(mf) In einem Land mit absolut strengen Drogengesetzen hätte Hans Hasch (Name geändert) aus Finsterwalde wahrscheinlich für immer „gesiebte Luft“ geatmet. Nur die ihm nachgewiesenen 17 Fälle des gewerbsmäßigen Handels größtenteils mit Marihuana, jeweils 50 oder 100 Gramm, aber auch mit der sehr gefährlichen synthetischen Droge Crystal Meth hätten ihn zumindest für eine halbe Ewigkeit ins Gefängnis gebracht. Hinzu kommt laut Staatsanwaltschaft der Besitz von Drogen. Offensichtlich für den Eigenkonsum. Aufgedeckt wurde dies alles Ende 2017/Anfang 2018.

Einzelstrafen summieren sich stattlich

Jedes Delikt einzeln bestraft, würde sich in Deutschland das ansehnliche Strafmaß von 126 Monaten ergeben. Doch die Einzelstrafen können hierzulande zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst werden, die den Taten und den Umständen angemessen scheint.

In dem Fall des 23-jährigen Finsterwalders urteilt das Schöffengericht in Bad Liebenwerda auf ein Jahr Haft. Dieses wird drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In der Begründung heißt es: „Er ist nicht der große Kriminelle.“

Aktenkundig ist, dass Hans Hasch erstmals im Jahr 2011 als 16-Jähriger durch Unterschlagung und Sachbeschädigung aufgefallen war. Es folgten ein paar Ladendiebstähle.

Dem jungen Mann auf die Spur gekommen war die Polizei während ihrer Ermittlungen in einem viel größeren Südbrandenburger Drogenfall. Eine Frau sei für ihre Taten bereits empfindlich bestraft worden, so das Gericht. Hans Hasch als Dealer soll bei ihr Kunde gewesen sein.

Der Angeklagte gesteht

Der Sängerstädter gibt den Handel sowie den Besitz von illegalen Betäubungsmitteln für den Eigenbedarf vor Gericht zu. Damit erübrigen sich die Aussagen mehrerer Zeugen, die kurz nach Prozessbeginn wieder zum Dienst oder nach Hause fahren dürfen.

Die Ursachen des ziemlich schiefen Entwicklungsweges liegen nach Angaben des Angeklagten Jahre zurück. „Ich bin bei Mutter und Stiefvater aufgewachsen. Es war nicht die beste Kindheit“, sagt er als einer von vier weiteren Geschwistern. Obwohl zumindest er noch minderjährig war, sei die Mutter ins Ausland gezogen. Er kam in die Obhut des Jugendamtes. Es folgten Heimaufenthalte. Hans Hasch verließ nach der 8. Klasse die Schule, möchte nun, da er Besserung gelobt, ab September wenigstens den 9.-Klasse-Abschluss machen. Einen Beruf habe er nie erlernt, sei aber auf Arbeitssuche.

Ein Jahr Haft auf Bewährung

Die Staatsanwaltschaft hält ihm in ihrem Plädoyer das Geständnis zugute. Ihm wird eine Freiheitsstrafe von einem Jahr angedroht, wenn er in den nächsten drei Jahren erneut straffällig wird. Ein Bewährungshelfer soll die Absichtserklärungen unterstützen. Zudem sollen die Gewinne aus den Drogenverkäufen in die Staatskasse fließen.

Der Anwalt des Angeklagten sieht seinen Mandaten „auf einem guten Weg“. Wenn sich die Eltern einfach aus dem Staub machen und deren Kinder von einem Heim ins andere gestoßen würden, wie solle man da einen ordentlichen Start ins Leben finden?, plädiert er für Augenmaß bei der Bestrafung. „Ich bin auf einem guten Weg, mich zu bessern“, baut der junge Mann mit Wuschelmähne, Bart und Kapuzenshirt auf kein allzu hartes Urteil.

Staat will das Geld aus Drogengeschäften

Das Schöffengericht bleibt beim Vorschlag der Staatsanwaltschaft. Als zusätzliche Auflage neben dem Bewährungshelfer soll Hans Hasch binnen vier Monaten 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er trägt nicht nur die Kosten des Verfahrens, sondern muss auf der Basis der festgestellten Drogenmengen auch die errechneten Gewinne abgeben. Das sind 8025 Euro. Abgezogen werden jene 3015 Euro, die bei ihm bereits sichergestellt worden waren. „Drogen sind kein lustiges Gesellschaftsspiel“, wird ihm vom Schöffengericht noch mit auf den Weg gegeben.

Der Verurteilte und sein Rechtsbeistand hatten angekündigt, gegen das Urteil keine Rechtsmittel einlegen zu wollen, ebenso nicht die Staatsanwaltschaft. Damit ist es gültig.