Die hohen Energiekosten machen vor allem Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen. Mit dem erst vor wenigen Wochen beschlossenem Wohngeld-Plus-Gesetz soll der Kreis der Hilfeempfänger deutlich vergrößert werden und die Zahlungen selbst ebenfalls deutlich steigen. Die Kommunen befürchten eine riesengroße Antragswelle. Vermutlich wird es das Geld für viele Betroffene erst Monate verspätet ausgezahlt.
„Wir werden die Erwartungen der Menschen, dass es schnell und zeitnah Wohngeld geben wird, wahrscheinlich nicht erfüllen können“, sagt Carsten Konzack von der Cottbuser Stadtverwaltung. Mit dieser Einschätzung steht die Kommune nicht allein. Auch der Deutsche Städtetag kritisiert, dass die Umsetzung des neuen Wohngeld-Plus-Gesetzes eine große Herausforderung für die Verwaltungen sei, auch weil vorgeschlagene Vereinfachungen nicht berücksichtigt wurden.
Einfach ist das Thema ohnehin nicht. Eine pauschale Aussage, wer mit welchem Einkommen wie viel Wohngeld bekommt, sei nicht möglich. „Jeder Wohngeldantrag ist ein Einzelfall“, sagt Frank Kulik von der Stadtverwaltung Spremberg. Wohngeldberechtigt sind grundsätzlich Menschen mit einem kleinen Einkommen. Hartz-IV-Aufstocker oder Mindestlohnempfänger gehören dazu. Aber auch Eigentümer, die ihre Wohnung selbst nutzen oder Rentner, die im Pflegeheim leben, können den Zuschuss beantragen.

Mit Wohngeld-Rechner eigenen Anspruch prüfen

Bei der Berechnung spielen Einkommen, Miete, Haushaltsgröße und Wohnort eine Rolle. Auch Unterhaltsvorschuss oder Abfindungen gelten als Einnahmen, Kindergeld hingegen nicht. Im Internet gibt es unter www.wohngeld.org einen Wohngeldrechner, mit dem man selbst überprüfen kann, ob man überhaupt einen Anspruch ab 2023 hat
Eine dreiköpfige Familie in Cottbus mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2590 Euro pro Monat und einer Kaltmiete von 600 Euro bekommt demnach beispielsweise einen Zuschuss von 90 Euro. Ein Alleinstehender mit einem Nettoeinkommen von 1680 Euro und einer Kaltmiete von 400 Euro pro Monat geht hingegen schon leer aus.
Die Zahl der Wohngeld-Anträge bei den Stadtverwaltungen ist seit September 2022 bereits sprunghaft angestiegen. In Spremberg hat sich der Antragseingang im Vergleich zu Frühjahr verdoppelt. Mehr als 900 Wohngeld-Empfänger gibt es allein aktuell in Guben. Mit einer Verdreifachung der Hilfsempfänger rechnet der Landkreis Spree-Neiße ab Januar 2023.

Verwaltungen stellen zusätzlich Personal ein

Die Kommunen stocken bereits ihr Personal auf, um der zu erwartenden Antragsflut etwas entgegensetzen zu können. Die Stadt Cottbus will eigenen Angaben zufolge sieben zusätzliche Stelle im Wohngeldbereich schaffen.
Mit einer großen Wohngeld-Kampagne will die Stadt Cottbus in den nächsten Tagen zusätzlich an den Start gehen. Auf der Internetseite soll es eine FAQ mit den häufigsten Fragen sowie Videos geben, die zeigen, wie ein Wohngeld-Antrag ausgefüllt wird. Die Antragsformulare können im Internet heruntergeladen, zu Hause ausgefüllt und an die Behörde per Post oder E-Mail zurückgeschickt werden.
„Unser Ziel ist, dass so viele Anträge wie möglich schon beim ersten Mal vollständig sind“, sagt Carsten Konzack. Dadurch könne Mehraufwand, der durch Rückfragen entsteht, vermieden werden.

Heizkosten- und Klimakomponente sind im Wohngeld drin

Wer bereits heute Wohngeld-Empfänger ist, muss gar nichts tun. Er bekommt ganz automatisch im neuen Jahr einen geänderten Bescheid zugestellt. Im neuen Wohngeld-Plus sind der Heizkostenzuschuss sowie eine Klimakomponente, die höhere Mieten aufgrund energetischer Sanierungen pauschal abfedern soll, integriert.
Auch das Jobcenter in Cottbus ist eine Anlaufstelle für Menschen, die ihre Miete aktuell nicht mehr zahlen können. Wer hier das neue Bürgergeld beantragt, obwohl er einen Wohngeld-Anspruch hat, wird nicht abgewiesen. Bis Ende Juni 2023 gilt diese Sonderregelung. „Wir müssen den Menschen schnell helfen“, sagt Geschäftsführerin Eike Belle.
Für Betroffene kann sich das durchaus lohnen. Im Jobcenter dauert die Bearbeitung aktuell vier Wochen. Ob die Wohngeldstellen der Kommunen so schnell sind, ist fraglich. „Unser Ziel ist es, im Frühjahr den größten Teil der Anträge mit einem Bescheid zu beantworten. Natürlich hängt das von der Anzahl ab und vom Zeitpunkt der Antragstellung“, sagt Michael Koch, Sozialdezernent des Landkreises Spree-Neiße.
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Menschen mit Mindestlohn haben Wohngeld-Anspruch

Der Wohngeldbetrag soll um durchschnittlich 190 Euro pro Monat steigen. Heute liegt der ausgezahlte Mittelwelt bei 180 Euro pro Monat, ab 2023 sind es den Angaben der Bundesregierung zufolge 370 Euro pro Monat.
Durch die Neuregelung werden über eine Million Haushalte zusätzlich Wohngeld beantragen können. Betroffen sind beispielsweise Menschen, die derzeit mit dem Mindestlohn von zwölf Euro je Arbeitsstunde vergütet werden. Auch Hartz-IV-Aufstocker können anstatt der Grundsicherung das neue Wohngeld beantragen.
Beantragt werden kann das Wohngeld direkt bei den Stadtverwaltungen in Cottbus, Guben, Forst und Spremberg. Die Kreisverwaltung in Forst ist für die ländlichen Gebiete in Spree-Neiße zuständig. Die Antragsformulare gibt es im Internet. Sie können ausgedruckt, ausgefüllt und eingeschickt werden.