Wohnen in Cottbus
: Das sind die Wünsche der Cottbuser und so kann man mitmachen

Wie stellen sich Cottbuser ihre Stadt in Zukunft vor? Jetzt können die Bewohner mitdiskutieren. Bis zum Jahr 2026 muss über Projekte entschieden werden.
Von
Lisa Hör
Cottbus
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Cottbuser werden nachgefragt, wie die Stadt bis 2040 ideal aussehen sollte. Im August 2025 hat das Stadtplanungsbüro AG Urban dazu Ortsteiltouren organisiert.

Menschen in Cottbus werden gefragt, wie die Stadt bis 2040 idealerweise aussehen sollte. Dazu hat das Stadtplanungsbüro AG Urban im August 2025 Ortsteiltouren organisiert. Aktuell läuft auch eine Online-Beteiligung.

Pina Mauch / AG Urban
  • Cottbus plant Stadtentwicklung bis 2040 – Bürger können bis 31.10.2025 online mitwirken.
  • Ziel: Nachhaltiges Wachstum, bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur und Klimaschutz.
  • Neue Projekte: Cottbuser Ostsee, Bahnwerk, Lausitz Science Park und Medizinische Universität.
  • Bürger fordern bessere Verkehrsinfrastruktur, Treffpunkte, Klimaanpassung und ärztliche Versorgung.
  • Konzeptabschluss 2026 – Basis für Fördergelder und langfristige Stadtplanung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Lausitzmetropole verändert sich rasant. Jahre der Abwanderung und des dramatischen Einwohnerverlusts sind vorbei. Cottbus hat die magische Großstadtmarke Marke von 100.000 Einwohnern wieder geknackt. Nun soll das Bevölkerungswachstum gesichert werden. „Dafür braucht es neben den Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung auch viele Investitionen in die soziale Infrastruktur mit Angeboten für die älter werdende Bevölkerung, aber auch besonders für junge Fachkräfte, Familien und die Jugend“, sagt Carolin Buttker, die Servicebereichsleiterin der Stadtentwicklung in Cottbus.

Um die Entfaltung der Stadt einzurahmen, wird derzeit ein Konzept erarbeitet. Das letzte stammt aus dem Jahr 2019. Es skizziert jetzt die angestrebten Entwicklungen bis zum Jahr 2035. Die aktualisierte Version soll einen Blick bis ins Jahr 2040 wagen. In dem Vorbereitungsprozess werden auch die Cottbuserinnen und Cottbuser gefragt, was sie sich für die Zukunft wünschen.

Cottbus soll sich entwickeln – aber nicht auf Kosten der Umwelt

Beauftragt worden ist AG Urban. Das Team bestehend aus Stadtplanern, Architekten und Sozialwissenschaftlern ist zwar aus Berlin, kennt Cottbus aber seit einigen Jahren sehr gut. So hat das Planungsbüro bereits ein Konzept für die Innenstadt erstellt. Nun ist die gesamte Stadt im Fokus. Dies wird auch durch den Arbeitstitel des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (INSEK) Cottbus 2040 deutlich. Der Titel: „STADT, LAND, S(PR)EE“.

Dass sie mit dem Cottbuser Ostsee ein weiteres urbanes Zentrum erhalten soll, ist bereits mit dem alten Stadtentwicklungskonzept festgelegt. Inzwischen hat der See seinen Zielwasserstand erreicht. Die bis zum kommenden Sommer geplante 1,7 Kilometer lange Seeachse soll den Cottbusern erstmals ermöglichen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad direkt dorthin zu gelangen. Am 17. Oktober 2025 wird der Grundstein zur Seeachse gelegt, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann angekündigt hat. Fünf Strände sind am ausgekohlten Tagebau geplant, was auch neue Touristenströme nach Cottbus locken soll.

Mit dem neuen Bahnwerk, der Medizinischen Universität Lausitz und dem künftigen Lausitz Science Park soll der Strukturwandel immer sichtbarer werden. Die Stadt steht dabei aber auch vor neuen Herausforderungen. „Mehr Extremwetterereignisse und Klimawandelfolgen werden prognostiziert, wodurch Investitionen in Klimaschutz und -anpassung unabdingbar werden“, sagt Caroline Buttker. Bis ins Jahr 2045 soll auch die Großstadt in der Lausitz – wie Deutschland insgesamt – treibhausgasneutral werden.

