Weiterbildung: Was Unternehmer über Wasserstoff in der Lausitz wissen müssen

Im Wasserstoff-Forschungszentrum auf dem Cottbuser Campus werden Theorie und Praxis für die Teilnehmenden der Weiterbildung anschaulich verbunden.
Frank HammerschmidtDer Ausstieg aus der Kohle soll in der Lausitz keine Sorgen, sondern vor allem neue wirtschaftliche Perspektiven bringen. So könnte man die Botschaft aus dem Energieunternehmen Leag zusammenfassen, die sich als einer der wichtigsten Akteure im Bereich der Industrie in der Region bei diesem Transformationsprozess engagiert. Auch wenn das Großunternehmen in den kommenden Jahren einen drastischen Personalabbau vorsieht, will es auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, und zwar nicht nur für die eigenen Mitarbeiter.
Gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Bildungsforschung (IBBF) und dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat die Leag im Jahr 2022 der Qualifizierungsverbund in der Lausitz für Erneuerbare Energien (QLEE) gegründet. „Wir betreiben hier proaktive Arbeitsmarktpolitik. Wir warten nicht, bis Beschäftigte arbeitslos werden, sondern qualifizieren sie in ihrem Arbeitsumfeld für die Zukunft“, sagt der Verbundmanager Frank Büchner.
Da in dieser Zukunft grüner Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen soll, ist im Juli 2023 ein Weiterbildungsprogramm zu Wasserstoffanwendungen im Konferenzzentrum der Leag in Lübbenau gestartet.

Frank Büchner, QLEE-Verbundmanager (in der Mitte) und Heike Bartholomäus (rechts), Geschäftsführerin Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung der BTU arbeiten bei Weiterbildung im Bereich der Erneuerbaren Energien zusammen. Hier am 13. Juli 2023, für Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Qualifizierungsverbund Lausitz für Erneuerbare Energien (QLEE) und der BTU Cottbus-Senftenberg.
BTUDas wird in diesem Programm über Wasserstoff gelehrt
Von der Erzeugung und dem Transport von Wasserstoff bis hin zu Anwendungsmöglichkeiten und gesetzlichen Grundlagen bieten die 72 Unterrichtsstunden einen umfassenden Branchenüberblick. Das Angebot richtet sich an Fach- und Führungskräfte, „die das Potenzial des Energieträgers Wasserstoff für ihr Unternehmen ausloten und erste Realisierungsschritte vorantreiben wollen, insbesondere in den Bereichen Mobilität/Logistik, Produktion und Energieversorgung oder Klimabilanz“, heißt es auf der Website der Weiterbildung.
Am Ende des Kompaktkurses im Oktober werden die Teilnehmer eine Prüfung ablegen, um ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer Cottbus zu erhalten.
Weil das Programm in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg durchgeführt wird, können die Teilnehmer im Wasserstoff-Forschungszentrum auf dem Cottbuser Campus in Unterrichtseinheiten auch anschaulich sehen, wie Wasserstoff durch Elektrolyse erzeugt wird. Zu den Referenten gehören unter anderem Professor Lars Röntzsch von der BTU und Chuma Francis Kanis, der auf dem ehemaligen Flugplatz Cottbus-Drewitz eine großtechnische Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff entwickeln will.

Die Teilnehmenden der Qualifizierung zum „IHK-Fachexperten für Wasserstoffanwendungen“ beim Besuch des Elektrolyseurs an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
Frank Büchner / QLEEFinanzierung je zur Hälfte durch die Leag und den Staat
Auch wenn das Datum noch nicht feststeht, ist geplant, schon sehr bald einen weiteren, ähnlichen Kurs zum Thema Wasserstoffanwendungen anzubieten. Ein Kurs über die Planung, den Bau und den Betrieb von großen PV-Anlagen ist ebenfalls für den Oktober 2023 in Vorbereitung.
Einzige Voraussetzung, damit ein Unternehmen einen seiner Mitarbeiter anmelden kann, ist die Mitgliedschaft bei QLEE. „Wir können den QLEE-Verbundunternehmen und ihren Mitarbeitern in der Lausitz Qualifizierungen anbieten, dank der Unterstützung durch die Leag und der STARK-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz„, sagt Frank Büchner.
Zu den derzeitigen Mitgliedern von QLEE zählen das börsennotierte Unternehmen SPIE, das technische Dienstleistungen für Gebäude, Anlagen und Infrastrukturen anbietet, oder Energiequelle, das große Windkraft-, Biomassen- und Fotovoltaikanlagen betreibt. Es sollen aber nicht nur Firmen angesprochen werden, die bereits mehrere hundert oder gar tausend Mitarbeiter beschäftigen. Sondern es geht auch darum, den Bedürfnissen von kleinen und mittleren Unternehmen in der Lausitz gerecht zu werden.
Dominoeffekt – so wird die Lausitz zur H2-Experten-Region
Heike Bartholomäus, Geschäftsführerin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung der BTU Cottbus-Senftenberg, war an der Konzeption des unkonventionellen Weiterbildungsprogramms beteiligt und möchte die zukünftigen Teilnehmer beruhigen. Sie sollten sich nicht von der scheinbaren Technizität der Kurse abschrecken lassen: Ein bestimmter Bildungsabschluss ist für die Teilnahme an den Kursen nicht erforderlich.
Wie auch die BTU von dem Programm profitieren kann
Für Heike Bartholomäus, Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung an der BTU Cottbus-Senftenberg, ist die Partnerschaft mit QLEE auch eine Chance, die akademische und die berufliche Welt einander näherzubringen: „Die Trennung von wissenschaftlicher und beruflicher Weiterbildung wollen wir überwinden und das Beste aus beiden Welten anbieten. Dabei ist Zugänglichkeit von Bildungsangeboten entscheidend, um zeitgemäße Qualifizierungsmöglichkeiten sicherzustellen.“ Der Austausch auf Augenhöhe zwischen den Lehrenden und den berufserfahrenen Teilnehmenden soll es zudem ermöglichen, zu erfahren, wie die Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen und welche Bedarfe und weiteren Forschungsfelder sich ergeben.
Frank Büchner besucht selbst die Kurse, um die Qualität beurteilen zu können: „Die Teilnehmer kommen schon jetzt aus den unterschiedlichsten Bereichen – vom Mechaniker, über den Elektriker bis zum Ingenieur. Besonders freut mich, dass sich auch Ausbilder qualifizieren. Auf diese Weise können wir das Thema Wasserstoff schon frühzeitig in der Ausbildung verankern“. Damit können die Auszubildenden, beispielsweise der Leag, auch Kenntnisse über die Produktions- und Nutzungskette von Wasserstoff erwerben.
Die Strahlkraft auf die Unternehmen und die Lausitz als künftige Wasserstoffregion könnten, weit über den Teilnehmerkreis hinausgehen, der schon jetzt den Wasserstoffkurs belegt, sagt auch Heike Bartholomäus: „Wir sprechen nicht nur von 16 Personen, sondern von viel mehr. Alle, die den Kurs besuchen, sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Ziel ist es, dass sie ihr Wissen und diese Lernkultur in ihre Teams und an die Werkbänke tragen.“
Und vielleicht auch Diskussionen in den Familien anregen, die zukünftige Studierende inspirieren, sich für diese wirtschaftliche Zukunftstechnologie zu begeistern.


