Von Jan Siegel

Der Sommer des Jahres 2018 wird den Feuerwehrleuten in der Lausitz und in ganz Brandenburg wohl eine ganze Weile in Erinnerung bleiben. Mehr als 500 Waldbrände hatten die meist ehrenamtlichen Brandbekämpfer wochenlang in Atem gehalten. Auf beinahe 1700 Hektar loderte es im vergangenen Jahr im Brandenburger Wald. In Erinnerung geblieben sind dabei vielen Lausitzern besonders die Feuer in der Lieberoser Heide, wo die Flammen zwischen Anfang Juli und Mitte Oktober bei insgesamt sechs mehrtägigen Bränden hochschlugen. Hunderte Feuerwehrleute aus dem ganzen Süden mussten in einem Schichtsystem gegen die immer wieder auflodernden Brände vorgehen.

Tödliche Hinterlassenschaften

Dabei gibt es in der Lieberoser Heide eine Besonderheit, die gerade in Brandenburg gar nicht so selten ist. Dort, auf dem riesigen Areal, hatten nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang Truppen der Roten Armee geübt. Große Teile des Areals bergen daher noch immer hochbrisante, explosive und für Feuerwehrleute tödliche Überraschungen. Große munitionsbelastete Gebiete gibt es auch auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ im Landkreis Teltow-Fläming. Auch dort war im vergangenen Jahr, Ende Juli, zum wiederholten Mal ein Großfeuer ausgebrochen. Auch gut ausgebildete Feuerwehrleute und ihre erfahrenen Einsatzleitungen müssen dort oft beinahe „tatenlos“ zusehen, wie sich die Flammen fast ungehindert durchs Gehölz fressen.

In diesen explosionsgefährdeten Regionen können am Ende nur spezielle Löschpanzer oder Brandbekämpfer aus der Luft dabei helfen, die Feuer einzudämmen oder gar zu stoppen. Und am Ende waren es tatsächlich auch Hubschrauber, die sowohl in der Lieberoser Heide als auch in „Altes Lager“ entscheidend mitgeholfen haben, die Brände zu löschen. Dort waren es Hubschrauber der Bundeswehr und der Bundespolizei, die angefordert worden waren. „Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber“, hatte der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes Hartmut Ziebs vor einigen Wochen nüchtern eingeschätzt. Hinlänglich bekannt ist in der Öffentlichkeit inzwischen ja die materiell oft schwierige Situation der Bundeswehr. Hubschrauber bilden dabei keine Ausnahme.

Zettelkram und Bürokratie

Aus dem Bundesministerium der Verteidigung hieß es damals, die Bundeswehr könne nur dann helfen, „wenn die zuständigen Hilfskräfte eben nicht mehr in der Lage sind, den Brand zu löschen beziehungsweise nicht mehr in der Lage sind, genug Material und Personal an den Punkt zu bekommen, wo sie es brauchen". Dabei würden Hubschrauber genutzt, die zwar nicht spezielle Löschhubschrauber seien, aber Wassertanks transportieren könnten.

Und wenn es um den Einsatz von fliegender Löschtechnik geht, beklagt der Präsident des Brandenburger Landesfeuerwehrverbandes Werner-Siegward Schippel: „Es gibt aber noch zu viele Verwaltungswege. Wir wollen einfachere Verfahren für schnelle Hilfe mit Löschhubschraubern.“

Es gibt Löschhubschrauber ganz in der Nähe

Über solche Klagen schütteln Jan Dammes und Dirk Franzke auf dem Flugplatz in Neuhausen/Spree, 15 Kilometer vor den Toren von Cottbus, nur ratlos die Köpfe. Dammes und Franzke sind die Chefs der Firma Aeroheli International. Die Lausitzer Firma mit derzeit acht Hubschraubern und 18 Mitarbeitern und freien Piloten verdient ihr Geld in erster Linie mit Vermessungs- und Überwachungsflügen für Strom- und Gasnetzbetreiber in ganz Europa. Das Aeroheli-Team aber verfügt seit Jahren auch über die Technik und reichlich Erfahrung bei der Unterstützung von Feuerwehren aus der Luft in großen Waldbrandlagen. „Anfang April diesen Jahres haben wir in Neuhausen wieder umfangreiche Überprüfungen der Technik vorgenommen und spezielle Trainings auch mit polnischen Piloten durchgeführt. Außerdem haben wir einen weiteren modernen, leistungsstarken Hubschrauber von Airbus in Betrieb genommen, der mit einem Löschbehälter mit 1000 Litern Wasser operieren kann“, erzählt Jan Dammes.

Lausitzer Löschhubschrauber im Europa-Einsatz

Die Lausitzer waren mit ihren Hubschraubern im vergangenen Jahr beispielsweise bei den großen Waldbränden in Schweden mit im Einsatz, die auch in Deutschland für Schlagzeilen sorgten. Gelöscht haben sie in Portugal, Spanien, Albanien und Griechenland. Aktuell war ein Hubschrauber der Neuhausener in diesen Tagen in Polen bei der Waldbrandbekämpfung eingesetzt, ein zweiter ist erneut in Schweden. In der Lausitz mitgelöscht haben die Neuhausener aber noch nicht. Ersichtliche Gründe dafür kann niemand nennen. Es scheint ein bisschen wie die Geschichte um den „Propheten“ zu sein, der „im eigenen Land nichts gilt“.

Möglicherweise seien die Anforderungswege einfach noch zu unbekannt, mutmaßen die Lausitzer Hubschrauber-Piloten. Als in der Lieberoser Heide im vorigen September und Oktober die Flammen wieder einmal hochschlugen, standen auf dem Flugplatz Neuhausen – nach erfolgreichem Einsatz bei den Bränden in Schweden – zwei einsatzbereite Feuerlöschhubschrauber. Obwohl sowohl das Brandenburger Innenministerium als auch die Leitstelle Lausitz davon gewusst hätten, habe es keine Anforderung gegeben, sagen Jan Dammes und Dirk Franzke.

Die Hubschrauber- und Panzer-Löscheinsätze haben im Land Brandenburg nach Angaben des Innenministeriums im Jahr 2018 insgesamt 1,025 Millionen Euro gekostet. „Dafür hätten wir zwei Löschhubschrauber inklusive der Flugstunden übers ganze Jahr bereitstellen können“, sagt Jan Dammes. Das schaffe Arbeitsplätze und Kaufkraft in der Region, und über die zu zahlenden Steuern fließe auch ein Teil wieder zurück an Land und Kommunen.