Von Manfred Feller

Oft überaus beeindruckend war einst die Vielfalt in den Traditionssportvereinen in Elbe-Elster. In der Sportgemeinschaft (SG) Grüne Eiche Großthiemig, die an diesem Wochenende „120 Sport“ feiert, gab es einst Radsportler, Turner, Ringer, Handballer, Leichtathleten, Gymnastikfreunde, Tischtennisspieler und Wintersportler. Heute arbeiten noch die Abteilungen Aerobic, Freizeitkegeln, Freizeitfußball und Laufsport. Der Punktspielfußball wurde mit dem SV Merzdorf/Gröden in den  FC Schradenland ausgegliedert. Verblieben sind rund 100 Mitglieder, wie Andre Gündel, seit etwa zwei Jahrzehnten Vereinsvorsitzender, berichtet.

Einen der ältesten Mitgliedsausweise hält Manfred Förster in seinen Händen. Seit dem 20. November 1955 gehört er dem Verein an. „Ich bin damals als Wintersportler eingetreten“, erinnert sich der ehemalige Schlosser im Braunkohlenkombinat Lauchhammer. Dort, wo der DDR-Film „Schwester Agnes“ gedreht worden war, in Waltersdorf im Zittauer Gebirge, sei er einmal Cottbuser Bezirksmeister im 15-Kilometer-Langlauf geworden, sein Bruder Werner sogar mehrfach.

Die Jungs von damals waren vielseitig. Sie beherrschten auch das Skispringen. Was lag näher, als in den heimatlichen Schradenlandhügeln, in der Blochwitzer Flur, selbst eine Schanze am Schafberg zu bauen. Das war 1956 und eigentlich Wahnsinn. „Wir haben das Profil der Schanze und des Auslaufes aus einem Buch abgenommen und nachgebaut“, beschreibt Manfred Förster das unkonventionelle Herangehen. Es hatte eine einfache Vorgängerschanze gegeben.

Weil die Missetaten verjährt sind, verrät der 81-Jährige, was damals abgelaufen ist. Da Material knapp war, wurden Schaufeln von der nahen Gasleitungsbaustelle geklaut. Eine Genehmigung für die Schanze habe es nicht gegeben. Es war ein Schwarzbau, der bis in die 1980er-Jahre genutzt worden sei. Der Schanzenrekord liege wohl bei 26,5 Metern. Manfred Förster schaffte 20 Meter. Das letzte Springen habe sein Bruder gewonnen. In all den Jahren habe es „nur“ einen schwer verletzten Springer gegeben. Manfred Förster war bis 1969 auch Großfeldhandballer, spielte ab dem 30. Lebensjahr noch sechs Jahre Fußball, war Sektionsleiter und ist bis heute als Freizeitradler aktiv.

Auch Sportsenior Manfred Richter besitzt noch seinen Mitgliedsausweis mit dem Ausstellungsdatum 8. Februar 1959. Der 80-Jährige ist wie viele andere ebenso ein Multitalent gewesen – spielte Großfeldhandball und Fußball und betrieb Wintersport. Er war im Skilanglauf ebenfalls Bezirksmeister, allerdings in der 3-Mann-Staffel. Noch bemerkenswerter ist diese Leistung: Der Großthiemiger ist von 1968 bis 2012 im Bezirks- und Kreismaßstab 44 Jahre Schiedsrichter gewesen. Im Fußballkreis war er mit 74 Jahren der dienstälteste „schwarze Mann“ und ist heute Ehrenschiedsrichter.

Manfred Richter bedauert wie Vorstandsfrau Ines Zech, dass die gepflegten Sportanlagen in Großthiemig nicht mehr so intensiv wie früher genutzt werden. Viele seien weggezogen, sind Arbeitspendler und haben andere Dinge zu tun, als den Sport. „Damals herrschte ein großer Zusammenhalt. Alle gingen arbeiten, aber nach Feierabend wollten wir Spaߓ, erinnert sich Manfred Richter. Manchmal wurde bis früh gefeiert, und dann ging es auf dem Moped zur Arbeit nach Lauchhammer. Der 80-Jährige war dort bis 1992 Badewannenformer.

Die Vereinsorganisatoren des Festwochenendes würden sich freuen, wenn viele Einwohner und Gäste vorbeikommen, alte Zeiten hoch leben lassen und bei ihnen vielleicht das Sportinteresse geweckt wird.

Noch mehr gelaufen als die Fußballer ist Karlheinz Gründlich. Er gehörte 1999 nicht nur zu den Mitbegründern der örtlichen Laufgruppe, sondern hat auch den Lauf „Rund um die Schafbergschanze“ mit ins Leben gerufen. Die 20. Auflage fand  mit guter Resonanz Mitte Juni statt. „Ich habe erst mit 44 Jahren mit dem Laufen angefangen“, sagt der 66-jährige Tischlermeister. Auslöser sei der Arzt seiner Frau gewesen. „Entweder, Sie nehmen Tabletten oder sie laufen“, habe er ihr angesichts des hohen Blutdrucks „gedroht“. Sie fing daraufhin an, ihr Mann lief mit und blieb mit Eifer dabei. Bei 1,69 Meter Körpergröße reduzierte er sein Gewicht von 85 auf gesündere 75 Kilogramm. „In Spitzenjahren bin ich im Training und bei Wettkämpfen bis zu 800 Kilometer gelaufen“, blickt er zurück. In der Gesamtwertung der Lausitzlaufserie sprangen schon mal ein 2. und ein 3. Platz heraus. Heute beschränkt er sich auf das Radfahren, Schwimmen, Saunieren und den Rehasport.

Beim Blick auf den FC Schradenland, wohin die Fußballer gegangen sind, zeigt sich Vereinschef Andre Gündel, dort im Vorstand, sehr zufrieden. Von F bis B besetzen die Junioren alle Altersklassen. Die E-Kicker sind vorige Saison sogar Südbrandenburg-Meister geworden.

Die SG Grüne Eiche Großthiemig ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich gefragt. Platz und Gebäude gehören zwar der Gemeinde, die Bewirtschaftung mit einem geringen Zuschuss ist jedoch Sache des Vereins. Dass er das kann, zeigt der Fußballrasen. Dieser konnte trotz Hitze gerettet werden.