Um herauszufinden, wie es den Unternehmen in Brandenburg und Berlin geht, haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) beider Länder gemeinsam ein Kriminalitätsbarometer aufgestellt. Rund 1600 Unternehmen wurden befragt, wie sie ihre Lage einschätzen – und wie und sie Opfer von kriminellen geworden sind. Die erschreckende Erkenntnis: Die Zahl der Verbrechen ist sehr viel höher als der Polizei bekannt.

Nur jede zweite Straftat wird gemeldet

Zwei Drittel aller Betriebe, die an der Dunkelfeldbefragung teilnahmen, waren im Jahr 2018 von Kriminalität betroffen. Das betrifft vor allem Diebstahl und Vandalismus, aber auch Hackerangriffe und Industriespionage. Das Problem: „Weit mehr als die Hälfte aller Straftaten, ausgenommen Einbruchdiebstahl, wurden nicht zur Anzeige gebracht“, sagt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg.

Manche Firmen scheuen davor zurück, kleinere Delikte anzuzeigen, weil ihnen der Aufwand zu hoch ist. Gerade im Bereich der Cyberkriminalität ist es aber auch eine Imagefrage. Wird bekannt, dass das eigene Unternehmen Opfer von Hackern geworden ist, drohen unangenehme Nachfragen von Kunden, die um die Sicherheit ihrer Daten fürchten.

Polizei kann nur erfassen, was auch angezeigt wird

In der Jahresstatistik der Polizei tauchen solche Verbrechen dann allerdings nicht auf. Die sogenannte PKS kann nur erfassen, was angezeigt oder von Polizisten ermittelt wird. Bekannt ist, dass gerade im Bereich der Internetkriminalität das Dunkelfeld der nicht angezeigten Straftaten sehr viel größer ist. „Die offiziell angezeigten Taten sind nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Christoph Irrgang, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Deshalb mahnen die Kammern auch ihre Mitglieder. „Tatsächlich sind Unternehmen für ihre Sicherheit selbst verantwortlich. Aber Staat und Verwaltung müssen für die Kriminalitätsprävention sorgen. Das setzt ein konsequentes Anzeigen aller Straftaten voraus“, so Gundolf Schülke. Die Anzeigebereitschaft bei Hackerangriffen liegt hingegen laut Umfrage immer noch weit unter zehn Prozent.

Zwei Drittel der Firmen haben Angst vor Hackern

Vor allem der Bereich der Cyberkriminalität bereitet den Unternehmen auch immer größere Sorgen. Weit über 60 Prozent der befragten Unternehmer halten die Lage für bedrohlich oder sehr bedrohlich. 30 Prozent aller Unternehmen in der Lausitz sind im vergangenen Jahr Opfer von Hackern geworden.

Sich selbst stellen die Unternehmen allerdings ein gutes Zeugnis aus. Über 40 Prozent bescheinigen die eigenen Sicherheitsmaßnahmen als gut bis sehr gut. Ob das stimmt? Experten raten dazu, besondere Vorsicht walten zu lassen. „Firmen sollten vorbereitet sein, ein Notfall-Handbuch bereithalten und die Mitarbeiter entsprechend schulen“, rät Lothar Probst von der IHK Cottbus.

Unternehmen an der Grenze sehr oft Opfer von Einbrechern

Vandalismus und Einbruch sind Delikte, die nach wie vor Unternehmen in den Grenzgemeinden besonders betreffen. 39,8 beziehungsweise 29,7 Prozent aller befragten Unternehmen in den Grenzgemeinden waren davon im vergangenen Jahr betroffen.