelle des 1,7 Millionen Euro teuren Kita-Anbaus in der Gemeinde Großthiemig geht es sichtbar voran. Mit ein wenig Verspätung durch ein paar Frosttage im alten Jahr ist jetzt das Dach geschlossen worden und wird komplettiert. Als der Dachstuhl mit einem Kran eingehoben worden war, ist das für Steppkes wieder ein Ereignis zum Zuschauen gewesen. Die Kleinen verfolgen das Geschehen mit großem Interesse, besonders, wenn Maschinen vorfahren. Doreen Kunze, Leiterin der Kindertagesstätte „Sonnenschein“, schmunzelt über einen Schnappschuss aus ihrem Bautagebuch. Da haben sich im Sommer vorigen Jahres ein paar Jungs eine Bank zurechtgerückt, draufgesetzt und wie die Orgelpfeifen das Geschehen verfolgt.

Mittagsruhe für Kinder ist heilig

Bauleute und Kinder kommen trotz anfänglicher Bedenken mancher Eltern gut miteinander aus. Es gebe eine Art stille Vereinbarung, wonach die lauten Arbeiten nebenan auf der Baustelle während der Mittagszeit ruhen. Dies funktioniere sehr gut, versichert die Leiterin. Auch mit den beengten Platzverhältnissen auf dem Kita-Gelände gebe es kein Problem. In wetterfester Kleidung geht es dann einmal mehr zum Spaziergang ins Dorf und weiter ins Wäldchen.

Solange auf dem Kita-Gelände in Großthiemig gebaut wird, geht es für die Kinder öfter einmal hinaus ins Dorf und in die Natur zum gemeinsamen Spaziergang.
© Foto: Manfred Feller

Derzeit besuchen 18 Krippen-, 26 Kindergarten- und 21 Hortkinder die Einrichtung. Sieben Erzieherinnen und zwei Praktikanten, darunter ein junger Mann, kümmern sich um die Kleinen. Der Anbau werde noch einmal zehn Plätze mehr bieten. Dies werde auch notwendig sein. „2019 war in Großthiemig ein geburtenstarkes Jahr“, stellt Doreen Kunze fest. Die Aufnahmezahlen hätten sich in der Kita mit den Jahren stets leicht erhöht. Die meisten Steppkes kommen natürlich aus dem Ort, einzelne aber auch bis aus Frauendorf, Ortrand und Gröden.

Ausschreibung folgt auf Ausschreibung

Für den Anbau sind nach Auskunft von Alf Richter, Leiter des Bauamtes im Amt Schradenland, bislang etwa 40 Prozent der Leistungen ausgeschrieben. Damit keine Zwangspausen entstehen, werde nach und nach zügig weiter ausgeschrieben. Die Fenster sind beauftragt, die Ausschreibung für Trockenbau und Innentüren ist raus, Heizung (Wärmepumpe mit Gasunterstützung), Lüftung, Sanitär und Elektro folgen.

Auch im Winterhalbjahr habe nicht jedes Ausschreibungslos Angebote erhalten, bedauert Alf Richter. Damit es trotzdem nahtlos weitergehen kann, werden Firmen sogar angesprochen. Vermutet wird, dass die kleinen Handwerksbetriebe Privataufträge bevorzugen, weil dann Vorauszahlungen für das Material möglich sind und auch kein zeitaufwendiges Abrechnungsverfahren wie bei öffentlichen Aufträgen dranhängt. Das Geld fließt einfach schneller. Die bislang beauftragten Firmen kommen aus einem Umkreis von etwa 35 bis 40 Kilometern, vornehmlich aus Elbe-Elster.

Die Kindertagesstätte in Großthiemig besteht aus drei Teilen: links das älteste Gebäude (wird abgerissen), in der Mitte der zu modernisierende erste Anbau und rechts der große, neue Anbau.
© Foto: Manfred Feller

Von draußen zu sehen ist in dem Rohbau der Fahrstuhlschacht. Die Kita erhält einen Personenaufzug und ist damit barrierefrei. Im Sommer muss er betriebsbereit sein. Denn dann ist der Umzug in den Neubau geplant. Dies wird aus Sicht von Bürgermeister Heiko Imhof und Kita-Leiterin Doreen Kunze durchaus eine große Herausforderung. Denn nach dem Umzug wird der feuchtigkeitsgeschädigte Altbau aus dem Jahr 1949 abgerissen, um einem Spielplatz zu weichen. Anschließend ist der erste Anbau aus den 1970er-Jahren vor allem in technischer Hinsicht zu modernisieren. Logistisch müssen die Kinder, Erzieherinnen und Bauleute also noch einiges meistern.

Im Sommer wird umgezogen

Am großen Ziel, das versichert Bauamtsleiter Alf Richter, dass in diesem Jahr die wichtigsten Arbeiten erledigt sein müssen, werde nicht gerüttelt. Genauso wichtig ist für die Gemeinde, dass kein Euro zu viel ausgegeben wird. „Wir liegen noch im Finanzrahmen“, ist Bürgermeister Heiko Imhof zufrieden. Hier und da habe der Architekt das Projekt abspecken müssen, um die Kasse nicht zu sprengen. Von den 1,7 Millionen Euro Gesamtkosten kommen 75 Prozent aus dem europäischen Topf der ländlichen Entwicklung (Leader), den Rest muss die Gemeinde aus eigener Kraft und mit Kredithilfe stemmen. Spielraum gebe es im Prinzip kaum. „Bisher hat es auch noch keine unerwarteten Probleme gegeben“, beruhigt Alf Richter.