Eine ehemalige Drogendealerin und -konsumentin ist vom Schöffengericht Bad Liebenwerda zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Diese Strafe hätte nach Aussage des Staatsanwaltes in seinem Plädoyer durchaus härter ausfallen können, wenn die Ermittlungen nicht so lange gedauert hätten. Die angeklagten Straftaten liegen bereits mehr als zwei Jahre zurück. So lange habe die zuständige Behörde gebraucht, um die eingezogenen Drogen zu untersuchen. „Das Landeskriminalamt hat kein Personal für eine zeitnahe Begutachtung“, kritisiert der Staatsanwalt.

Ein Verbrechen begangen

Der Angeklagten Aline A. (Name geändert) konnte nachgewiesen werden, dass sie in einem Fall Drogen besessen hat sowie mehrmals mit geringen Mengen und einmal mit einer größeren Menge Drogen gehandelt hat. Letzteres sei, so Schöffenrichter Egon Schaeuble, ein Verbrechen, das allein mit einer vielmonaten Haftstrafe geahndet werden kann. Dabei handelte es sich zwar um einen stark gestreckten Stoff (Meth) mit einem Wirkstoffanteil von nur zehn Prozent. Jedoch überstieg die reine Wirkstoffmenge von 53 Gramm den Grenzwert deutlich.

Die 33-Jährige, die in Sachsen aufgewachsen ist, auch im Raum Bad Liebenwerda im Drogenmilieu unterwegs war und mittlerweile in Senftenberg lebt, gibt die Taten an sich zu. „Es ist so passiert“, sagt sie. Jedoch behauptet sie, in dem schwerwiegenden Fall, der eine längere Haftstrafe nach sich ziehen könnte, eine Substanz ohne Wirkstoff verkauft zu haben. „Ich wollte den Käufer verarschen“, sagt sie vor Gericht.

Das nimmt ihr der Schöffenrichter in seiner Urteilsbegründung nicht ab. Er glaube nicht, dass sie an einen ihrer Kunden wissentlich ausschließlich Streckmittel verkauft hat.

Alles andere als ein geradliniger Weg

Aline A. hatte nach eigenen Angaben Probleme mit ihren Eltern. Sie lebte im betreuten Wohnen, ehe sie mit 17 Jahre eine eigene Wohnung beziehen konnte. Sie lernte Sozialassistentin, wurde 2005 Mutter eines Sohnes und heiratete im Jahr darauf. Ihre Ehe hielt nicht lange. 2008 begann sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, schaffte es aber nur bis zur Helferin. Seit 2010 ist sie ohne Arbeit.

Ihre Drogenkarriere begann etwa im Jahr, als sie mit 19 Mutter wurde. Das Sorgerecht für den Sohn wurde ihr entzogen. Er kam in ein Heim und soll jetzt als Jugendlicher bei ihren Eltern wohnen. Sie suche wieder Kontakt zu ihm.

Die kriminelle Karriere beginnt

Nach zwei Jahren ohne eine Beschäftigung ist das Geld immer knapp. Sie begeht bald darauf die ersten Straftaten, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren. 2012 wird sie in Riesa wegen Betrugs zum ersten Mal verurteilt. Es folgen bis einschließlich 2018 insgesamt 13 weitere Verurteilungen in Dresden, Bad Liebenwerda, Torgau und Riesa, hinter denen zahlreiche Straftaten stehen. Dazu gehören mehrfacher Betrug und Drogenhandel sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dafür setzt es Geld- und Haftstrafen. Vor dem neuerlichen Urteil stand die junge Frau unter Bewährung. Sie hat aber auch schon Hafterfahrung. Zwischen September 2017 und April 2018 saß sie ein. Dies sei ihr eine Lehre gewesen, sagt sie.

Weg von den Drogen

Daraufhin krempelt sie ihr Leben um. Sofort nach dem Gefängnisaufenthalt begibt sie sich in eine Drogentherapie. Dem Schöffengericht liegt der Bericht einer stationären Klinik vor, der Positives verheißt. Sie zieht im November 2018 in eine eigene Wohnung und nahm seitdem an 18 Einzel- und Gruppengesprächen der Suchtberatung teil. Sie gibt an, seit zwei Jahren clean zu sein. Seit August arbeitet sie zunächst befristet als Verkäuferin auf Probe mit einem Bruttogehalt von nur knapp 1200 Euro. Ihren Freund (berufstätig) habe sie während der Therapie kennengelernt. Die Bewährungshelferin bescheinigt ihr eine positive Sozialprognose.

Nicht weniger als Haft auf Bewährung

Unter Einbeziehung einer der laufenden Bewährungsstrafen und unter Abwägung aller negativen (Vorstrafen) und positiven Aspekte (Geständnis und gute Entwicklung) plädiert der Staatsanwalt für 15 Monate Haft, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung. Der Rechtsbeistand von Aline A. benennt keine Strafhöhe.

Das Schöffengericht folgt der Staatsanwaltschaft, legt aber noch ein Jahr Bewährung drauf. Damit soll die Verurteilte gezwungen werden, auch in schlechten Zeiten fachlichen Rat zu suchen. Ihre nachgewiesenen Einnahmen aus dem Drogenverkauf in Höhe von 3620 Euro muss sie an die Staatskasse zahlen. Gegen das Urteil wurden keine Rechtsmittel eingelegt.