Von Manfred Feller

Das passt doch: Am Mittwoch vermeldete die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, dass die Noch-Braunkohlelausitz vom Bund den Zuschlag als eine von acht Wasserstoffmuster-Regionen erhalten hat. Es gab 138 Bewerber. Just an diesem Tag hatte die Nachbarregion Elbe-Elster, die ebenfalls von den Strukturwandel-Milliarden profitieren möchte, zum 2. Elektromobilitätstag nach Bad Liebenwerda eingeladen. 28 Aussteller folgten der Einladung. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski stellte fest, dass diese ländliche Gegend durchaus mithalten kann. Nach seinen Informationen sei Elbe-Elster jener Landkreis in Brandenburg mit den zweitmeisten Anmeldungen von E-Autos. Etwa 100 sollen es aktuell sein. Und noch eines: „Ich freue mich besonders, dass regionale Anbieter Flagge zeigen.“

In der Tat verkaufen diese nicht nur fremde Produkte, wie Elektro-Fahrräder sowie Gefährte für Behinderte und Ältere, sondern bauen selbst. Dazu gehört der gelernte Energieelektroniker Sven Richter aus Falkenberg/Elster. Zunächst ab 2009 als Einzelunternehmer, dann mit seiner RiPower GmbH stellt er elektrische Bootsmotoren her. Vor allem auf Gewässern, wo Verbrenner verboten sind, hat er seine Kundschaft, wie in Bayern, Österreich und der Schweiz. Der Anschaffungspreis sei allerdings achtfach höher. „Für Vielfahrer hat sich die Anschaffung nach etwa fünf Jahren amortisiert“, sagt der Geschäftsführer. Und diese fahren mit gutem Umweltgewissen. Ein 70-PS-Motor schaffe Tempo 100. Mit einem großen Akku seien 100 Kilometer Reichweite drin. Dagegen schlucke ein 90-PS-Benziner auf 100 Kilometer gern 150 Liter. Eine Tankstelle habe nicht jeder Wasseranleger, aber viele eine Steckdose, nennt er einen Vorteil.

Der Einstieg in die E-Mobilität beginnt für so manch einen mit dem Fahrrad. Die Touristinfo der Kurstadt hat zehn E-Bikes und zwei E-MTB, plus ein Anhänger und zwei Kindersitze. „Die Ausleihzahlen haben wir verdoppelt“, sagt Kerstin Jahre – auch dank der Kurpatienten. Den Normaltarif von 25 Euro nutzen gern auch Einheimische, wenn sie mit ihrem Besuch in die Pedale strampeln wollen.

Das nach Herstellerangaben erste pedalgetriebene E-Motorrad der Welt, das eRockit aus Hennigsdorf, hat das Zeug zum Lifestyle-Gefährt. Wenn es nicht wie ein normales gutes Motorrad knapp 12 000 Euro kosten würde. Eine E-Harley koste über 30 000 Euro, wird entgegnet. „Das ist ein ideales Pendlerfahrzeug für bis zu 30 Kilometer Arbeitsweg“, sagt Sebastian Bruch, Mitinhaber des jungen Unternehmens eRockit-Systems GmbH. Das Pedalkrad wiegt mit Akkupack 120 Kilogramm. Reichweite: rund 120 Kilometer. Weil in Indien Verbrenner-Kräder bald verboten werden sollen, rechnen sich die Hennigsdorfer dort viel aus. Tony Andrä (19) aus Bitterfeld und Daniel Schneider (20) aus Hohenbocka (OSL), Azubis in Doberlug-Kirchhain und Motorradfahrer, haben die E-Tret-Rakete getestet: „Echt cool. Es macht Spaß zu fahren.“ Daniel Schneider könnte sich vorstellen, sich so eine Maschine eines Tages zu kaufen.

Französische Elektrotransporter (unterhalb des Multicar) mit diversen Aufbauten präsentiert Frank Scharkoff, Spezialfahrzeuge Lausitz aus Kolkwitz. „Im kommunalen Bereich, im Gartenbau und innerbetrieblich sind sie schon am Senftenberger See, in Burg, im Branitzer Park und in Guben unterwegs“, sagt er. Die Daten: ab 25 000 Euro, Tempo 50, 50 bis 100 Kilometer Reichweite, bis zu einer Tonne Zuladung.

Von Europas meist verkauftem E-Auto Renault Zoe sollen in Elbe-Elster 20 fahren. Mittlerweile gibt es die ersten Gebrauchten etwa zum halben Preis. Einen davon hat Christoph Mattauch von Automobile Lehmann Elsterwerda/Herzberg ausgestellt.

Im Windschatten der E-Autos rücken die Wasserstofffahrzeuge zunehmend ins Blickfeld. Mehrere Pkw stehen vor dem Kurstadtrathaus. „Wenn China als Musterland der E-Mobilität jetzt verstärkt auf Wasserstoff setzt, dann sollte sich Deutschland Gedanken machen“, verweist Hans-Peter Wandt dabei auch auf die Strategien in Japan und Südkorea. Der technische Berater von Toyota hat einen mehr als 70 000 Euro teuren Mirai auf den Platz gestellt. Er schätzt, dass das Auto (wie beim Hybrid-Toyota Prius bereits erfolgt) ab der dritten Generation um das Jahr 2025 preislich wettbewerbsfähig sein wird. Dann wäre ein Wasserstoffauto etwa so teuer wie ein Hybride und damit eine echte Alternative.

Im Individualverkehr werden reine Elektro- sowie Wasserstoffautos (letztlich auch elektromotorisch angetrieben) perspektivisch nebeneinander fahren, meint Hans-Peter Wandt. Im Personen- und Güterverkehr werde jedoch die Brennstoffzelle den Diesel ablösen.

Wo in Elbe-Elster die erste öffentliche Wasserstofftankstelle stehen könnte, das verraten demnächst zwei Projektverantwortliche.

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