(mih) Seltene Fahrzeuge, glänzendes Chrom und frisch polierter Lack, gepolsterte Ledersitze sowie die zeitgenössische Kleidung der Fahrer ließen am Samstag die Herzen der Oldtimer-Freunde höherschlagen. Bei der sechsten Ausfahrt „Alte Spreewaldgurken“ der Oldtimer-Akademie der Handwerkskammer Cottbus waren fast 100 Fahrzeuge dabei. Viele Besitzer hatten bis zur letzten Schraube alles selbst restauriert und präsentierten stolz ihre Fahrzeuge beim Start im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Gallinchen. Zu bewundern waren unter anderem der EN-Wemo, Baujahr 1968, der Familie Kernchen aus Hildburgshausen, die damit die weiteste Anreise hatten, ein winziger BMW Isetta aus der Zeit um 1956, dessen Tür nach oben öffnete, und der BMW Dixi aus Eisenach, Baujahr 1929, mit 750 Kubikzentimetern Hubraum und 15 PS von Karin und Hans-Joachim Schmelling aus Kolkwitz. Alle Fahrzeuge konnten im historischen Originalzustand oder in liebevoller Restauration erhalten werden.

Zu jenen, die bereits von Anfang an bei der Ausfahrt der „Alten Spreewaldgurken“ dabei waren, gehörten Ingrid und Hans-Werner Quizk aus Kunersdorf. Sie beteiligten sich am Samstag mit einem liebevoll hergerichteten Wartburg 311 Cabrio, Baujahr 1957, den der einstige Chef des Busunternehmens Quizk vier Jahre lang restauriert hatte. „Das Auto haben wir mal aus dem Westen bekommen, und da ist keine Schraube an Ort und Stelle geblieben“, erzählte der gelernte Kfz.-Schlosser, der einst seine Lehre bei der Firma Bromm in Ströbitz absolviert hatte. „Ich bin ja mit solchen Fahrzeugen groß geworden, nun hat mich meine Vergangenheit wieder eingeholt“, sagte der Oldtimer-Freund, der in seiner heimischen Garage noch einen IFA F9, Baujahr 1955, und einen Wartburg 312 HAT bewahrt. Während Ingrid und Hans-Werner Quizk zu den erfahrenen Rally-Teilnehmern gehörten, waren Sylvia und Holger Wecke aus Cottbus mit ihrem Wolga M 21, Baujahr 1961, zum ersten Mal dabei. Während sie das Teilnehmerschild an der vorderen Stoßstange ihres Wagens sowjetischer Bauart befestigten,  erzählten sie, dass sie ganz aufgeregt und gespannt auf die Ausfahrt seien. „Wir freuen uns, dass wir heute mit unserem Wolga, den wir selbst komplett überholt und neu gespritzt haben, dabei sein können“, sagte Holger Wecke.

Starterin Heike Reinschke hob nach der obligatorischen Fahrerbesprechung mit Matthias Naumann von der Oldtimer-Akademie der Handwerkskammer, Mitorganisator Stefan Reinschke und dem Autopapst von Radioeins, Andreas Kessler, zum ersten Mal die Starterflagge. Damit schickten sie  die Fahrzeuge auf die 140 Kilometer lange Strecke nach Lichterfeld und schließlich zum Dorffest nach Skadow. Zuvor wurde dem Publikum noch einmal jeder Oldtimer vorgestellt. Sichtlich stolz genoss Rainer Schmatloch aus Calau das Privileg, als erster Teilnehmer genannt zu werden. Denn sein Opel 4/16 war mit dem Baujahr 1927 das älteste Fahrzeug im großen Fahrzeugfeld. „Der Opel ist seit 1969, also nun schon seit 50 Jahren, in meinem Besitz“, erzählte er, bevor er per Handkurbel den Motor startete und gemächlich vom Hof des Berufsbildungs-und Technologiezentrums rollte. Natürlich nicht, ohne beim Rechtsabbiegen mit einer aus dem Fenster des offenen Wagens gehaltenen rotweißen Signalkelle seine „Fahrtrichtungsänderung“ anzuzeigen.

Das wurde auch von René Engel im Publikum schmunzelnd registriert. Er war extra vor dem Start nach Gallinchen gekommen, um die liebevoll hergerichteten Oldtimer zu bewundern. „Ich interessiere mich sehr für Oldtimer der verschiedensten Art, besonders aber für US-Cars. Außerdem bin ich Hobby-Fotograf, da gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Ich bin jedenfalls wieder begeistert.“