Von Frank Claus

Es ist heiß in Brottewitz trotz gerade mal zwei Grad plus an diesem Dienstagmorgen. Die etwa 50 Beschäftigten der Südzucker-Fabrik, die die Abordnung aus Elsterwerda vorm Werktor empfangen, haben Wut im Bauch. „Mehr als nur ein Werk, eine Region stirbt“, steht auf einem Plakat. André Rettig und Andreas Heyne vom Betriebsrat der ODW Frischprodukte GmbH in Elsterwerda können gut nachvollziehen, was die Frauen und Männer jetzt fühlen. Vor knapp zehn Jahren ging es ihnen genauso, als der damalige Milchkonzern Campina das Aus für den Elsterwerdaer Standort verkündete. Sie hatten Glück. Mit ODW konnte ein Nachfolger gefunden werden, der inzwischen am Standort bereits wieder kräftig investiert hat.

„Wir stehen an eurer Seite“, sagt der ODW-Betriebsratsvorsitzende André Rettig und übergibt mit Gewerkschaftssekretär Ingolf Fechner (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) genau jenes Plakat, das seinerzeit schon in Elsterwerda am Werktor hing: „Wir wehren uns! Keine Betriebsschließung!“

Zu den Mitarbeitern gesellen sich ältere Einwohner aus dem Ort, so Sabine und Rudolf Weidner (beide 77). „Wir haben beide im Werk gearbeitet. Was soll hier werden, wenn die Zuckerfabrik noch dicht macht?“, fragen sie. Und sie sind verunsichert: „Wir haben eine Werkswohnung. Müssen wir da raus?“

Ihre Enkelin Nancy Weidner (30) macht unterdessen gehörig Druck. Sie ist Vizechefin in der „Interessengemeinschaft Brottewitz“ und macht auf allen Kanälen auf die Situation in Brottewitz aufmerksam. In sozialen Medien hat sie eine Unterschriftenaktion gestartet. Nun will der Verein auch Unterschriftenlisten rund um Brottewitz bis nach Bad Liebenwerda auslegen. „Meine Großeltern haben im Werk gearbeitet, meine Mutter, mein Bruder, mein Vater und auch ich schon mal“, sagt die Heimkehrerin, die es von der Insel Fehmarn wieder nach Hause zog. „Das hier ist meine Heimat und dazu gehört die Zuckerfabrik“, sagt sie fest entschlossen und meint deftig: „Wir müssen und werden jetzt den Arsch hochkriegen.“

Die Interessengemeinschaft ist es auch, die für den 15. Februar um „5 vor 12“ die Demonstration unter dem Motto „Wir machen uns eine Rübe“ organisiert. „Wir brauchen ganz viele, die dazukommen“, sagt sie. Inzwischen habe sich Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, zugleich Mühlberger Ehrenbürger,  beim Verein gemeldet. Er selber könne nicht kommen, stünde aber in Kontakt mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Das bestätigt SPD-Unterbezirksgeschäftsführerin Kerstin Weide. „Einer wird nach Brottewitz kommen“, sagt sie. Vermutlich schon am nächsten Montag, wenn es ab 9.30 Uhr erst eine Betriebsversammlung und ab 14 Uhr einen Runden Tisch mit dem Betriebsrat und Vertretern der Politik geben soll. Dabei sein wird dann auch Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel, die bereits am Freitag mit dem Ehrenbürger telefoniert hat. Der Brottewitzer Betriebsratsvorsitzende Stefan Born freut sich über die Welle der Unterstützung, die den Rübenwerkern bereits signalisiert wird. „Wir geben nicht auf. Wir werden kämpfen“, sagt er.

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