Ein weiteres bundesweites Nachhaltigkeitsziel ist es, die Inanspruchnahme neuer Flächen zu minimieren. So soll der tägliche Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland von derzeit rund 51 Hektar auf unter 30 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030 reduziert werden. „Die Flächenkonkurrenz wird zunehmen, da weniger Flächen ‚verbraucht‘ werden dürfen“, sagt Caroline Buttker. Auch in Cottbus gilt es deshalb, Brachflächen vorrangig zu berücksichtigen. In Betracht gezogen werden aber auch bestehende alte DDR-Garagenkomplexe und Kleingartenanlagen für neue Projekte.

Strukturwandel in Cottbus – das wünschen sich die Einwohner

Wie soll sich die Stadt in diesem Rahmen entwickeln? Welche Prioritäten sollten gesetzt werden, in dem Wissen, dass alles im Abgleich mit dem kommunalen Haushalt geschehen muss? Rund 130 engagierte Vertreter aus Verwaltung, Politik, Fachwelt und Bürgerschaft haben ihre Visionen bereits im Mai 2025 bei einer ersten Stadtentwicklungskonferenz mitgeteilt.

„Im Bereich Wohnen sind eine stärkere soziale Durchmischung und die Förderung vielfältiger Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen, gemeinschaftliche Projekte oder flexible Grundrisse gefragt“, sagt Caroline Buttker. Auch der Bedarf nach mehr bezahlbaren Wohnungen für Studierende und Auszubildende sei thematisiert worden.

Um das Image von Cottbus positiv zu entwickeln und junge Fachkräfte langfristig zu binden, soll es, wie einige Teilnehmende fordern, mehr Räume für Hoch-, aber vor allem auch Subkultur geben. Viele Bewohner erwarten spürbare Vorteile im Alltag durch neue digitale Lösungen für Verwaltung, Bildung und Mobilität. Dazu ist eine digitale Anbindung aller Ortsteile durch den Glasfaserausbau erforderlich.

Am 27. Mai 2025 fand die 1. Stadtentwicklungskonferenz im Rahmen des INSEK-Prozesses Cottbus/Chóśebuz 2040 statt. Rund 130 engagierte Vertreter*innen aus Verwaltung, Politik, Fachwelt und Bürgerschaft kamen zusammen, um gemeinsam über die zukünftige Entwicklung von Cottbus/Chóśebuz zu diskutieren.

Im  Frühjahr hatte die erste Stadtentwicklungskonferenz im Rahmen des INSEK-Prozesses Cottbus/Chóśebuz 2040 stattgefunden.

Wiebke Clausen / AG Urban

Im August ist das Planungsbüro AG Urban durch Cottbus und besonders in den ländlichen geprägten Ortsteile unterwegs gewesen. Dabei hatten sich an die 100 Bewohner an den Debatten beteiligt. „Besonders im Fokus stand die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur“, sagt Caroline Buttker. „Dazu gehören der Bau und die Sanierung von Rad- und Gehwegen, sichere Schulwege, der Ausbau des ÖPNV, und eine effizientere Anbindung an Cottbus und die Nachbarorte.“

Gewünscht werden außerdem die Schaffung von Treffpunkten, Maßnahmen zur Klimaanpassung sowie der Erhalt und die Pflege von Gewässern. Eine verlässliche ärztliche Versorgung und die Entwicklung touristischer Potenziale seien für die Einwohner ebenfalls wichtig.

So können sich Bürger an dem INSEK Cottbus noch beteiligen

Bis zum 31. Oktober 2025 haben alle Cottbuserinnen und Cottbuser noch die Möglichkeit, sich an einer Online-Befragung zu beteiligen. Strategien, Leitbilder und zentrale Maßnahmen sollen bei einer zweiten Stadtentwicklungskonferenz voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 vorgestellt werden. Ziel sei es dann, so Caroline Buttker, das neue Konzept im Jahr 2026 abzuschließen und anschließend an die Stadtverordneten zu übergeben.

Was bedeutet eigentlich INSEK Cottbus?

Ein INSEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) ist ein strategisches Planungsinstrument der Kommune, das die langfristige Entwicklung einer Stadt in verschiedenen Bereichen wie Wohnen, Mobilität, Wirtschaft, Daseinsvorsorge und Klimaschutz koordiniert, wie Caroline Buttker erklärt. Es diene auch als Grundlage und wichtige grundsätzliche Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeldern des Bundes, der Länder und der Europäischen Union, beispielsweise für die Städtebau- und Wohnraumförderung.

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