Von Christian Taubert

Dennis Kettlitz ist mehr als zufrieden. Lange bevor es draußen am Lakomaer Einlaufbauwerk des Bergbaubetreibers Leag „Wasser marsch!“ für den künftigen Cottbuser Ostsee heißt, ist die Spree Galerie gut gefüllt. „Darauf haben wir gehofft“, räumt der Chef des Ostsee-Fördervereins ein, der hier als Süßwasser-Matrose angezogen durch den Abend führt. Der Verein hatte zu der Fete in die Einkaufspassage geladen und Hunderte waren gekommen.

Nachdem Fischbrötchen verspeist und die Meerjungfrau Ariel Tombolagewinner gezogen hat, nähert sich der Abend dem Höhepunkt. Vor der Videoleinwand mit Live-Übertragung vom Ostsee wird der Countdown vielstimmig mit herunter gezählt. Dann jubelt die Menschenmenge. Das erste Spreewasser strömt in die Grube des ehemaligen Tagebaus Cottbus-Nord. Das mit künftig 19 Quadratkilometern größte künstliche Gewässer Deutschands wird Cottbus von der Bergbau- zur Hafenstadt verwandeln.

Lothar Albrecht lässt daran keinen Zweifel. Dem Tourismus werde der See einen Schub verleihen, sagt der 72-Jährige, der aus Berlin – der Liebe wegen – nach Cottbus gezogen ist. „Eine schöne Stadt, die nun mithilfe des Ostsees noch mehr Chancen für die Zukunft bekommt“, zeigt er sich zuversichtlich. Richard Mysliwiec hält dagegen, dass der Ostsee die vielen jungen Leute, die in den zurückliegenden Jahren die Region verlassen haben, nicht zurückbringen werde. „Aber Cottbus wird attraktiver“, betont der 66-Jährige. „Vielleicht überlegt vor diesem Hintergrund manch Absolvent der BTU, doch hier in der Region seine Zukunft aufzubauen.“ Mysliwiec ist übrigens begeisterter Freizeitradler und hat auf seinen Touren im Teichland den Wandel der Grube des Tagebaus Cottbus-Nord zum Ostsee genau beobachtet. „Eine gewaltige Wasserfläche entsteht hier“, zeigt er sich beeindruckt.

„Ich werde nicht hier bleiben, aber ganz bestimmt wiederkommen“, ist sich Lisa Haimb sicher. Sie ist im nordrhein-westfälischen Lippstadt zu Hause und hat bei der Tombola im Ostsee-Fenster der Spree Galerie gerade mit beachtlichem Wissen über das vor Cottbus entstehende Gewässer geglänzt. Der Hauptpreis beschert der BTU-Studentin für Musikpädagogik, die es nach ihrem Abschuss nach Berlin zieht, eine der letzten Leag-Fahrten auf den Grund des Ostsees. „Total spannend“, sagt sie. „Dabei hatte ich zu Studienbeginn vor zwei Jahren keine Ahnung, dass hier ein See entsteht.“

Es ist schon 21 Uhr. Peter Sohst (65) schaut noch immer auf den Bildschirm, der „Wasser marsch!“ zeigt. Für den Ex-Mitarbeiter der Landesplanung Berlin-Brandenburg ist es bereits das sechste Mal, dass er den Flutungsstart von Tagebauseen in der Lausitz miterlebt. „Aber das hier ist ein besonderer: Er ist der größte und dazu der einzige unmittelbar an einer Großstadt.“