Von Peggy Kompalla

Die glitzernden Säulen mit den Ringen tauchten im vergangenen Jahr am Straßenrand von Cottbus auf. Seither wird an der Europakreuzung und in Gallinchen auf der B 97 mithilfe modernster Lasertechnik geblitzt. Die Blitzersäulen arbeiten grundlegend anders als die klassischen Starkästen. Die neuen Geräte sorgen allerdings bei einigen Cottbusern für Unbehagen. Stadtsprecher Jan Gloßmann sieht dafür keinen Grund: „Am einfachsten ist es, sich an die Verkehrsregeln zu halten, dann sieht man die Blitzer gar nicht.“ Extra Erläuterungen zur Funktionsweise einzelner Geräte werde  die Stadt nicht geben.

Wolfgang Baumgarten äußert Bedenken. Er kümmert sich als Jurist bei der Verbraucherzentrale Cottbus um Belange des Verbraucherschutzes. Zu den neuen Blitzersäulen sagt er: „Für mich ist das eine Black Box. Das verunsichert mich, schließlich weiß ich nicht, was dahintersteckt.“ Läuft da eine Videokamera? Werden möglicherweise Bewegungsdaten erfasst? Oder die Kennzeichen der Fahrzeuge registriert? „Ich weiß es nicht“, sagt Baumgarten und hebt die Hände.

Thomas Richter kann beruhigen. Die Blitzersäulen seien keine versteckten Überwachungsapparate. „Die Geräte in Cottbus scannen keine Kennzeichen. Es läuft auch kein Video.“ Thomas Richter arbeitet als Sachverständiger für Verkehrsmesstechnik im Cottbuser Ingenieurbüro Lausitz. Aktuell hat er einen Fall vom Blitzer an der Europakreuzung auf dem Schreibtisch. Ein Autofahrer ist bei Rot geblitzt worden. Denn das Gerät tritt nicht nur bei Geschwindigkeitsüberschreitungen in Aktion.

Die Blitzersäule an der Europakreuzung überwacht stadtauswärts drei Spuren – die zwei Geradeaus- und die Linksabbiegerspur. Der Sachverständige erklärt: „Das System beruht auf der Laserlaufzeitmessung.“ Demzufolge sendet das Gerät permanent einen Lichtfächer bis auf eine Entfernung von rund 75 Metern im Erfassungsbereich aus. Das geschieht in einer sehr hohen Frequenz – also viele Tausende Male in der Sekunde. Auf diese Weise wird jedes Objekt im Erfassungsbereich registriert und verfolgt – egal ob zu schnell oder nicht. Dabei erstellt das Gerät eine Art 3 D-Modell der Objekte. Auf diese Weise kann es sogar zwischen Lkw und Pkw unterscheiden.

Der Fachmann erklärt, wie das funktioniert: „Trifft der ausgesendete Lichtstrahl auf ein Objekt, wird er reflektiert und an den Empfänger gesendet. Aus der Signallaufzeit ergibt sich die Entfernung zwischen Messgerät und Messobjekt. Aufgrund der hohen Frequenz der Messungen ergeben sich die einzelnen Weg- und Zeitkoordinaten, aus denen die Geschwindigkeit berechnet wird.“ Ist ein Fahrzeug zu schnell unterwegs, wird die Kamera ausgelöst. Das klassische Blitzerfoto entsteht.

Um die Rotfahrer zu erwischen, überwacht das Gerät während der Rotphase zusätzlich die Haltelinie an der Ampel. „In dieser Zeit löst jedes Messobjekt ein Foto aus, das die Haltelinie passiert“, erklärt der Sachverständige. Das ist Foto eins. Foto zwei gibt es in besserer Auflösung, wenn das Fahrzeug den Gefährdungsbereich der Kreuzung erreicht. „Das zweite Foto dient als Beweisbild zur Fahrererkennung.“

Die Blitzersäule in Gallinchen steht nicht in der Nähe einer Ampel. Dafür kann sie theoretisch in beide Fahrtrichtungen arbeiten. Ob das der Fall ist, kann der Sachverständige allerdings nicht sagen.

Im Vergleich zu den neuen Messgeräten nimmt sich der Starkasten recht einfach aus. Die Messung findet über Sensoren statt. Sie werden in mehreren Streifen quer in der Straße verlegt und reagieren auf Druck. Auf diese Weise wird die Geschwindigkeit ermittelt. Ist ein Fahrzeug zu schnell, geht das Signal an den Auslöser. Thomas Richter bemüht einen Vergleich: „Es ist wie zwischen Schreibmaschine und Windowsrechner. Der Computer hat natürlich viel mehr drauf. Er ist aber auch komplexer. Und wem ist der Rechner noch nie abgeschmiert?“